Die Geburt zu Hause – Mein persönlicher Erfahrungsbericht

Mein Name ist Katja Schmid, ich bin Intuitions- und Beziehungstrainerin, Coach, Psychologische Beraterin und schreibe, neben weiteren Buchprojekten, zusätzlich für meinen Blog www.frauenweisheiten.de. Mit meinem Ehemann und unseren vier Kindern lebe ich in Bayern. Von meinen vier Kindern habe ich zwei per Hausgeburt zur Welt gebracht, mein zweites und drittes Kind. Heute möchte ich von meiner ersten Geburt zuhause, der Geburt meines zweiten Kindes, berichten.

Es war der 14. Februar 2013, ich war gerade in der 41. Schwangerschaftswoche und schon mit allen Sinnen auf die Geburt meines zweiten Kindes vorbereitet.

Schwangere mit großem Babybauch, kurz vor der Entbindung.

Irgendwie fühlte mich an diesem Tag anders als sonst, weshalb ich gleich vormittags meine Hebamme informierte. Sie war erst am Tag zuvor bei mir gewesen, um mich zu untersuchen und wollte abends auf eine Tanzveranstaltung, versicherte mir aber, dass ich mir keine Sorgen machen müsse und sie definitiv sofort kommt, wenn es losgehen sollte.

Am Nachmittag wurde mir übel, ich musste mich übergeben und fühlte mich sehr müde. Meine damals vierjährige ältere Tochter legte sich nach dem Kindergarten zu mir und schlief ein wenig. Ein besonderer Moment für mich, nochmal allein mit ihr zu sein, bevor das Geschwisterchen zur Welt kommen würde…

Ich spürte einfach, dass es an diesem Tag soweit sein würde, denn auch im Zuge der Geburt meines ersten Kindes hatte ich mich übergeben müssen und ich wertete dies als Zeichen meines Körpers.

Gegen 18 Uhr fühlte ich zunächst sanfte und noch unregelmäßige Wehen. Für mich fühlte es sich spannend an, „echte“ Wehen kennenzulernen, denn bei der ersten Geburt hatte ich eine medikamentöse Einleitung und zudem eine PDA gehabt. Ich war innerlich aufgeregt und freudig. Mein Mann brachte die Große ins Bett und ich konzentrierte mich darauf, die Wehen zu spüren, die Abstände zu überwachen und mich innerlich auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten.

Um etwa 20 Uhr herum rief mein Mann unsere Hebamme und unsere Doula (eine Geburtsbegleiterin, die nur für die werdende Mutter da ist) an, und bat beide, sich auf den Weg zu machen, denn die Wehen waren zu dieser Zeit schon stärker und regelmäßiger. Es war klar, dass dies kein falscher Alarm war, sondern die Geburt im Gange war. Das spürten wir beide ganz deutlich. Interessanterweise hatte mein Mann in der Nacht zuvor einen intensiven Traum gehabt, in dem er sich so fühlte, als hätte er unser Baby zur Welt gebracht. Im Nachhinein empfinde ich das wie ein Zeichen für die bevorstehende Geburt.

Um mich zu entspannen, ging ich zwischenzeitlich in die warme Badewanne und legte mich für Verschnaufpausen dann wieder ins Bett. Es dauerte nicht lange, bis unsere Doula eintraf. Sie schaute, wie es mir geht, atmete gemeinsam mit mir, war einfach für mich da. Mein Mann hatte zwischenzeitlich alles vorbereitet und eine schöne, wohlige, angenehme Atmosphäre bereitet, unser Wohn-/Schlafzimmer beheizt, Kerzen und leise, entspannende Musik angemacht.

Auch das Bett war als Geburtsort vorbereitet. Wir hatten auf die Matratze eine Malerfolie gelegt, darüber ein frisches Bettlaken, noch eine Malerfolie und darüber ein dunkleres Bettlaken.

All dies unterstützte mich dabei, ruhig und entspannt zu sein und mich ganz auf die Geburt einlassen zu können. Kurze Zeit später traf auch unsere Hebamme ein. Beide Geburtsbegleiterinnen waren einfach da, präsent und hielten sich weitestgehend zurück. Es fühlte sich für mich sehr vertrauens- und kraftvoll an, so auf mich, mein inneres Erleben und meinen Körper konzentriert sein zu können. Mein Mann war die gesamte Zeit über an meiner Seite und ich spürte, dass er seine ganze Energie auf mich und unser Baby konzentrierte. Auch einige gute Bekannte von uns waren gedanklich bei uns und schickten Gebete und gute Wünsche.

Ich fühlte mich sehr sicher und sehr wohl. Meine Hebamme überprüfte zwischendurch immer nur kurz mal mit dem Dopton die Herztöne vom Baby und tastete den Muttermund, alles Weitere überließ sie ganz mir, was ich als sehr kraftvoll, vertrauensvoll und beruhigend empfunden habe.

