“Leben mit Baby – Unser erstes Jahr”: Steffanie, Andreas und Johanna Erler aus München

Vieles wird anders im ersten Jahr mit Baby! Was Euch bewegt, erfüllt und bedrückt hat im ersten Jahr mit Baby, erzählen LeserInnen des Hans Natur Blogs jeden Monat in unserer Interview-Reihe “Leben mit Baby – Unser erstes Jahr”:

Die erste Familie, die unsere Fragen zum ersten Jahr mit Baby beantwortet hat, ist Familie Erler aus München. Steffanie hat ein wenig von ihrem Leben als Kleinfamilie mit Töchterchen Johanna erzählt:

Erzählt ein wenig von Euch: wie heißt Ihr, wo wohnt Ihr, wie alt ist Euer Kind und wie lebt Ihr?

Wir (mein Mann Andreas und ich) wohnen mit unserer Tochter Johanna Luise, 21 Monate, in München. Zusammen leben wir das klassische Familienmodell Vater, Mutter, Kind – statt dem obligatorischen Hund, allerdings mit unserem Kater Oskar.

Wie hat das Baby Dein/Euer Leben verändert?

Der größte Unterschied zwischen Leben mit und ohne Baby ist ganz einfach: DAS BABY! Persönliche Bedürfnisse, Wünsche oder die Beziehung stehen hinten an. Priorität hat das Baby… dann kommt erst einmal lange Zeit nichts.

Das verstehen ja auch die meisten Kinderlosen. Was das konkret bedeutet, wird einem aber erst klar, wenn man mit Magen-Darm-Grippe über der Toilette kniet und das Kleinkind auf dem Rücken Autos herunterfahren lässt, oder man nächtelang auf dem Pezziball hüpfend das Baby in den Schlaf schaukelt. Da gibt es unzählige solche Momente und lustig findet man das wirklich erst hinterher. Letztlich schadet es aber nicht, zu lernen, dass man selber nicht mehr die erste Geige spielt.

Welcher Aspekt des Lebens mit Baby war für Dich/Euch die größte Herausforderung bzw. hat Euch am meisten Probleme bereitet?

Die Anfangszeit mit unserer Tochter war sicherlich die größte Herausforderung. Johanna war ein sogenanntes „Schreibaby“ – ein furchtbarer Ausdruck! Ich empfinde die englische Übersetzung „High-Need-Baby“ als passender. Johanna wollte dauerhaft gestillt, getragen und geschaukelt werden. Geschlafen hat sie kaum, wenn dann nur auf uns. Drei Monate lang konnte ich nur im Sitzen schlafen, mit dem Baby auf der Brust. Geholfen hat das Tragetuch, die Federwiege und viel Geduld und Einfühlungsvermögen. „Schreien-lassen“ hätten wir Johanna niemals.

Was war Dein/Euer emotional bewegendstes Erlebnis mit dem Baby?

Die bewegendsten Momente erleben wir mit unserer Tochter während unserer Reisen in der Elternzeit. Johanna hat auf Vancouver Island das Laufen gelernt und badete das erste Mal im Meer in Santa Barbara. Das Reisen hat meinem Mann und mir immer schon viel bedeutet, dass wir das nun mit Johanna gemeinsam erleben können, ist für uns sehr wertvoll.

Welche Dinge hast Du im ersten Jahr mit Baby gelernt, die Du vorher nicht wusstest, kanntest oder konntest?  

Gelernt habe ich vor allem Organisation. Immer an alle Eventualitäten zu denken. Nicht nur einmal Wäsche zum Wechseln mitnehmen, sondern gleich drei neue Wäschesets. Und wie man Brot backt, Babybrei kocht, nachts im Schlaf Nasentropfen gibt… und unzählige neue Kinder-und Schlaflieder.

Hast Du gestillt / stillst Du noch? Was ist Dein wichtigster Gedanke zum Thema Stillen / Ernährung?

