Wie Ihr ein Fiasko beim Laternenumzug vermeidet – 7 Tipps

Unser erster Laternenumzug mit Kleinkind war ein Fiasko. Damit Euch das nicht passiert, unten meine sieben Tipps, wie der Laternenumzug mit kleinen Kindern zu einem schönen Erlebnis für alle wird.

Aber zunächst zu unserem Fiasko vor nun schon einigen Jahren: Wir Eltern waren ja viel gerührter und aufgeregter als unsere Tochter – natürlich, denn kleine Kinder leben ja im Jetzt und können gar nicht auf etwas vorausschauen, was morgen oder in ein paar Tagen ist. Wir freuten uns so sehr, dass mit dem Laternenumzug ein Stück unserer Kindheit zurückkommen würde, dass wir gar nicht darüber nachdachten, was so ein Umzug für unsere Tochter bedeuten könnte. Ach, Quatsch: Wir waren einfach sicher, dass sie ihre Laterne und den Umzug mit Gesang lieben würde. Sie würde wonnig stolz ihre Laterne vor sich hertragen und wir  würden gerührt auf sie herabblicken. Wir würden die guten alten Laternenlieder singen, und sie würde niedlich falsch mitträllern.

Für uns stand fest, dass wir beim Laternenlauf unserer Kirchengemeinde mitmachen würden, wo jeder mitmachen konnte. Unsre Tochter ging nämlich noch nicht in den Kindergarten. Der Lauf sollte einmal durch den Park eine Straße weiter gehen. Zwei Straßen wären zu überqueren. Eine überschaubare Runde, wie wir fanden. Das würde unsere Tochter locker schaffen.

Ich hatte mit Materialien aus dem Bastelladen wunderschöne Laternen für die Tochter und uns gebastelt – drei Prachtstücke mit selbst gepressten Herbstbättern zwischen Transparentpapier.

Am Tag des Umzuges war es kalt und natürlich ab 17 Uhr stockdunkel, außerdem etwas windig. Die Tochter bekam darum zum ersten Mal ihre warme Wintermütze auf. Wir entzündeten wegen des Windes die Laternenlichter schon zu Hause, so dass nichts schief gehen könnte. Ja, wir fanden, wir waren super vorbereitet.

Auf dem Weg zur Kirche waren wir allerdings etwas irritiert. Wir wussten ja, dass wir in einem kinderreichen Viertel leben und die Eltern hier wohl als das gelten, was man „überdurchschnittlich engagiert“ nennt. Damit hatten wir aber nicht gerechnet: Aus allen Häusern quollen Kinder und Eltern mit Laternen, und je näher wir der Kirche kamen, desto voller wurde der Bürgersteig. Unsere Tochter begann zu quäken, ließ die Laterne einfach fallen und wollte nicht mehr laufen. Also nahm Papa sie auf die Schulter – und ich nahm alle drei Laternen.

Vor der Kirche trauten wir unseren Augen nicht: An die fünfhundert Menschen hatten sich versammelt, und es war ein heilloses Durcheinander. Überall Lichter, überall Menschen. Papa versuchte die Tochter abzusetzen, aber unten zwischen den vielen Hosenbeinen konnte sie ja nichts sehen. Also: Geschrei, bis Papa sie wieder auf den Arm nahm. Aber Papa war auch nicht recht – sie wollte bei Mama auf den Arm. Also nahm Mama sie hoch und fühlte direkt, wie schwer das Kind geworden war. Ich versuchte, sie wenigstens für ihre Laterne zu begeistern. Aber sie hatte leider null Interesse und klammerte sich weiterhin an meinem Hals fest.

Und wir warteten. Der Umzug war für 17 Uhr angekündigt, aber es wurde 17:15 Uhr und 17:30 Uhr, und es war immer noch nicht losgegangen. Gerüchte kursierten, dass aufgrund der großen Personenzahl ein Polizeitrupp zur Sicherung angefragt worden sei, der aber nicht einträfe. Man spürte, wie die Spannung in der Menge zunahm — Kinder quengelten, Eltern versuchten mit unterdrücktem Ärger Ruhe in die Situation zu bringen.

Ein Junge neben uns schwenkte seine Laterne so heftig, dass sie sich vom Stock löste und zwei Meter weiter auf den Steinboden krachte. Das Licht war aus — Geschrei. Und Papa hatte keine Streichhölzer und kein Feuerzeug dabei, um die Kerze wieder anzuzünden. Noch mehr Geschrei. Papa fragte in die Runde, aber keiner hatte offenbar Feuer. Der Junge fing an, auf seine Laterne einzuhauen. Da plötzlich ging ein Ruck durch die Menge – es ging offenbar los. Der Junge mit der kaputten Laterne bekam einen Tobsuchtsanfall. Sein Papa klemmte ihn sich unter den Arm und machte sich fluchend mit der kaputten Laterne unterm anderen Arm aus dem Staub. Auch mir kamen Zweifel, ob wir am richtigen Ort waren. Hätte ich direkt auf mein Bauchgefühl gehört!

