Babys und Reizüberflutung: Wie schütze ich mein Kind?

Unsere Welt von heute mit ihren vielen Geräuschen, Bildern und Menschen ist nicht für kleine Babys gemacht. Zu viele Reize können Babys überfordern. Die Folge ist oft Unruhe und Schreien. So kannst Du Dein Baby vor Reizen schützen:

Gebärmutterheimweh…

Mein eines Kind schrie in ihren ersten Lebensmonaten abends oft lange. Sie konnte sich ein, zwei Stunden lang gar nicht beruhigen, obwohl ich sie in der ruhigen Wohnung herumtrug, auf dem Schoß schaukelte und Lieder vorsang. Als ich nach ein paar Tagen verzweifelt die Hebamme fragte, was mein Kind denn haben könnte, sagte sie lächelnd: „Sie hat wahrscheinlich Gebärmutterheimweh!“ Und sie erklärte mir, was das ist: Babys wachsen neun Monate lang in einer Umgebung auf, die dunkel, warm und wohlig geräuschgedämpft ist. Mit der Geburt werden sie urplötzlich in eine Welt katapultiert, wo die Geräusche scharf und schrill, die Farben hell und grell und die Temperatur kalt und windig ist. Alle Menschenbabys werden ja drei Monate zu früh geboren, also eigentlich unreif. Dies hat sich in der Evolution so entwickelt, weil der aufrechte Gang des Homo Erectus ein engeres Becken erfordert, der menschliche Kopf mit dem großen, intelligenten Gehirn aber drei Monate später nicht mehr durch das enge Becken passen würde.

Deswegen sind Babys in den ersten drei Lebensmonaten noch sehr empfindlich, besonders für visuelle und akustische Reize.

Unsere Babys werden als Steinzeitwesen geboren

Wir Menschen haben uns kulturgeschichtlich in den letzten zehntausend Jahren rasant weiter entwickelt. Besonders in den letzten 150 Jahren haben wir uns an ein lautes, geräuschintensives, schnelles und helles Leben angepasst. Wir empfinden das inzwischen als ganz normal. Evolutionsbiologisch gesehen haben wir uns jedoch seit der Steinzeit nicht wesentlich weiter entwickelt. Das heißt, unsere Babys kommen mit einer biologischen Ausstattung und Bedürfnissen auf die Welt, die zu den Bedingungen der Steinzeit passen: Damals gab es für Babys nur die Geräusche der Natur, Mamas Arme und Brust, das natürliche Licht von Sonne und Mond, den Blick in den Himmel und in die Bäume, vielleicht noch den Schein von Feuer. Außerdem das Stimmengebrabbel der Gruppe und vielleicht ab und zu Gesang oder die Töne von Naturinstrumenten.

Wer sich für die Perspektive des „Steinzeitbabys“ interessiert, findet hochinteressante Gedanken dazu im Buch „Kinder verstehen“ von Herbert-Renz-Polster (Kösel Verlag), das viele Eigenschaften und Besonderheiten kindlichen Verhaltens aus der Perspektive der Evolution erklärt.

Jedes Kind gewöhnt sich mit der Zeit an die Geräusche und Sinnesreize der modernen Welt, aber das braucht seine Zeit. Deswegen tun wir unserem Babys nur Gutes, wenn wir es in den ersten Monaten nicht allzu starken und vielen Reizen aussetzen. Ganz besonders nicht in den ersten drei Monaten, in denen das Baby eigentlich noch den Mutterleib bräuchte.

Wie schütze ich mein Baby vor Reizüberflutung?

1. Nicht zu viel Programm

Kleine Babys brauchen nicht viel Programm. Kinder im Alter unter 8 Monaten müssen weder zum PEKiP noch zum Babyschwimmen oder zur musikalischen Früherziehung, um sich optimal zu entwickeln. Sie brauchen auch noch keinen Kontakt zu Gleichaltrigen. Ich persönlich empfand in den ersten Baby-Monaten sogar Pflicht-Termine wie Rückbildung oder Kinderarzt schon als stressig, weil es gar nicht so leicht zu bewerkstelligen war, dass das Baby zum richtigen Zeitpunkt satt, frisch gewickelt, angezogen, zufrieden und wach war. Und da ich stillte, empfand auch ich Geräusche als lauter und Menschenmengen als unangenehm. Denn wenn man stillt, ist man durch die Hormone automatisch sensibler auch für Umgebungsreize.

