Danke für die Ferien: Blumenschiffchen als Abschieds-Ritual

Heute erzähle ich Euch, wie wir Danke für unseren Urlaub gesagt haben. Ein ganz einfaches und bewegendes Ritual, das sich überall durchführen lässt, wo es ein Wasser gibt:

Die Sommerferien sind eine besondere Zeit, in der die meisten Menschen besondere Dinge tun und erleben. Ein wenig Nicht-Alltägliches gehört bei den meisten zur Sommerzeit dazu.

Danke sagen macht glücklich

Wenn wir Abschied von den Ferien nehmen müssen, können wir die Gelegenheit nutzen, um Danke zu sagen. Einmal, um unseren Urlaub und/oder dessen Highlights, oder den Sommer zusammen mit den Kindern Revue passieren zu lassen. Aber auch, um uns in Dankbarkeit zu üben. Denn immer, wenn es heutzutage um Achtsamkeit und erfülltes Leben geht, wird das Üben von Dankbarkeit ins Spiel gebracht. Wer sich öfter bewusst macht, wofür er dankbar sein kann, ist glücklicher. Und mit Kindern eine bestimmte Zeit nochmal im Rückblick zu betrachten, macht Spaß und wird Euch Eltern die eine oder andere Überraschung bereiten.

Ein Floß bauen. Blumen auf die Reise schicken.

Die Idee ist es, für alles, wofür wir dankbar sind, eine Blume (oder einen anderen gesammelten Gegenstand) auf einem kleinen Floß auf die Reise zu schicken. Ein kleines Floß zu bauen ist etwas ganz Archaisches, geht ganz leicht und an fast jedem Urlaubsort.

Dazu sammeln wir auf einem Spaziergang möglichst gerade Stöcke. Bäume und Stöcke findet man ja überall, zur Not im Hinterland. Wir machten vorletztes Jahr Urlaub in Katalonien, die nordöstlichste Region Spaniens rund um Barcelona. Wir fuhren zum Spazieren, Waldluft schnuppern, Felsen bewundern und Stöckesammeln in ein Biosphärenreservat im Hinterland von Barcelona. Wir sind sowieso von Berglandschaften begeistert und „opfern“ für Ausflüge in die Berge sehr gern halbe oder ganze Tage unserer Meer-Urlaube.

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Für solche Anblicke lohnen sich Ausflüge ins bergige Hinterland

Die Kinder sammelten eifrig mit und so hatten wir schnell eine Handvoll Stöcke beisammen:

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Ein paar wenige Stöcke reichen aus

Materialien: Stöcke und Schnur

Um ein Floß für Eure Danke-Blumen zu bauen, braucht Ihr nur die Stöcke und etwas Schnur. Ihr brecht die Stöcke in möglichst gleich lange Stücke. Bei uns waren es in Form gebracht etwa 10 Stöckchen, die ca. 25 cm lang waren. Es macht nichts, wenn sie nicht genau gleich lang sind, das ist schließlich die Natur. Dann legt Ihr die Stöcke nebeneinander und bindet sie nacheinander erst oben, dann unten an einem „Querstock“ fest. Ich habe dazu jeweils ein Stück Schnur in beide diagonalen Richtungen geknotet und mit einem Doppelknoten gesichert. Ich habe dabei die Stöcke möglichst dicht aneinander geschoben:

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Floß mit „Querstock“ und zweifachen Knoten an den Verbindungen

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Von nah

So sieht es am Schluss von hinten aus:

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Floß von hinten

Und so von vorne:

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Ja, so leicht ist das und es wird richtig stabil! Ich war ganz stolz auf mein Werk (ich bin sonst nicht so die Holz-Handwerkerin). Ich wette, besonders Jungs haben Freude daran, so ein Floß zu bauen. Meine Mädchen hatten keine Lust, mitzumachen – kein Wunder, zu unserem Ferienhaus gehörte ein Pool und dort verbrachten sie jede freie Minute.

Blumen pflücken

Dann heißt es: Blumen pflücken. Da war die große Tochter dann sehr gern dabei. Wir haben unsere Blümchen an den farbenprächtigen Büschen der Nachbarhäuser gepflückt – nun, das sind so üppige, meterlange Schönheiten mit Tausenden von Blüten, dass ein, zwei fehlende Blümchen nicht auffallen. Achtet darauf, dass Ihr in etwa so viele Blüten pflückt, wie oft Ihr Danke sagen wollt. Ihr könnt Eure Kinder schon beim Blumenpflücken fragen, wofür sie dem Urlaub danke sagen wollen, dann flutscht es beim Floßfahrenlassen besser. Außerdem könnt Ihr sie dann eventuell an den einen oder anderen Punkt erinnern.

