Fasten, ohne auf Essen zu verzichten: 5 Ideen für Klein und Groß

Ab Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit und dauert bis Ostern. Ich huldige der Zeit, ohne auf Essen zu verzichten. Hier meine fünf gemäßigten Fasten-Ideen für Groß und Klein:

Gestern telefonierte ich mit meiner alten (kinderlosen) Freundin Tine, die jedes Jahr zur Fastenzeit in eine Fastenklinik am Bodensee fährt. Mit ihr habe ich als junge Frau einmal eine Woche lang gefastet, was ein tolles, inspirierendes Erlebnis war (auch wenn ich fast die ganze Zeit über Kopfschmerzen hatte…). Tine schwört jedoch seither auf ihr jährliches Heilfasten, nächste Woche geht’s bei ihr los an den Bodensee. Und tatsächlich ist sie eine der gesündesten, frischesten und schönsten Menschen, die ich kenne.

„Und, fastest Du auch mal wieder?“ fragte sie dann doch noch.
„Äh, nee,“ sagte ich. „Weißt Du, das ist bei uns irgendwie nicht mehr drin. Aber….“ (ich überlegte) „… wir haben unsere ganz eigene Form des Fastens entwickelt. Die hat eher mit Bewusstsein zu tun als damit, auf Essen zu verzichten.“

In der Tat ist unser Alltag hier mit Arbeit, Kind und Kegel leider viel zu stressig und turbulent, um eine richtige, echte Fastenzeit von einer bis mehreren Wochen einzulegen. Wenn man „richtig fastet“, das heißt, nur Wasser und Tee und keine feste Nahrung mehr zu sich nimmt, braucht man Ruhe und Besinnlichkeit, sonst kann es nach hinten losgehen.

Schwangeren und stillenden Müttern wird vom extremen Fasten sowieso abgeraten, auch sollte man beim Fasten möglichst keinem Stress oder Druck ausgesetzt sein. Also verbietet sich „echtes Fasten“ wahrscheinlich für die meisten modernen Mütter. 🙂

Hier unser Fasten-Ansatz, den wir seit zwei Jahren praktizieren. Man kann alle fünf Ideen kombinieren. Muss man aber nicht. Wir sind auch nicht immer 100% konsequent dabei. Aber wir bemühen uns!

Idee 1: Ein oder mehrere Genussmittel weglassen

Dies ist wohl die verbreitetste Form des gemäßigten Fastens: Man lässt für einige Wochen ein bestimmtes Genussmittel weg. Beispiele wären Zucker, Fleisch, Kaffee, Tee, Alkohol oder Zigaretten. Das Schöne bei dieser Form des Fastens ist, dass man das Genussmittel nach der Zeit des Verzichts wieder wirklich genießen und schätzen kann. Das Problem ist aber das Durchhalten – die Versuchung, doch mal eine heimliche Ausnahme zu machen, ist sehr groß.

Eine solche begrenzte Probezeit kann man auch als Anlass nehmen, dauerhaft andere Ernährungsformen zu entwickeln. Wer schon länger mit dem Gedanken spielt, vegan, vollkörnig oder vegetarisch zu werden: Jetzt kann man es mal ausprobieren. Wenn es nicht gefällt, kann man nach Ostern ja wieder zu den alten Essgewohnheiten zurückkehren. Und wenn’s doch gefällt, hat man bis Ostern schon die Umstellung geschafft.

Bei mir wird das dieses Jahr tatsächlich der Zucker und das weiße Mehl sein, und zwar aus diesen Gründen. Ich weiß jetzt schon, dass das schwierig wird (hach, ich esse abends so gern Chips, wenn die Kinder schlafen!), aber ich will es unbedingt schaffen. Meine Hoffnung ist, dass ich länger dabei bleibe als bis Ostern.

Idee 2: Schlechte oder gemeine Angewohnheiten ablegen oder gute wiederbeleben

Die Fastenzeit im christlichen Sinn ruft ja nicht nur zum materiell-leiblichen Verzicht auf. Ein wichtiger Aspekt bei der Buße ist auch die seelische Reinigung. Deshalb ist die Fastenzeit eine wunderbare Möglichkeit, um sich wenigstens für eine Weile von schlechten Angewohnheiten zu befreien. Ja, auch das ist nicht einfach. Hier findet Ihr erhellende Anmerkungen, wie man neue Angewohnheiten erfolgreich ins Leben integriert – die ersten Tage sind die schlimmsten, danach wird es immer einfacher.

Ich habe mir in diesem Jahr vorgenommen, meinen Kindern wirklich möglichst keinen dieser schlechten Sätze zu sagen (oder auch diese). Auweia, da sind auch ein paar Sprüche darunter, die mir manchmal entschlüpfen… Das wird also schwer.

