Wie Du Deinem Kind bei Insektenstichen hilfst / Teil 2: Mücken, Bremsen, Ameisen

Bald fangen die Sommerferien an. Viele Familien machen Urlaub in der Natur oder sind öfter draußen. Da ist die Gefahr groß, zumindest Mückenstiche und auch mal eine Zecke abzukriegen. In Teil 1 unserer Serie zum Thema Insektenstiche habe ich erläutert, wie man sich wirksam vor Insektenstichen schützt. Denn Vorsicht ist besser als Nachsicht. Trotzdem wird es passieren, dass Euer Kind mal gestochen oder gebissen wird. Was man gegen Stiche bzw. Bisse von Mücken, Bremsen und Ameisen macht, darum geht es heute. Im dritten Teil der Serie widmen wir uns dann den Wespen, den Bienen und den Zecken.

Was tun bei Insektenstichen?

Also, zuerst muss ich voranschicken, dass wir, was Insektenstiche betrifft, in diesem Jahr schon hart getroffen sind. Wir sind seit dem Frühling stolze Besitzer eines kleinen Bauernhauses, das mitten in der Natur zwischen Wald und Wiesen liegt. Die Idylle ist wirklich herrlich, ABER: auf dem großen, waldähnlichen Grundstück wimmelt es nur so von Insekten. Ich bin der Vorbesitzerin unendlich dankbar für den wundervollen Naturgarten, den sie dort geschaffen hat (nun ja, eigentlich hat sie alles mehr oder weniger wild wachsen lassen). Aber auch Insekten lieben den Naturgarten. In den Weißdornbüschen am Grundstücksende surrt und summt es in allen Tonlagen; auf einen Blick konnte ich in einem der Büsche im Juni mindestens 30 Käfer- und Insektensorten ausmachen.

Außerdem wimmelt es im Gras von Zecken. Wir haben alle dieses Jahr schon eine oder mehrere Zecken gehabt. Und zur Krönung befindet sich auf dem Grundstück auch ein riesenhafter Ameisenhaufen, der von 1 cm langen roten Waldameisen bewohnt und bewirtschaftet wird. Die kleine Tochter ist den Ameisen schon einmal barfuß in die Quere gekommen und wurde folgerichtig von mehreren Ameisen in den Fuß gebissen.

Aber das gehört zur Natur und zu einer normalen Kindheit dazu. Mückenstiche und Ameisenbisse kann jedes Kind aushalten. Trotzdem freut man sich, wenn man dem Kind helfen kann, wenn es juckt oder doch sehr weh tut (Bremsenstiche sind äußerst schmerzhaft!).

Hier also all mein sorgfältig zusammengetragenes Wissen und meine Erfahrungen dazu, wie man Kindern bei Insektenstichen helfen kann. Zuerst ein paar Punkte, die bei allen Stichen gelten, dann Informationen zu allergischen Reaktionen, und ganz am Schluss die speziellen Infos zu Mücken, Bremsen und Ameisen.

Was bei allen Insektenstichen gilt

Bei einer allergischen Reaktion sofort den Notruf anrufen (112)

Ganz wichtig ist es, das Kind bei den ersten Insektenstichen seines Lebens gut zu beobachten, um festzustellen, ob es eventuell eine Allergie hat (zu den Symptomen und was im Fall einer allergischen Reaktion zu tun ist, siehe weiter unten). Denn allergische Kinder können durchaus an einem unbehandelten Insektenstich sterben. Deswegen unbedingt den Notruf verständigen, wenn es zu allergischen Reaktionen kommt!

Und aufgepasst: Zu einer allergischen Reaktion kommt es im Fall der Fälle erst beim zweiten Stich!

Ruhig bleiben,  trösten und beruhigen

Unsere Stimmung überträgt sich aufs Kind. Wenn wir ruhig bleiben und nicht in hektisches Getue verfallen, werden auch unsere Kinder mit der Zeit gelassener mit Insektenstichen umgehen. Ich kenne eine fast befremdlich insektengelassene Mutter, die sich und ihren Kindern gern mal Bienen auf dem Arm herumkrabbeln lässt. Sie behauptet, ihre Kinder seien noch nie gestochen worden, weil sie so entspannt bleiben. Auch bei anderen Verletzungen ihrer Kinder bleibt sie extrem gelassen, und tatsächlich beruhigen sich ihre Kinder auch ganz schnell nach Verletzungen. Ich denke immer an sie, wenn meine Kinder mal wieder einen Stich abbekommen haben, und versuche, mich innerlich so zu fühlen wie sie auf mich wirkt. Das hilft mir sehr, ruhig zu bleiben.

