„Das kann ich!“ – Was Kindern Selbstvertrauen schenkt. 7 Regeln für ein stärkendes Miteinander.

Heute geht es darum, wie wir Eltern dazu beitragen können, dass unsere Kinder Selbstvertrauen entwickeln:

Alle Eltern wünschen sich für ihre Kinder, dass sie mit Selbstvertrauen in die Welt gehen. Denn Selbstvertrauen ist die Basis für eigene Unternehmungen, für das Entwickeln von Projekten und für den achtsamen Umgang mit anderen Menschen. Und natürlich für ein Wohlgefühl in der Welt und im eigenen Leben.

Wissenschaftlich gesehen, d.h. von der Psychologie definiert, heißt das umgangssprachlich verwendete „Selbstvertrauen“ oder „Selbstbewusstsein“ eigentlich „Selbstwert“ oder Selbstwertgefühl. Das Selbstwertgefühl basiert auf sechs Säulen:

  • Säule 1: Bewusstes Leben
  • Säule 2: Selbstannahme
  • Säule 3: Eigenverantwortliches Leben
  • Säule 4: Selbstsicheres Behaupten der eigenen Person
  • Säule 5: Zielgerichtetes Leben
  • Säule 6: Persönliche Integrität

Wir Eltern können einiges dafür tun, dass unser Kind ein gutes Selbstvertrauen entwickelt. Und wir können uns bemühen, bestimmte Dinge zu unterlassen. Aus der Sicht der bindungsorientierten Pädagogik sind folgende Verhaltensweisen förderlich für ein gutes Selbstvertrauen der Kinder:

1. Die Bedürfnisse des Kindes wahrnehmen und darauf reagieren

Ganz wichtig bereits ab Geburt, aber auch später ist es essenziell, auf die Bedürfnisse des Kindes zu reagieren. Dies vermittelt schon dem Baby, „Mein Wohlbefinden und meine Bedürfnisse sind wichtig. Ich bin es wert, dass sich jemand um mich kümmert.“

Die Bedürfnisse von Kindern zu sehen und darauf zu reagieren, bleibt die gesamte Kindheit über wichtig. Auch in erwachsenen Beziehungen: Auch wir wollen ja in unseren Bedürfnissen gesehen und angenommen werden. Natürlich heißt das NICHT, dass man den Kindern „jeden Wunsch erfüllt“. Es geht vor allem darum, dass wir Eltern lernen zu sehen und zu verstehen, was HINTER dem Weinen, der schlechten Laune, der Wut,… kurz: was hinter den Gefühlsäußerungen, dem „Ich will…“ oder dem „Ich will nicht!“ steckt. Manchmal reicht es schon aus, das dahinter liegende Bedürfnis zu erkennen und dem Kind zu vermitteln, dass man es wahrgenommen hat. Das können z.B. banale Bedürfnisse wie Hunger und Durst, aber auch Ruhebedürfnis oder Bedürfnis nach Nähe und Verbindung sein.

Verstanden zu werden und zu spüren, „Jemand versucht mich zu verstehen und mir zu helfen, mit meinen Gefühlen umzugehen“ macht stark.

2. Gefühle, Wahrnehmungen und Meinungen des Kindes ernst nehmen, nicht „wegreden“

Es hat sich ja mittlerweile schon herumgesprochen, dass Sätze wie „Tut doch gar nicht weh“ oder „Ist doch nicht so schlimm“ ein No-Go sind. Denn wenn das Kind weint oder etwas schlimm findet, dann IST es schlimm für das Kind, Punkt. Wir möchten als Eltern ja immer gern, dass das Kind aufhört zu weinen, denn wir wollen ja nicht, dass es leidet. Aber wenn wir dem Kind sagen „Ist doch nicht so schlimm“, dann lassen wir es mit seinem Gefühl allein und vermitteln ihm „Du fühlst falsch“.

Weinen muss nicht sofort „weggemacht“ werden. Es ist für das Kind viel bestärkender, wenn es spürt, dass sein Weinen OK ist. Dass in dem Moment jemand für es da ist und die Geduld aufbringt, es in seinem Gefühl zu begleiten. Genau so geht es uns Erwachsenen ja auch, wenn wir mal traurig sind.

Wir Eltern können z.B. sagen „Ja, das hat wehgetan, nicht?“, schaukeln das Kind ein wenig im Arm und singen leise eine tröstende Melodie („Heile, heile Segen“). Bei uns hat sich bei kleineren Unfällen außer dem Singen der Satz bewährt „Auwei, was für ein Schreck!“ Denn wie ein Schreck fühlt es sich für die Kinder an.