Weitere Ideen für neue Angewohnheiten wären
– weniger meckern, oder konkreter formuliert: nicht mehr meckern, wenn die Wäsche nicht ordentlich zusammengefaltet ist, bei Kleiderhaufen im Kinderzimmer, wenn es nicht schnell genug geht,…
– abends statt fernzusehen ein Buch lesen
– den Kindern jeden Tag mindestens fünf schöne Sätze sagen, oder: böse Sätze vermeiden
– noch hilfsbereiter sein
– den Partner öfter küssen und umarmen
– dem Partner oder der Partnerin jeden Tag etwas Nettes sagen
– vor jedem Essen einen schönen Spruch oder ein Gedicht aufsagen oder vorlesen
– Schluss mit Aufschieben: endlich diesen verdammten Brief schreiben oder endlich mal wieder anrufen
– in diesen sechs Wochen wirklich jeden zweiten Tag laufen gehen
– Geduld walten lassen: das Kind in Ruhe machen lassen, das Kind nicht hetzen oder drängen, den Partner nicht anmotzen, wenn er nicht sofort springt
– jeden Tag mit den Kindern zusammen ein Lied singen

Idee 3: Kinderzimmer, Keller oder Küche entschlacken

Unsere Tagesmutter beginnt heute, am Aschermittwoch, das Spielzimmer der Kinder aufzuräumen. Seit Weihnachten und besonders in den letzten Tagen zu Fasching, haben sich dort viele bunte Sachen angesammelt. Unsere weise Tagesmutter räumt diese Tage auf, so dass wieder Klarheit herrscht. Die Idee dahinter ist, dass die Kinder sich in den kommenden Wochen wieder stärker darauf konzentrieren können, was in ihnen selbst ist, und was sich draußen in der Natur regt. Ab jetzt werden sie länger draußen sein, das Licht und die Luft hereinlassen. Die bunten Spielzeuge kommen in Kisten, und die Kinder spielen wieder nur mit den einfachen Materialien wie Tüchern, Hölzern und Brettern.

Diese Idee lässt sich natürlich auch in Haus und Hof, sprich: Küche und Keller, umsetzen. Wir wissen alle, wie gut es tut, auszumisten. Das hat wundersamer Weise auch einen Effekt auf die Seele – man fühlt sich nach dem Ausmisten und Aufräumen tatsächlich auch innerlich leichter und befreiter. Raus mit den alten Gewürzmischungen, muffigen Getreideresten, Stoffresten, kaputten Möbeln!

Diesbezüglich werde ich in den nächsten Wochen wohl die kleinsten Brötchen backen, denn wir haben gerade schon das Kinderzimmer um- und ausgeräumt. Dafür habe ich mir vorgenommen, einen ganzen Haufen Kleider von mir auszumisten. Diese gehen dann an die geflüchteten Menschen in unserem Land.

Idee 4: Öfter mal raus, oder: öfter mal ruhiger

Wir wohnen ja in der Stadt, und obwohl unser Viertel sehr baum- und parkreich ist, sind wir seit Anfang Advent eher selten draußen gewesen. Das soll sich jetzt, wo das Licht heller und die Tage länger werden, ändern. Zumindest am Wochenende wollen wir rausfahren und spazieren gehen, schauen, ob sich in der Erde etwas tut, ob es schon Knospen gibt, die dicker werden, ob ein Bächlein schwillt und Frühling sein blaues Band wieder durch die Lüfte flattern lässt.

Denn Rausgehen belebt Geist, Körper und Seele, und das ist es doch, was die Fastenzeit bewirken soll.

Alternativ kann man in der Fastenzeit öfter mal Ruhe einlegen: jeden Tag fünf Minuten lang nichts machen, einfach nur dasitzen. Jeden Tag meditieren. Jeden Tag ein Gedicht lesen.

Idee 5: Warten, bis der Hunger da ist

So oft essen wir, ohne davor ein wirkliches Hungergefühl verspürt zu haben. So oft trinken wir, bevor wir Durst haben. In der Fastenzeit könnten wir wenigstens einmal am Tag warten, bis wir wirklich hungrig oder durstig sind, dann noch ein klein bisschen länger warten und erst dann etwas essen oder trinken. Auch mit dieser kleinen Übung steigt wieder die Wertschätzung für das in unseren Breiten immer und überall verfügbare Essen und Trinken.

Tipp am Schluss:

Nicht sauer sein, wenn man mal inkonsequent ist mit den selbst auferlegten Regeln zur Fastenzeit! Es ist ganz normal, dass man mal schwach wird. Dann sollte man aber nicht gleich ganz aufgeben, sondern sich selbst vergeben und am nächsten Tag wieder frisch weiter machen.

Welche Ideen habt Ihr noch für die Fastenzeit? Haltet Ihr Eure Fasten-Vorsätze durch?

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