Wir mischten uns also mit Kind auf der Schulter und drei Laternen in den langsam in Gang kommenden Zug. Es war ungemütlich: Größere Kinder rannten mit elektrischen Blinklichtern an uns vorbei, johlten und rempelten uns an, nur von ferne drangen ein paar Töne der Laternenlieder zu uns. Um uns herum sang niemand. Ich stimmte zögerlich ein Lied an: „Ich geh mit meiner Laterne, und meine Laterne mit mir…“ Keiner stimmte ein, alle waren mit sich selbst beschäftigt. Doch als ich an die Stelle kam „Das Licht geht aus, wir geh’n nach Haus,…“, wurde ich plötzlich von einer energischen Stimme übertönt: „Laternenlicht, verlösch mir nicht, rabimmel, rabammel rabumm!!! Das Licht geht doch noch gar nicht aus, das singen wir erst am Ende! Wir singen das positiv!!“ „Oh, Entschuldigung,…“ murmelte ich. Danach hatte ich irgendwie keine Lust mehr zu singen.

Kurz: Die Stimmung war alles andere als heilig. Eltern schimpften, und gefühlt jedes zweite Kind (sprich: jedes Kind unter drei) saß auf den Schultern eines Elternteils oder im Kinderwagen. Die Laternen wurden von den Eltern getragen. Die Laufgeschwindigkeit war viel zu schnell, warum, ist mir bis heute schleierhaft. Alle paar Meter standen Grüppchen am Straßenrand: Eltern, die ihre Kinder anflehten, weiter zu gehen (Protest), Eltern, die ihre kleinen Kinder in den Rinnstein pieseln ließen (Geschrei). Dauernd rempelte jemand meine heiligen drei Laternen an, die zunehmend verknickten. Die Straßenlaternen waren heller als die Lampions der Kinder. Der Höhepunkt war, als unsere Tochter ihre Mütze „verlor“ (= sie zog sich das ungewohnte Ding vom Kopf und ließ es unbemerkt fallen). Die Folge war erneutes Geschrei wegen kalter Ohren – und (oh Schreck!) wegen dem lange überschrittenen Termin für den frühabendlichen Trunk an der Brust.

Weil die Tochter nach kurzer Zeit auf Papas Schulter schrie und strampelte und ihm die Stiefel-Absätze in die Brust rammte, musste er sie absetzen. Die Folge war natürlich: Noch größeres Geschrei. Ich mache es kurz: Zum Schluss setzte ich mich mit ihr zum Stillen in einen Hauseingang. Trapp, trapp, trapp, marschierte der Riesen-Umzug an uns vorbei, während wir auf dem kalten Steinboden kauerten. Der Papa stand daneben und passte auf die Laternen auf.

Als die Tochter in meinem Arm eingeschlafen war, zog gerade die letzte Gruppe des Umzugs an uns vorüber – eine zeternde Mama mit zwei gräßlich grinsenden Mondlaternen in der Hand. Um sie herum tobten übermütig zwei Kinder im Kindergartenalter und versuchten die schaukelnden Fratzen zu erhaschen.

Wir blickten uns an und mussten plötzlich lachen. Ohne Worte nahm der Papa die Tochter auf den Arm, ich knöpfte meinen Mantel zu und nahm die Laternen in Obhut, die sichtbar gelitten hatten. Wir drehten um, gingen direkt nach Hause und schwörten uns, im nächsten Jahr alles anders zu machen.

Ihr ahnt sicher einige meiner Tipps schon:

Tipp 1: Meidet große Umzüge. Macht lieber ein Laternenfest an einem festen Ort.

Geht allein mit Eurem Kind, oder in einer kleinen, überschaubaren Gruppe, in der alle aufeinander Rücksicht nehmen und geduldig auf die kleinen Kinder warten. Am besten im Freundeskreis. Statt einem Umzug von Punkt A nach Punkt B könnt Ihr Euch mit den Laternen auch auf eine Wiese stellen, zusammen Punsch aus der Thermoskanne trinken und die Kinder mit den Laternen um Euch herum laufen lassen, wie es ihnen beliebt. Kleine Kinder können noch nicht so gut zielgerichtet laufen und schon gar nicht mit einer Laterne in der Hand – so toll diese auch in den ersten Minuten sein mag. Ein solches Laternenfest an einem festen Ort ist wahrscheinlich mit Kleinkindern für alle das Angenehmste.

Tipp 2: Geht nicht am 11.11.

Besonders, wenn Ihr in einem kinderreichen Viertel wohnt, macht Euren Umzug einen oder zwei Tage vor oder nach dem Martinstag. Sonst trefft Ihr gegen 17 Uhr in allen Parks auf mindestens drei singende Kindergartengruppen, die alle gleichzeitig verschiedene Lieder singen. Das trägt nicht zur heimeligen Stimmung bei.

Tipp 3: Lauft in der Natur

Wenn irgend möglich, lauft nicht in der Stadt, wo sowieso alles hell erleuchtet ist. Fahrt raus in die Natur, so dass der Schein der Laternen wirklich das einzige Licht ist. Das erleuchtet auch Eure Herzen besser als die vielen Straßenlaternen und der Autolärm.