Wenn Du natürlich das Bedürfnis hast, andere Eltern zu treffen und Dich auszutauschen, oder mal etwas anderes zu sehen als die heimischen vier Wände, dann tu das natürlich – es sei Dir gegönnt! Aber wäge gut ab und wähle mit Bedacht aus, wohin Du mit Deinem Baby gehst und wie häufig. Denn wenn das Baby am Tag zu viele Reize aufnimmt, muss es diese am Abend wieder loswerden. Und das äußerst sich meist durch Schreien.

2. Laute, reizintensive Umgebungen vermeiden

Besonders zu vermeiden sind mit kleinen Babys nach Möglichkeit Umgebungen wie Einkaufszentren, Sporthallen und öffentliche Verkehrsmittel, wo es plötzliche Durchsagen, laute Geräusche, viele Menschen, Medien und künstliche Lichtreize gibt. Auch der Großstadtverkehr kann für ein Baby schnell zu viel und zu laut werden. Ältere Babys ab 5,6 Monaten sind schon weniger empfindlich, aber auch bei diesen ist es nicht ratsam, sie solch reizintensiven Umgebungen auszusetzen.

3. Tragen. Aber richtig!

Tragen beruhigt! Glücklicherweise hat es sich mittlerweile herumgesprochen, wie man Babys richtig und „artgerecht“ in Tragetüchern oder Tragehilfen trägt. Auf keinen Fall mit dem Gesicht nach vorn, wie es eine in konventionellen Shops immer noch erhältliche Babytrage suggeriert! Das ist nicht nur schlecht für die Entwicklung der Wirbelsäule, sondern setzt das Kind auch ungeschützt zu vielen visuellen Reizen aus.

Richtig trägt man Babys geschützt in der Hock-Spreiz-Haltung mit dem Gesicht an der elterlichen Brust.

So ist es richtig: Das Baby in der Hock-Spreiz-Haltung mit angewinkelten Beinen. (Mit Babylonia Tragetuch in grau)
Und mit dem Gesicht zur elterlichen Brust.
(Mit Babylonia Tragetuch in schwarz)

Insgesamt ist Tragen eine fabelhafte Idee, um dem Kind Geborgenheit und Sicherheit zu schenken. Zudem unterstützt, ja ermöglicht richtiges Tragen die optimale Entwicklung des Skeletts für die Bewegungsentwicklung. Menschenbabys sind von Natur aus Traglinge! Wer dem Rechnung trägt, tut seinem Kind nur Gutes.

Hier zu den wunderbaren Tragetüchern von Babylonia auf hans-natur.de.

4. Ruhiges Zuhause

Auch zu Hause sollten wir darauf achten, dass nicht zu viele Geräusche durcheinander klingen. Wenn mehrere Stunden Fernseher oder Radio im Haus laufen und das Baby in der Nähe ist (auch schlafend), sollte man sich nicht wundern, wenn es abends schreit, um sich zu beruhigen.

Alle Geräusche kann und soll man natürlich nicht ausschließen. Natürlich klingeln der Postbote und das Telefon, und natürlich wird gesprochen, gesungen, musiziert… und ab und zu Radio gehört oder ferngesehen. Das gehört zu einem normalen Leben dazu. Aber in den ersten Monaten mit Baby kann man sicher etwas Rücksicht nehmen und Geräuschquellen wie Fernsehen und Radio bewusster und bedachter einschalten. Filme kann man auch mit Kopfhörern schauen.

5. Geborgene Umgebung

Wichtig als Ausgleich für die vielen Reize des modernen Lebens ist eine ruhige, geborgene Atmosphäre in der Umgebung des Babys. Gedämpftes Licht, weiche, gemütliche Stoffe in warmen Farben, die Arme der Eltern, viel Zeit im Tragetuch sind hier Stichworte. Hans Natur hat für eine babygerechte Umgebung viele schöne Dinge im Sortiment, vom zarten Wiegenschleier bis zur optimalen, handgenähten Babymatratze aus Naturfasern.

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Ein blau-rosa Wiegenhimmel aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle schenkt Geborgenheit und schönes Licht. Das Rosa erinnert an die Farben, die das Kind im Mutterleib sah.

6. Ruhezeiten

Ein Baby braucht genügend Zeit, um die Reize des Alltags zu verarbeiten. Dazu muss es schlafen und ruhen. Dazu braucht es auch wortwörtlich Ruhe. Das heißt: Wenn das Baby schläft, sollte es ruhig um das Baby sein. Und es sollte möglichst nicht geweckt werden, damit es die Schlafphasen in Ruhe durchlaufen kann, die es benötigt.