Auch wenn das Kind zu etwas seine Meinung äußert oder eine Wahrnehmung beschreibt, können wir aufmerksam zuhören. Nachfragen oder die freundliche Bitte, etwas genauer zu erläutern oder zu beschreiben signalisiert dem Kind, dass es ernst genommen wird, dass seine Wahrnehmungen und Meinungen von Interesse und Relevanz sind. Auch, wenn das Kind etwas auf den ersten Blick total Absurdes oder Irres erzählt – hört zu und fragt nach! Vielleicht erlebt Ihr eine Überraschung. Im schönsten Fall werdet Ihr in die Gedankenwelt Eurer Kinder entführt. Das kann sehr interessant, rührend und sehr lustig sein!

3. Das Kind machen lassen

Besonders im Baby- und Kleinkindalter ist es wichtig, die Kinder einfach viel selbst machen zu lassen. Nicht sofort ängstlich eingreifen, und nicht helfen, wenn das Kind etwas nicht schafft. Ich weiß, das ist schwierig. Wir Erwachsenen wollen doch so gern, dass das Kind etwas schafft, und würden ihm so gern zeigen, „wie es geht“. Aber wenn es das Hochklettern, die ersten Schritte oder das Hineinfriemeln des Bauklotzes in die kleine Schachtel „nur“ mit Hilfe der Eltern bewältigt, bleibt beim Kind hängen „Ich brauche Mama oder Papa, damit ich das schaffe.“

Viel, viel wertvoller für das Selbstwertgefühl ist es, wenn das Kind erlebt, dass es etwas allein schafft. Kinder sind wahre Steh-auf-Männchen: wenn wir sie nicht behindern oder eingreifen, versuchen sie von Natur aus immer und immer wieder, etwas zu schaffen, auch wenn sie hundert Mal hinfallen. Noch einmal: Nicht eingreifen, nicht helfen, nicht erklären! Denn kaum etwas ist stärkender für das Selbstwertgefühl, als zu erleben, etwas aus eigener Kraft und eigener Tüftelei zu schaffen. Je öfter wir das unseren Kindern ermöglichen, desto besser. Und ja, das erfordert manchmal Geduld!

Kinder wollen so gern selbst herausfinden, wie etwas funktioniert

4. Selbstständig die Welt und die Natur erkunden lassen

Zum „Machen lassen“ gehört auch, dass wir das Kind möglichst früh draußen die Welt und die Natur erkunden lassen. Lasst sie rennen, klettern, matschen, balancieren, von Balustraden herunterspringen, mit Steinen und Stöcken am Wasser spielen, mit Feuer zündeln und Insekten anfassen. Ihr seid ja in der Nähe. Natürlich greift Ihr ein, wenn wirklich akut Gefahr droht. Aber Ihr könnt sehr oft beruhigt sein: Echte Gefahr droht nur selten. Deswegen bewahrt natürlich Euer Kind davor, auf eine Straße zu rennen. Aber Ihr müsst in der Regel nicht „Achtung!“ rufen, wenn es von einem Sockel springen will, der Euch hoch vorkommt. Die meisten Kinder wissen, was sie sich zutrauen können.

Lasst Eure Kinder die Welt entdecken!

5. Nicht belehren und die Welt erklären

Wir modernen Eltern haben ja den Drang, unseren Kindern die Welt zu erklären. Und das meist ungefragt. Wir halten es für liebevolle Hingabe, wenn wir unserem Kind etwas ausführlich erklären, obwohl es gar nicht gefragt hat. Wir meinen, unser Wissen könnte dem Kind jetzt etwas Wertvolles geben. Das ist jedoch ein Trugschluss. Denn wo keine Frage war, braucht das Kind auch keine Antwort und keinen Wissensschwall von uns Eltern. Der verpufft nur zwischen den Ohren und zerstört im schlimmsten Fall den so wichtigen „Flow“, der echtes Lernen erst ermöglicht.

Natürlich antworten wir, wenn unser Kind uns etwas fragt. Und zwar möglichst kindgerecht und kurz. Fast nie erwartet ein Kind eine breite, wissenschaftlich korrekte, welterklärende Antwort (und braucht das auch gar nicht). Ganz oft kann man einfach entgegnen: „Ja, warum ist das so? Was meinst Du denn?“ Ratet mal, ob Ihr da interessante Antworten von Eurem Kind bekommt! Denn meistens hat sich das Kind etwas gedacht bei seiner Frage. Ich war bei manchen Erklärungen meiner Kinder zu Tränen gerührt. Und sie haben mir oft Welten zu anderen Blickwinkeln auf die Dinge eröffnet. Versucht es mal!