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Unsere Blümchen mussten einen halben Tag in der Vase ausharren, bis sie auf die Reise gingen

Das Floß mit Blumen bestücken und Danke sagen

Um Euer Danke-Floß auf die Reise zu schicken und damit Abschied vom Urlaub zu nehmen, benötigt Ihr ein natürliches Wasser, entweder das Meer, einen See, einen Fluss oder einen breiteren Bach. Achtet darauf, dass an der ausgesuchten Stelle das kleine Floß wirklich wegfahren kann, wenn Ihr es loslasst. Das kann schwierig werden, weil durch Wellen das Boot z.B. wieder an den Strand zurückgetrieben wird. Das ist ja nicht schlimm, nur solltet Ihr dann nach dem Ritual nicht mehr lange am Strand bleiben und zusehen, wie es wieder zurück kommt 🙂 Oder Ihr lasst das Boot eine Weile fahren und nehmt es dann doch wieder mit nach Hause… So war es bei uns, denn die Kinder wollten das Floß unbedingt behalten.

Natürlich eignet sich als Moment für das Ritual der letzte Urlaubs- oder Ferientag und eher die Abendstunden, wenn nicht mehr so viele Leute am Strand sind.

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Unser Strand war zur Zeit unseres Rituals schön leer

Das Floß mit Blumen bestücken und Danke sagen

Zuerst bestückt Ihr das Boot am Strand oder am Ufer mit den Blumen: Ihr legt abwechselnd eine Blume aufs Floß und sprecht reihum oder kreuz und quer, je nach Temperament, Eure Dankeschöns aus.

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„Danke für das helle Licht…“

Bei uns waren das in etwa folgende Dankes:

„Danke für die warme Sonne, die im Urlaub für uns geschienen hat!“ (Papa)
„Danke für den Pool!“ (große Tochter)
„Danke für Schwanz!“ (kleine Tochter; „Schwanz“ ist der unsägliche Name ihres Ballon-Ponys, das sie überglücklich gemacht hat)
„Danke für das helle Licht des Südens, das uns den dunklen Berliner Winter von innen erleuchten wird!“ (Mama)
„Danke für die vielen stressfreie Momente!“ (Papa)
„Danke für das viele Eis!“ (große Tochter)
„Danke für den Schwimmreifen!“ (kleine Tochter)
„Danke, dass die vermeintlich mehrfach gebrochene Hand der Kleinen nur eine Verstauchung war!“ (Mama)
„Danke, dass die Ärzte im Krankenhaus so lieb und kompetent waren!“ (Papa)
„Danke für die tollen Ausflüge in die Berge!“ (Mama)
„Danke, dass ich so toll schwimmen und tauchen gelernt habe!“ (große Tochter)
„Danke für Hinkebeinchen!“ (kleine Tochter; „Hinkebeinchen“ war ein kleiner, zutraulicher Vogel mit Hinkebein, der jeden Tag kam und die Krümel auf unserer Terrasse weggepickt hat)
„Danke für die fliegenden Sofas!“ (Mama; die „fliegenden Sofas“ ist unsere Familien-Bezeichnung für Sessellifte, die uns hier auf die Höhen hinter den atemberaubenden Wallfahrtsorten Montserrat und Nuria gebracht haben – ein einmaliges Erlebnis auch für die Kinder!)
„Danke für den leckeren Schinken!“ (Papa)
„Danke für das Fisch-Museum!“ (kleine Tochter; das „Fisch-Museum“ ist Barcelonas beeindruckendes Aquarium)
„Danke für die viele Nähe!“ (Papa)
„Danke, dass wir uns lieb haben!“ (Mama)

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Das Blumenschiffchen fahren lassen

Dann geht Ihr gemeinsam ins oder ans Wasser und lasst das Bötchen fahren. Ihr könnt Euch noch an den Händen fassen und einer der Erwachsenen sagt: „Danke für unseren Urlaub! Liebes Boot, nimm unsere Blumen und schenk uns im nächsten Jahr wieder einen so schönen Urlaub!“

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„Tschüs, Blumenschiffchen!“

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Varianten und Ideen

Natürlich könnt Ihr auch nur ganz schlicht Danke sagen und jeder legt nur eine Blume aufs Boot. Überschwänglichkeit liegt nicht allen, und nicht alle Kinder machen so etwas geduldig mit.

Statt einem selbst gebauten Floß könnt Ihr auch ein Stück Treibholz oder Rinde verwenden, oder sonst ein Stück Holz, auf das man etwas legen kann.

Außer Blumen kann man auch andere Urlaubs-Fundstücke aufs Floß legen (wenn die Kinder dazu bereit sind…): Federn, Muschelscherben, Steinchen,…

Ihr könnt das Floß auch mit einer Flaschenpost kombinieren: Eure Adresse mit Brief in eine Flasche stecken und diese zukorken. Bitte keine Plastikflaschen ins Meer werfen, da diese Übles bei den Wassertieren anrichten können und es schon viel zu viel Plastikmüll im Meer gibt. Lieber eine Glasflasche nehmen (die natürlich auch Müll ist, wenn sie nicht gefunden wird).

Einen schönen nächsten Urlaub wünsche ich Euch allen (hoffentlich mit gutem Wetter!). Und kommt gut wieder in den Alltag!

 

 

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