6 gute Gründe, warum Mädchen Disney’s FROZEN gucken sollten (#annaundelsa)

Kinder sollten so wenig wie möglich fernsehen? Und Disney-Filme sind nur Kitsch und Kommerz? Warum ich meine Kinder trotzdem ohne schlechtes Gewissen Disney’s FROZEN gucken lasse, lest Ihr hier:

Über Medienerziehung erzähle ich Euch an anderer Stelle einmal ausführlich. Das wird mir als studierte Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin einen ausführlichen Beitrag wert sein. Ich sehe Medienkonsum im Kindergartenalter nämlich durchaus kritisch. Disney-Filme sehe ich noch kritischer, besonders, weil das Geschäft mit den Merchandise-Artikeln im Hintergrund so unglaublich mächtig ist. Und dieses Geschäft wird mit den Sehnsüchten unserer kleinen Kinder betrieben (böse!). Der Kommerz ist auch beileibe nicht das einzige Argument gegen Disney-Filme. Weil ich hier aber dennoch für das Gucken von Anna und Elsa plädiere, möchte ich noch voranstellen, dass dieser Beitrag in keinster Weise von Disney unterstützt oder befördert wurde.

Also, meine Mädels dürfen als ersten und einzigen Disney-Film bisher “Anna und Elsa” schauen. Hier meine Gründe:

Grund 1:
Meine Töchter sollen dazugehören dürfen.

Man kommt ja nicht um Anna und Elsa herum, nicht mal in unserem medienkritischen Kindergarten. Irgendjemanden gibt es immer, der die Kinder mit dem Elsa-Fieber infiziert. Wenn im Kindergarten alle Kinder den Film kennen und die Lieder singen, ist es nur menschlich und natürlich, dass man seinem Kind wünscht, mitmachen zu können. Das finde ich auch gar nicht schlimm oder schwach. Dazugehören ist für Kinder ebenso wichtig wie für uns. Man muss ja nicht alles mitmachen, aber Anna und Elsa wird für die Generation unserer Kinder DER Film sein, für den sie zwischen 4 und 7 Jahren geschwärmt haben.

Grund 2:
“FROZEN” ist ein Film über zwei starke, emanzipierte Frauen – und er kommt ohne das “Fräulein in Nöten” aus.

Beim “Fräulein in Nöten” (englisch: “Damsel in distress“) handelt es sich um ein total un-feministisches Erzählmuster, das in unserer Kultur in Filmen und besonders in Computerspielen weit verbreitet ist: Das “Fräulein”, meist eine hübsche Unschuld (oft eine Prinzessin), gerät in Schwierigkeiten und wird irgendwohin verschleppt oder gefangen gehalten. Doch statt ihre eigenen Fähigkeiten zu nutzen und sich mit Cleverness und Stärke aus ihrer Situation zu befreien, muss ein Mann sie retten (oft ein Prinz). Kurz: Frau schwach, Mann stark. Oder anders formuliert: Frau kann sich nicht selbst helfen, sondern braucht einen Mann, um zurecht zu kommen. Dieses Erzählmuster ist in unserer Kultur seit Jahrhunderten wirksam, leider auch in unseren schönen Märchen. Gerade Disney ist dafür bekannt, dieses Muster traditionell auf die Spitze zu treiben: Die meist passiven, hilflosen Prinzessinnen glänzen fast ausschließlich durch hübsche Kleider und große Augen, nicht aber durch intelligentes, eigenständiges Handeln.

Nicht so in FROZEN: OK, Anna und Elsa haben die riesigsten Augen der Disney-Geschichte und tragen auch tolle Prinzessinnen-Kleider, ABER: Es ist die tollpatschige, spontane und freche Anna, die aktiv wird und ihre Schwester wieder zurückholt (die wohlgemerkt aus eigenem Antrieb weggelaufen ist). Anna holt sich zwar Hilfe von Kristoff, dem Eishändler, doch es ist Anna, die bei den beiden das Sagen hat, über die Rettungsmission entscheidet und Kristoff immer wieder dazu bringt, nicht aufzugeben. Auch erwähnenswert: SIE, Anna, hat das Geld in der Tasche. Nicht der Mann bezahlt für die Frau, sondern die Frau für den Mann. Anna rettet auch Kristoff, als er droht, in den eisigen Abgrund zu stürzen. Frau rettet Mann – wow!

Und ganz am Schluss verpasst Anna dem heuchlerischen Prinz Hans einen Kinnschlag, so dass er in hohem Bogen ins Wasser fliegt:

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Aber auch Annas Schwester Elsa agiert in unkonventionellen Handlungsmustern. In ihrem totalen Desinteresse für Männer und ihrer stolzen, kühlen, fast herrischen Art trägt Elsa geradezu androgyne Züge. Sie hat zudem besondere Fähigkeiten (alles zu Eis gefrieren zu lassen) – und beschließt, diese auszuleben, sich ihnen hinzugeben. Im Gegensatz zu den traditionellen Disney-Prinzessinnen will und braucht sie keinen Mann, sondern sehnt sich danach, auszuleben, was in ihr ist. Dafür gibt sie sogar Ansehen und Kontakt mit der Gesellschaft auf und zieht sie sich in die unbewohnte Eiswüste auf dem Nordberg zurück.