7. Sprechen, Singen, Stillen

Statt Geräuschen von Medien ist es viel besser, mit dem Baby zu sprechen und zu singen. Sprache lernt ein Kind nicht durch den Konsum von Medien, sondern ausschließlich im direkten Kontakt mit seinen Bezugspersonen. Nur Worte, die eine Bedeutung im direkten Umfeld haben, können am Anfang gelernt werden. Natürlich sollte man das Baby nicht „vollabern“ und dauerbesingen. Wenn ein Baby den Kopf wegdreht, ist das manchmal ein Zeichen dafür, dass es genug hat. Babys lernen in den ersten Lebensmonaten ununterbrochen. Nach einer Weile Beschäftigung und Reizen sollte man dem Baby die Möglichkeit geben, das Gelernte zu verarbeiten.

Stillen und Fläschchen geben hilft auch, Reize zu verarbeiten.

8. Rituale

Ein halbwegs fester Tagesablauf mit halbwegs ähnlichen Zeiten für Schlafen, Spielen, Nahrungsaufnahme, Rausgehen… tut nicht nur Erwachsenen gut, sondern auch Babys. Wenn man z.B. vor dem Hinlegen des müden Babys das Licht dämpft und ein bestimmtes Lied singt, kann das helfen, dass das Baby nach einer Weile automatisch müde wird, wenn man diese Stimmung schafft. Hier findet Ihr einen erhellende, ausführlichen Artikel zum Thema „Rituale zur Schlafenszeit für Kinder und Babys“.

9. Mützchen

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Ganz einfach, aber wirksam: Ein Mützchen gibt einem Baby Halt und Wärme. Das Baby ist es aus dem Mutterleib gewöhnt, dass der Kopf weich und warm umhüllt ist, dass die Kopfhaut an etwas „stößt“. Deswegen schenkt ein Mützchen einem Baby Sicherheit und kann damit auch einen kleinen Beitrag gegen die Reizüberflutung leisten.

10. Spielzeug: Weniger ist mehr

Ein kleines Baby braucht noch wenig Spielzeug. Das beste Spielzeug sind anfangs die eigenen Hände und anderen Körperteile, später auch die der Eltern. Ab drei, vier Monaten kann eine weiche Knotenpuppe hinzukommen, etwas später dann erste feste Gegenstände wie schöne, einfache Holzrasseln mit interessanten Elementen zum Betasten. Was ein Baby ganz bestimmt nicht braucht, sind viele quietschbunte, Geräusche machende Spielzeuge aus Plastik. Solches Spielzeug überfordert Babys. – Schon aus Respekt für unseren Planeten sollte man darauf verzichten.

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2 Kommentare, RSS

  1. Avatar

    Anna. 26. August 2019 @ 11:35

    Ein schöner und wichtiger Artikel. Eigentlich sagt einem das schon die Intuition, aber viele Menschen haben wohl leider verlernt, auf solche Instinkte zu hören. Mir tun winzige Babys im Musikkurs oder im Einkaufszentrum immer leid und wer ihnen in die Augen schaut, sieht eigentlich schon, dass sie gerade keinen Spaß haben. Ein Aspekt fehlt mir allerdings im Text: Neben der Kuschelzeit (Arm, Tragetuch) und der Schlafzeit brauchen auch schon sehr kleine Babys Zeiten, in denen sie ihren Körper spüren und Bewegung entdecken können. Das hat Emmi Pikler ja schon eindrucksvoll beschrieben. Man sollte Babys also immer wieder mal auf einen sicheren Ort am Boden legen, auf eine nicht rutschende Unterlage und begrenzt z.B. durch ein Stillkissen. Dazu ein kleines Baumwolltuch zum Entdecken und die Babys können in Ruhe die Schwerkraft kennenlernen. Nur so können Babys selbstständig klitzekleine Bewegungen trainieren. Auf dem Arm, im Tuch oder, schlimmer, in der Wippe oder im Maxi Cosi sind sie total passiv.

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 29. August 2019 @ 9:03

      Liebe Anna, vielen lieben Dank für Deine Ergänzung! Klar, Babys brauchen auch Zeit für Bewegung! Und Emmi Pikler finde ich persönlich da auch am überzeugendsten, was den Ansatz betrifft: Man muss den Babys nur eine richtige Umgebung geben, dann entwickelt sich alles von allein und im richtigen Tempo. (Hier im Artikel habe ich mich allerdings auf den Schutz vor Reizüberflutung konzentriert).

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