Etwa zweimal wechselte ich noch zwischen Badewanne und Bett hin und her. Mein Mann massierte mir den Rücken und ich konzentrierte mich intensiv darauf, mit den Wehen zu atmen und meinen Mund zu entspannen, denn ich hatte gelernt, dass der Mund entspannt sein muss, damit auch der Muttermund sich öffnen kann. In der Badewanne kam ich irgendwann an den Punkt, an dem ich dachte, ich könne nicht mehr. Dieser Punkt in der Geburt signalisiert, dass es jetzt nicht mehr lange dauern wird und leitet die Austreibungsphase ein. Da ich dies wusste, spürte ich – neben einem Gefühl von Verzweiflung und aufgeben wollen – Freude in mir aufkeimen. Jetzt ist es bald soweit und ich halte mein Baby im Arm! Zu diesem Zeitpunkt war auch der Muttermund vollständig geöffnet und ich fühlte mich zwar schon etwas kraftlos durch die Intensität der Wehen, aber dennoch bereit.

Dann spürte ich plötzlich den Drang, auf die Toilette zu gehen. Doch eigentlich war das das Zeichen, dass die Pressphase jetzt begonnen hatte. Bei meiner ersten Geburt habe ich durch die PDA den Pressdrang nicht gespürt, daher war es eine ganz neue Erfahrung für mich, wie sich das anfühlt. Ich ging dann mithilfe meines Geburts-Teams von der Toilette zum Bett. Die Einmalunterlagen waren dort schon ausgebreitet und es konnte losgehen.

Ich hätte mir übrigens auch eine Wassergeburt sehr gut vorstellen können, aber dafür war unsere damalige Badewanne zu eng und auch das Badezimmer für mein Empfinden zu ungemütlich.

Mutter und Baby nach der Wassergeburt

Als ich mich wieder auf dem Bett befand, begab ich mich in den Vierfüßlerstand und spürte einen enorm starken Pressdrang. Währenddessen saß mein Mann vor mir, atmete mit mir und war ganz präsent, ganz bei mir und der Geburt unseres Kindes. Als dann unsere Hebamme sagte, dass der Kopf schon sichtbar ist und meinen Mann fragte, ob er unser Kind entgegen nehmen möchte, wechselte mein Mann die Position und setzte sich neben die Hebamme.

Der Kopf war dann mit der nächsten Presswehe draußen und danach, nach noch zwei-dreimal Pressen, um 23.17 Uhr, war unser Baby vollständig geboren. Dieser Moment ist mit nichts zu vergleichen, einerseits zutiefst erschöpft und noch ganz mitgenommen von dieser gewaltigen Energie, die durch mich hindurch geflossen ist, andererseits voller Glück und Freude über dieses kleine Wesen. Ich musste erst einmal ein paar Momente durchatmen und habe mich dann vorsichtig hingelegt, während mein Mann unser Baby hielt. Für mich ganz besonders war, dass unser Baby nicht weinte, sondern nur einmal nieste, die Augen öffnete und sich dann umschaute. Sie war völlig ruhig und wirkte sehr wach, klar und ganz entspannt. Ihre dunkelblauen Augen hatten einen ganz kraftvollen Ausdruck.

Ich schaute mir meine kleine Tochter (das erfuhren wir nämlich dann, dass es ein Mädchen ist, wir hatten bis dahin keine Ahnung und hatten uns das Geschlecht nicht sagen lassen) erst einmal aus meiner Position an, bevor ich sie vorsichtig berührte und innerlich ganz bewegt war von diesem Augenblick. Ich muss dazu sagen, dass die Geburt meiner ersten Tochter leider nicht so ruhig und entspannt abgelaufen ist und mir da diese ersten Momente des ruhigen und achtsamen Ankommens sehr gefehlt haben. Nach kurzer Zeit wurde dann auch die Plazenta geboren und erst danach von meinem Mann die Nabelschnur durchtrennt, wobei unsere Tochter in diesem Moment das erste Mal etwas unruhig wirkte, ihr schien das nicht zu gefallen. Unsere Hebamme führte die U1 durch und füllte den Mutterpass aus, sowie das Untersuchungsheft.

Dann habe ich unsere Kleine bald an die Brust angelegt, einfach Haut an Haut, ein wunderbares Gefühl. Während ein kleiner Riß am Damm genäht wurde, hielt mein Mann unsere Tochter im Arm und war ganz verzaubert von ihr. Wir haben unserer Tochter dann erstmal nur eine Windel angezogen, sie in ein weiches Handtuch und eine Decke gehüllt, und in Ruhe ankommen lassen.

Direkt nach der Geburt wird das Baby an die Brust gelegt.

Dann saßen wir noch ein wenig beisammen für einen kurzen Mitternachtssnack, bevor sich unsere beiden Geburtsbegleiterinnen verabschiedeten und wir uns schlafen legten – so gut das möglich war, denn so eine Geburt ist – so anstrengend sie ist – auch verdammt aufregend.

Alles, was im ersten Moment nicht unbedingt notwendig war, haben wir auf den nächsten Tag verschoben…am nächsten Morgen dann wartete auf die große Schwester eine Überraschung, denn sie hatte die Geburt völlig verschlafen und nichts von dem mitbekommen, was in der Nacht passiert war. Ganz ungläubig schaute sie erst uns und dann ihr kleines Schwesterchen an. Und dann war sie natürlich mächtig stolz.

Auch für die Namensfindung ließen wir uns Zeit, nämlich ganze drei Tage. Das brauchte es auch, um einen Namen zu finden, der zu unserer kleinen Tochter passen würde und diese kraftvolle, besondere Energie, die sie ausstrahlte, einfangen würde: Athena Alana, geboren zuhause am Valentinstag im Jahr 2013.

2 Kommentare, RSS

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfleder sind markiert *

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Simple Share Buttons