Bei uns hilft es auch, wenn ich meine Kinder sofort auf oder in den Arm nehme und sanft Heile-heile-Segen singe oder summe. Da ich aber Hilfsmittel holen muss, nehme ich meist die Kinder zum Medikamentenschrank mit – zumindest, wenn mein Mann gerade nicht zur Stelle ist, um Kram herbeizuholen. Dabei versuche ich, nicht zu hetzen, denn das ist nur kontraproduktiv.

Unsere 5 goldenen Maßnahmen bei Insektenstichen: Hitze, Spucke, Desinfektion, Kühle, Teebaumöl

Was viele nicht wissen: Der Juckreiz, die Rötung und überhaupt die Reaktion des Körpers entsteht durch bestimmte Eiweiße im Insektengift. Diese zerfallen bei einer Temperatur um die 45°C. In der Apotheke gibt es kleine Hitze-Stifte zu kaufen, die man sofort nach dem Stich auf die Einstichstelle drücken kann und die die Eiweiße zerstören. Man kann auch einen Metall-Löffel in nicht zu heißes (!) Wasser tauchen und diesen auf die Einstichstelle drücken. 45°C sind gut auszuhalten und verbrennen die Haut nicht.

Danach hilft ganz banal Spucke. Sich selbst ein wenig mit Spucke einzureiben, machen viele Kinder gern. Außerdem erlebt das Kind so, dass es sich selbst helfen kann. Das ist eine gute, befriedigende Erfahrung.

Um Entzündungen vorzubeugen, behandle ich die Stichstelle dann mit einem Desinfektionsmittel. Statt einem Desinfektionsmittel kann man auch eine aufgeschnittene Zwiebel nehmen und die Stichstelle damit einreiben. Zwiebeln haben eine leicht desinfizierende Wirkung und helfen viel besser und ganzheitlicher, als die wissenschaftlichen Fakten zu ihrer Desinfektionsmittel-Wirkung vermuten lassen.

Und schließlich, um ein zu starkes Anschwellen zu vermeiden, hilft Kühlung durch Kühlpacks oder Eiswürfel. Dabei aber bitte nie, niemals die Kühlpacks oder Eiswürfel direkt auf die Haut geben! Dadurch kann es zu Kälteschäden kommen. Immer ein Küchentuch darum wickeln.

Nach dem Abklingen der ersten Beschwerden, also nach einer bis drei Stunden, hat sich bei uns Teebaumöl bewährt, um den Juckreiz zu mildern und die Heilung zu unterstützen.

Ein homöopathisches Mittel bei Insektenstichen ist Apis D6. Ihr verabreicht 5 Globuli alle 5 Minuten, bis zu 10 Mal. Danach weiter in mehrstündigen Abständen je 5 Globuli.

Nicht aussaugen

Insektenstiche sollten nicht ausgesaugt werden, da durch den Kontakt mit dem bakterienübersäten Mund Keime in die Stichwunde gelangen können, die zu schlimmen Entzündungen führen können.

Vorsicht bei Stichen im Hals- und Rachenraum

Bei Stichen im Mund, Hals oder Rachenraum unbedingt sofort kühlen, um Schwellungen in der Nähe der Atemwege zu verhindert. Bei Unsicherheit lieber den Notarzt rufen.

Stichstelle markieren

Mein Tipp: Umrandet die Stichstelle mit einem Stift. dann könnt Ihr besser einschätzen, wie die Heilung verläuft und ob es eventuell schlimmer wird.

Nicht kratzen! Oder: Helfen, dass es nicht so juckt

Zugegeben, Kinder kratzen natürlich an den juckenden Stichen. Unsere eine Tochter hat schon einige Narben von immer wieder aufgekratzten Stichen an den Armen. Am besten ist es, wenn Kinder gar nicht erst mit dem Kratzen anfangen. Hier hilft es, Teebaumöl auf die Stiche aufzutragen, und dann den Stich mit einem sauberen Tüchlein, einem Mullpad oder einem Pflaster abzudecken. So ist die Wunde vor Entzündungen und die Kleidung vor Wundnässe oder auch austretendem Blut geschützt.