Ich empfinde das Thema „Stillen“ als zu dogmatisch. Ich würde es so formulieren: „Auch gestillte Kinder können später Kriege führen“. Ich persönlich hätte allerdings gerne länger gestillt und würde immer wieder stillen. Der Hype ums Stillen aber nervt mich. Zum Muttersein gehört eindeutig mehr.

Was macht Dir/Euch in punkto Beruf/Wiedereinstieg und eventueller Fremdbetreuung am meisten Sorgen?

Momentan haben wir eine ganz traditionelle Rollenverteilung. Papa arbeitet, Mama ist daheim beim Kind und das sogar – ganz altmodisch – volle drei Jahre.

Nebenbei studiere ich wieder, um den Anschluss nicht vollkommen zu verlieren. Das ist recht babykompatibel. Lernen geht auch am Abend, wenn die Kleine schläft oder Oma da ist.

Einen frühen Krippenbesuch konnten wir uns für Johanna nicht vorstellen, das Konzept „Krippe“ hat uns einfach nicht überzeugt.

Nächstes Jahr beginnt der Kindergarten und ich werde wieder voll an der Schule unterrichten. Mein Mann und ich sind uns sicher: da wird sich vieles ändern, der Familienalltag wird sicherlich stressiger werden.

Dauerhaft daheim bleiben möchte ich allerdings nicht, da würde mir zu vieles fehlen.

Wann wart Ihr als Paar zum letzten Mal gemeinsam aus? Was habt Ihr unternommen? Wer war beim Baby?

Letzte Woche. Essen und Kino. Wir haben eine wunderbare Oma, die sich gerne um Johanna kümmert. Aber auch Opa, Tante, Patentante etc. Es ist wichtig, sich ein Netzwerk zu schaffen. Da profitiert jeder davon. Wir haben regelmäßig freie Abende oder auch mal ein Wochenende.

An welchem Moment in den letzten fünf Tagen hast Du gefühlt: „Oh, ist das schön, dass das Baby da ist!“ ?

Wenn sie uns mit ihren Späßen zum Lachen bringt, ihre Ideen, wie sie in ihrer Welt zurecht kommt. In den letzten Tagen war das weitaus mehr als nur ein Moment. Generell sind einzelne Momente oft gar nicht so wichtig, es stellt sich eher so ein schönes Grundgefühl ein.

Hast Du einen Tipp für andere Eltern zum Thema Schlaf / Babyschlaf?

Am Besten man macht aus dem Schlaf einfach kein Problem. Baby- und Kinderschlaf ist ganz anders als der Schlaf eines Erwachsenen. Kinder wachen öfter auf, wollen sich rückversichern, ob jemand da ist. Wenn man das akzeptiert, dann läuft es entspannter. Wir schlafen im Familienbett und so jede Nacht durch. Weder mein Mann noch ich hätten uns nachts stundenlang ans Gitterbett zum Händchenhalten gestellt.

Was würdest Du kinderlosen Freunden am liebsten mal sagen?

In Bezug auf Kinder? Eigentlich nicht viel. Mit unseren kinderlosen Freunden genießen wir es über andere Themen zu sprechen. Das ist meist erfrischend!

Hast Du einen Tipp oder Ratschlag für Eltern, die ihr erstes Baby erwarten?

Unser Erziehungsansatz lehnt sich stark an die bedürfnisorientierte Erziehung an. Leitgedanken sind:

Verwöhnen kann man Babys nicht, Beziehung anstatt Erziehung, Kein Loben und Strafen, Gewaltfreie Kommunikation auch mit Kindern.

Stets auf das Bauchgefühl zu hören, ist nicht unbedingt das Richtige. Es lohnt sich, sein Verhalten zu hinterfragen.

Vielen Dank, Steffanie, für die Beantwortung der Fragen!

Wenn Du/Ihr auch Lust habt, Fragen zu Eurem ersten Jahr mit Baby zu beantworten, schreibt eine e-mail an blog-hans-natur@maikecoelle.de Dann melde ich mich bei Euch.

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