6. Gemeinsam fühlen und erleben

Ganz, ganz wichtig! Nichts macht stärker, als etwas gemeinsam zu erleben und dabei das Gleiche zu fühlen. Zu sehen und zu merken, dass der andere das Gleiche empfindet wie man selbst. Denkt mal an Eure erste große Liebe! „Gemeinsam fühlen und erleben“ mit Euren Kindern heißt: Lacht zusammen, singt zusammen, staunt zusammen. Weint zusammen, kuschelt und seid zärtlich. Sinkt vor Lachen gemeinsam in die Kissen, schreit Eure Freude in die Wälder, beobachtet zusammen die seltsamen Ameisen oder eigenartigen Feuerwanzen. Gruselt Euch gemeinsam in der Dunkelheit, staunt, wie die Blätter tanzen und der Wind rauscht. Stapft gemeinsam in der Matschpfütze herum und lacht darüber, wie es spritzt. Blödelt zusammen herum, kichert über doofe Wörter, macht Fratzen und Grimassen – egal, was, Hauptsache, Ihr habt Spaß zusammen, staunt zusammen, fühlt zusammen!

Gemeinsam rumblödeln schafft Selbstvertrauen!

Nichts macht stärker als zu fühlen: Andere fühlen genauso wie ich!

7. Nicht kritisieren… aber auch nicht loben!

Negative Kritik gibt dem Selbstwertgefühl von Kindern sofort einen Dämpfer und führt zu nichts. Zu gar nichts. Negative Kritik führt bei kleinen Kindern ganz sicher nicht dazu, dass sie „es beim nächsten Mal besser machen“ oder etwas unterlassen. Denn kleine Kinder handeln nicht bewusst und versuchen stets und immer, das Beste zu machen. Und es ist ganz sicher nicht „Unwissen“ oder mangelndes Bewusstsein für die eigenen Schwächen, was dazu führt, dass mal was schiefgeht. Wenn Kindern etwas schief geht, brauchen sie Verständnis und Hilfe. Ganz bestimmt keinen Tadel oder Kritik, auch wenn sie noch so lieb gesäuselt wird (Kritik oder Ermahnungen zu säuseln ist übrigens ein absolutes No-Go, weil un-authentisch und falsch).

Aber das wissen heute ja die meisten Eltern. Was viele jedoch nicht wissen, ist, dass auch Lob nicht nützlich ist. Lob ist nur die andere, hellere Seite der gleichen Medaille. Lob vermittelt dem Kind, es komme immer auf ein Ergebnis an, und nicht auf sein Wirken, seine Gefühle und seine Beziehung zum Geschaffenen. Mittlerweile belegen wissenschaftliche Studien, dass Lob tatsächlich mehr schadet als nützt! Siehe hierzu diesen total lesenswerten und augenöffnenden Artikel in der ZEIT („Belohnen ist das neue Bestrafen“), der auf diese Studien Bezug nimmt und das Thema Lob ausführlich behandelt.

Hier ein weiterer lesenswerter Beitrag zum Thema „Warum wir unsere Kinde nicht loben sollten“ auf „Das gewünschteste Wunschkind“, und hier ein Interview mit Jesper Juul mit der ZEIT zum gleichen Thema.

Fazit

Lasst Eure Kinder so, wie sie sind. Lasst sie machen, traut ihnen was zu, seht hinter ihre Gefühlsfassaden. Schwächt sie nicht durch Kritik und Lob. Und: Lacht, tobt und fühlt gemeinsam mit Euren Kindern!

Quellen:

Das könnte Dich auch interessieren:

Wickeln: Exklusivzeit für Eltern und Baby. 7 Anregungen, wie man wertvoll wickelt

Malen mit kleinen Kindern: Loben und Wertschätzen

„Ich will keinen Mütze anziehen!“ Liebevolle Strategien bei Anzieh-Konflikten

Passende Produkte

All unsere tolle Kleidung, die Kinder bei Unternehmungen draußen vor Wind und Wetter schützt, z.B. die Funktionskleidung von BMS:

Oder die süßen Regen- und Schneeanzüge von Ducksday:

Und die vielen schönen Holz-Spielzeuge zum Herumtüfteln und Ausprobieren!

 

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfleder sind markiert *

*

Simple Share Buttons