Es gibt in der Apotheke auch Salben, die Juckreiz bei Insektenstichen abmildern. Wir benutzen immer Combudoron von Weleda, das man im Kühlschrank aufbewahren kann. Dann tut es sehr wohl bei heißen, juckenden Stichen. Combudoron hilft auch bei leichtem Sonnenbrand (den ich manchmal habe, weil ich immer wieder die Empfindlichkeit meiner Haut unterschätze….).

Symptome einer Allergie gegen Insektengift

Bei einer leichten Allergie ist die Einstichstelle stark gerötet und die Schwellung stärker. Außerdem juckt der Stich sehr. Allerdings verschwinden auch bei allergischen Menschen diese Symptome oft nach einem Tag.

Bei einer schweren Allergie treten auch Symptome auf, die andere Körperteile betreffen können, zum Beispiel  Herzrasen, Übelkeit, Schwindel, Bauchschmerzen, tränende Augen, Schluckbeschwerden oder Frösteln.

Wenn der Betroffene erbricht, Atemnot und/oder Schwindel schlimmer werden und das Frösteln in kalten Schweiß übergeht, der Betroffene benommen wirkt oder der Kreislauf zusammenbricht, muss man umgehend den Notarzt rufen.

Wer weiß, dass er selbst oder sein Kind sensibel auf Insektenstiche reagiert, sollte ein Notfallset zur Hand haben. Ein solches bekommt man ind er Apotheke; es enthält ein Antihistamin, Cortison und Adrenalin.

Mückenstich

Mückenstiche sind die häufigsten Insektenstiche in unseren Breiten, da Mücken überall und zahlreich vorkommen und von sich aus aktiv die Haut bzw. das Blut der Menschen suchen.

Mücken werden vom Körpergeruch des Menschen angelockt. Sie stechen ihren Stachel ein, injizieren uns ein Sekret, das das Blut an der Einstichstelle am Gerinnen hindert, und saugen dann unser Blut. Unser Körper reagiert auf das Sekret wie auf einen unwillkommenen Eindringling, nämlich mit der Bildung von Histaminen. Diese verursachen den Juckreiz.

Bremsenbiss

Wenn Ihr mich fragt, gehören Bremsen zum ekligsten Viechzeug, das es gibt. Bremsen stechen gar nicht. Haltet Euch fest – sie schneiden mit „groben Mundwerkzeugen“ (Wikipedia) ein Loch in die Haut ihrer Opfer, injizieren dann wie Mücken ein blutgerinnungshemmendes Mittel und schlürfen dann aus der Wunde unser Blut, Lymphe und Zellflüssigkeit. Ist das nicht widerlich?

Bremsenbisse sind äußerst schmerzhaft. Die Tiere suchen aktiv die Haut von Menschen und Tieren. Sie beißen und saugen sogar durch die Kleidung. Auch Bremsen werden durch unseren Schweiß angelockt. Das Beitragsbild zeigt übrigens eine Bremse.

Bremsen und Mücken kann man fernhalten, wenn man seinen Körpergeruch mit ablenkenden Gerüchen übertüncht. Die Kinder kann man gut mit den praktischen Anti-Mücken-Pflastern schützen, die man auf der Kleidung anbringt (nicht auf die Haut kleben!).

Anti-Mücken-Pflaster, die man auf die Kleidung oder in die Nähe des Bettes kleben kann. Wirkt auch gegen Bremsen.

Ameisenbiss

Auch Ameisen stechen nicht. Sie beißen und können zusätzlich Ameisensäure spritzen. Dies tun sie jedoch nur, um ihr Revier zu verteidigen, d.h. wenn sie sich in der Nähe ihres Hügels oder Nestes angegriffen fühlen. Die Ameisensäure führt dann zum Schmerz. Ameisenbisse heilen in der Regel sehr gut ab; meist ist schon nach kurzer Zeit nichts mehr zu spüren. Aber auch die Ameisensäure kann Allergien auslösen.

Also, ich finde, man sollte versuchen, Stiche möglichst zu vermeiden. Dazu habe ich ja im ersten Teil unserer Insektenstich-Serie 10 Tipps aufgeschrieben.

Ansonsten wünsche ich Euch und Euren Kindern einen guten, warmen Sommer und möglichst wenig nervige Stiche!

 

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