Das bekannteste Lied des Films, “Let it go” formuliert diese Entscheidung deutlich: “Ich lass los, lass jetzt los, die Kraft, sie ist grenzenlos (…) Es ist eigenartig, wie klein jetzt alles scheint, und die Ängste, die in mir waren, kommen nicht mehr an mich ran! Was ich wohl alles machen kann! Die Kraft in mir treibt mich voran (…) Endlich frei! Ich lass los, lass jetzt los, doch Tränen seht ihr nicht (…) Ich bin frei, endlich frei!”

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Auch mit dem sexy Kleid ist das doch eine starke, emanzipierte Einstellung!

Elsa braucht auch keinen Mann, um sich von den Fesseln und aus dem Kerker zu befreien, in den sie gegen Ende geworfen wird: Sie sprengt ihre Fesseln und die Mauern des Kerkers aus eigener Kraft.

Natürlich lernt Elsa am Schluss, ihre Kraft zu beherrschen und sinnvoll für die Gesellschaft einzusetzen, und wird wieder von der Gesellschaft aufgenommen. Denn: “Niemand will allein sein”, weiß ihre Schwester Anna. Ein schönes, soziales Happy End für eine starke, stolze Frau.

Grund 3:
In “FROZEN” ist es nicht die Liebe zwischen Mann und Frau, sondern die Liebe zwischen zwei Schwestern, die zum Sieg führt.

Grund 3 ist eng verwandt mit Grund 2. Das Beste an diesem Film ist für mein heimliches Feministinnenherz der lang ersehnte “Kuss aus wahrer Liebe”: Nicht der verliebte Mann rettet die zur Eisstatue gefrorene Anna, sondern die liebevolle Umarmung und die Tränen ihrer Schwester Elsa. Solidarische Schwesternliebe, ja Einigkeit zwischen zwei starken Frauen, trägt den Sieg davon. Das nenne ich eine emanzipatorische Botschaft und eine Geschichte über starke Frauen!

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Auch dass nicht der romantische, hübsche, oberflächliche Prinz Hans, sondern der pragmatisch-sensible Naturliebhaber Kristoff zum Schluss Annas Mann wird, passt in dieses Bild. Man bekommt den Eindruck, die DrehbuchautorInnen haben absichtlich die schlimmsten anti-emanzipatorischen Erzählmuster umschifft.

Grund 4: “Let it go!” – Meine Töchter singen starke Texte.

Grund 4 ist der oben bereits erwähnte Song. Der Text ist einfach stark. Ich liebe es, wenn meine Töchter mit ausgestreckten Armen und leuchtenden Gesichtern durch die Wohnung rennen und singen “Ich bin frei! Ich bin frei! … Meine Kraft ist grenzenlos! Die Ängste, die in mir waren, kommen nicht mehr an mich ran! Was ich wohl alles machen kann! Ich bin frei!” 

Einfach super!

Grund 5:
Plötzlich sind türkis und grün statt rosa angesagt.

Seit meine große Tochter FROZEN geguckt hat, ist rosa abgehakt. Sie liebt jetzt türkis, weil Elsas Kleid als Eiskönigin türkis ist. Meine kleine Tochter liebt jetzt grün, weil Annas schönstes Kleid in Grüntönen gehalten ist.

Dies ist mir zwar auch eine Lehre, wie mächtig Anna und Elsa als Identifikationsfigur sind – das hat mich schon überrascht. Aber ich freue ich, dass nun nicht mehr alles rosa und lila sein muss.

Grund 6:
Annas silberne Strähne

OK, dieser Grund ist eher ein Scherz, aber für mich ist es trotzdem ein Grund: Gestern kam mein Kind auf mich zu, als ich auf dem Boden hockte, betrachtete meinen Kopf und sagte “Oh schön, Mama, Du hast auch so eine silberne Haarsträhne wie Anna!”

🙂

Also, liebe Leute: kein schlechtes Gewissen mehr bei Anna und Elsa! FROZEN ist ein Film über zwei  starke, emanzipierte Frauen.

Und eine weitere gute Botschaft habe ich auch noch: Ihr könnt Eure Kinder den Film ruhig immer wieder gucken lassen. Aus medienpädagogischer Sicht ist es nämlich besser, wenn Kinder den gleichen Film immer wieder sehen, anstelle immer etwas Neues verkraften und verdauen zu müssen. So lernen sie auch gleich das Lied mit dem starken Text, das bei uns den Papa fürchterlich nervt, mich aber zu Tränen rührt 🙂

Und? Sind Eure Kinder auch im Anna und Elsa-Fieber?

Ein Kommentar, RSS

  1. Avatar

    Michelle 14. Februar 2020 @ 12:32

    Richtig gute Gründe. Außerdem haben sie mir geholfen Gründe für meine Buchpräsentation zu finden

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