Tipp 4: Nehmt Streichhölzer und Ersatz-Kerzen mit

Falls der Wind oder ein Stolperer das Licht löschen oder die Kerze einen kurzen Docht hat. Gerade Teelichte sind öfter mal defekt und verlöschen nach kurzer Brenndauer – also unbedingt Ersatz einstecken!

Tipp 5: Besorgt EINE Laterne, die für ein Kleinkind geeignet ist

Der Stock darf nicht zu lang sein. Gut sind dicke, kurze Stöcke von ca. 20 cm, die äußerst stabil befestigt sind. Hier findet Ihr meine Bastelanleitung für eine kleinkind-gerechte Laterne. Wer super ist, steckt auch etwas Blumendraht ein, falls etwas kaputt geht. Das kann Unmut beim Kleinkind im Keim ersticken. Auch wenn Ihr selbst gern eine eigene Laterne hättet: Lasst es sein. Am Ende werdet Ihr sowieso die Laterne Eures Kindes tragen.

Tipp 6: Nehmt ein Tragetuch/eine Tragehilfe oder den Buggy mit

Wenn Ihr wirklich von A nach B laufen wollt, rechnet damit, dass Euer Kleinkind nicht den ganzen Weg laufen wird, schon gar nicht in dem Tempo, das Ihr oder Eure Gruppe vorgebt. Da hilft nur, das Kind zu tragen, und Ihr wisst selbst am besten, dass das mit Tragehilfe oder Tragetuch am angenehmsten ist. Natürlich ist hier auch der gute alte Kinderwagen eine Hilfe. Hier habt Ihr nur das Problem, dass man nicht so einfach einen Kinderwagen schieben UND eine Laterne tragen kann.

Tipp 7: Zieht Euch warm an!

Warme Mützen und Jacken sind für einen gelungenen Laternenlauf das A und O. Mützen, die sich kleine Kinder nicht so leicht vom Kopf ziehen können, findet Ihr z.B. hier.

Tipp 7 ist ausdrücklich auch im übertragenen Sinne gemeint 🙂

Ich wünsche Euch viel Freude und Besinnlichkeit für Euer Laternenfest!

Habt Ihr noch weitere hilfreiche Tipps für einen gelungenen Martinsumzug? Oder war es bei Euch auch ein Fiasko?

9 Kommentare, RSS

  1. Susanne 11. November 2015 @ 19:24

    Ganz toll geschrieben! 🙂 Viele Grüße, Susanne

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 14. November 2015 @ 15:11

      Vielen Dank, Susanne! 🙂

  2. Julia 13. November 2015 @ 13:01

    Ich persönlich liebe Rituale für Kinder wie das Laterne-gehen und bin aber manchmal schrecklich enttäuscht, wenn wir den Dingen aus lauter Sicherheitswahn den Zauber nehmen. Da hab ich schon so einiges erlebt, schau hier: http://www.besser-bilden.de/laterne-umzug-lichterfest-sankt-martin-im-waldcht/
    Also bitte keine Elektro-Sicherheitsstäbchen

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 14. November 2015 @ 15:13

      Liebe Julia, danke für den Hinweis. Ja, Kerzenlicht ist so viel schöner und lebendiger als elektrisches, da stimme ich Dir zu! Aber ich kann auch die Angst der Eltern verstehen, die lieber elektrische Kerzen verwenden.

  3. Sundancer 30 23. September 2016 @ 19:01

    Ach ja Laterne laufen. Waren das noch Zeiten. Ich weiß noch als ich klein war sind meine Mutter und ich oft abends mit unserem Hund und ich mit meiner Laterne spazieren gegangen. Das war immer so schön. Meine Laterne hatte immer ein Kerzenlicht und kein Elektrisches. Finde ich auch blöde. Aber eben sicherer. Doch was ist schöner als das leuchten der Laternen und das singen von Laternenliedern. Wäre ich Mama würde ich es gerne wieder machen. Aber auch als Erwachsene kann man sich eine Laterne basteln und vors Stubenfenster stellen. Ich will mir eine Laterne noch basteln. Gerade das Licht ist so toll und es ist gemütlich.

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 24. September 2016 @ 8:14

      Ja, ich stimme Dir zu, Laternen sind auch im Fenster wunderbar! Schau mal, hier findest Du eine Anleitung, wie man eine wunderschöne Waldorf-Laterne bastelt. Die sind ganz besonders schön: https://blog.hans-natur.de/basteln/wir-basteln-eine-waldorf-laterne-teil-1
      Vielleicht hast du ja Lust, Dich daran zu versuchen! Liebe Grüße und eine schöne Laternenzeit (ist ja bald wieder so weit!)

  4. Pingback / Trackback

    3. November 2016 @ 8:49 Antworten

  5. Olga Hahn 13. November 2017 @ 11:34

    Hallo, Meike. Ich musste so lachen als ich dein Bericht hier gelesen habe
    Ganz toll geschrieben

    Dieses Jahr mussten wir unseren Laternenumzug (wegen Magen Darm ) ausfallen lassen.
    Habe aber vor einen kleinen Umzug für die Kindern zu machen. Danke für deine Tipps ☺️
    Liebe Grüße, Olga

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