Müssen Babys und Kinder immer eine Mütze tragen?

Über die Mütze gibt es viele Mythen. Was dahinter steckt und wann Kinder und Babys wirklich eine Mütze brauchen, lest Ihr hier:

„Babys müssen IMMER eine Mütze tragen!“ „Kind, setz Deine Mütze auf, über den Kopf verlierst Du die meiste Wärme!“ – Wer kennt sie nicht, diese Sätze. Vielleicht habt Ihr sie selbst schon gesagt – also aus meinem Mund sind sie schon gekommen. Aber stimmt es wirklich, dass der Mensch über den Kopf so viel Wärme verliert? Und darf ein Baby wirklich niemals ohne Mütze sein?

Mythos 1: Der Mensch verliert am meisten Wärme über den Kopf

Dieser Mythos stimmt nur zum Teil. Physiologisch gesehen verlieren wir Menschen über jeden Körperbereich genau gleich viel Wärme; der Kopf bildet hier keine Ausnahme. Der Spruch „Der Mensch verliert über 40% seiner Körperwärme über den Kopf“ basiert auf einer uralten, längt widerlegten Studie aus dem amerikanischen Militär, für die Soldaten ohne Mütze in der Arktis ausgesetzt wurden. Der Studienaufbau und damit das Ergebnis waren nicht streng wissenschaftlich oder logisch, aber das Fazit der falschen Studie hat sich trotzdem durchgesetzt – bis heute und in die ganze Welt. Wer mehr über die falsche Studie wissen will, klicke bitte hier; der Link führt zu einem Artikel beim SPIEGEL zum Thema.

Aber es gibt auch ein Aber: Der Kopf beim Baby ist im Vergleich zum Körper überproportional groß. Also verliert besonders ein kleines Baby über den Kopf viel mehr Wärme als ein größeres Kind oder ein Erwachsener. Hinzu kommt, dass bei allen Menschen an den Extremitäten (Kopf, Hände, Füße) mehr kälteempfindliche Nerven sitzen als z.B. an den Beinen oder dem Rücken. Deswegen empfinden wir einen ungeschützten Kopf als besonders kalt, wenn draußen die Temperaturen sinken.

Mythos 2: Babys müssen immer eine Mütze tragen. Stimmt es oder nicht?

Ich gehöre zu den Leuten, die ein Baby gern mit Mütze sehen, je kleiner, um so wichtiger. Wie wir gesehen haben, gibt es dafür ja auch gute Gründe, und unten folgen weitere. Aber hier kommt wieder das Aber: Aus gesundheitlichen Gründen müssen Babys sicher nicht immer eine Mütze tragen. Dass ein Baby wegen etwas Wind gleich eine Mittelohrentzündung bekommt, stimmt zum Beispiel definitiv nicht. Für Mittelohrentzündungen und Erkältungen sind Viren verantwortlich, die über den Rachen ins Ohr gelangen. Natürlich hat ein Virus leichteres Spiel, wenn ein Körper unterkühlt ist, aber den Virus muss man sich erstmal einfangen.

Aber Baby ist nicht gleich Baby, und es gibt ja auch verschiedene Wetterlagen. Größere Babys müssen drinnen oder im Sommer aus gesundheitlichen Gründen nicht unbedingt ein Mützchen tragen, es sei denn, man will sie gegen die Sonne schützen. Aber kleine Babys bis ca. 4 Monate, die ja auch wegen der Gefahr des plötzlichen Kindstodes eher kühl schlafen sollten, sind in der kalten Jahreszeit und in den Übergangsmonaten mit einem Mützchen, z.B. einem leichten Häubchen aus Wolle/Seide, auf jeden Fall gut gegen Unterkühlung geschützt.

Warum kleine Babys aber doch ein Mützchen tragen sollten

Der Mythos, dass Babys immer ein Mützchen tragen sollten, rührt aber noch aus einer anderen Quelle, nämlich aus der uralten Mutter- und Hebammenweisheit. Die hat ja oft einen sinnvollen Hintergrund. Viele Mütter setzen ihren Babys in den ersten Monaten intuitiv Mützen oder Häubchen auf. Was könnte der Sinn sein, wo Babys ja heutzutage nicht mehr so leicht unterkühlen, besonders drin? Meine Hebamme hat mir einmal folgenden Grund genannt: Nach der Geburt verlieren Babys den Kontakt des Kopfes mit der Bauchwand der Mutter. Da schenkt ihnen ein Mützchen einfach ein vertrautes Gefühl („Da ist etwas“) und damit Geborgenheit.

Die Mütze aus Waldorf-Sicht

Auch in Waldorfkreisen wird ja dazu geraten, Babys und Kindern jederzeit eine Mütze aufzusetzen. Es fällt ja auf, dass Kinder in Waldorf-Einrichtungen das ganze Jahr hindurch eine Kopfbedeckung tragen – im Winter eine warme Mütze aus Wolle, im Sommer meist einen Sonnenhut. Natürlich einmal ganz banal als Schutz gegen Wind, Wetter und Sonne. Aber in der Waldorfpädagogik kommt noch ein anderer Gedanke hinzu. Um die waldorfpädagogische Sichtweise besser zu verstehen, habe ich zum Thema „Mütze – warum?“ eine Bekannte interviewt, die gerade die Ausbildung zur Waldorferzieherin macht. Sie erklärte mir, dass es aus der Sicht der Waldorfpädagogik darauf ankomme, dass alle verfügbare Kraft in den ersten Monaten und Jahren eines Menschen (und ganz besonders bei Babys) in den Aufbau der körperlichen Lebenskräfte fließen solle. Der Mensch, vereinfacht gesagt seine Seele, muss den Körper in den ersten Lebensjahren „ergreifen“ und mit seinem Wesen lebendig durchdringen, bis in die letzte Körperzelle hinein. Einfach gesagt, der Mensch muss den Körper beherrschen lernen. Esoterischer formuliert: Der Mensch muss sich den Körper aneignen und mit „sich selbst“ anfüllen. Für diese Prozesse benötigt das Kind Wärme und Schutz, bildlich gesehen eine „warme Hülle“. Damit ist natürlich auch die elterliche Liebe gemeint, jedoch auch ganz buchstäblich warme Kleidung. Denn wenn der Körper viel Kraft aufbringen muss, um sich selbst warm zu halten, steht für den Prozess der „Durchdringung des physischen Leibes“ nicht mehr so viel Kraft zur Verfügung.

Auch ist der Kopf als Träger des Gehirns (des Geistes) auch in der Waldorfpädagogik ganz besonders schützens- und umhüllenswert.

Die besten Mützen für Babys und Kinder von 0 bis 7: Meine persönlichen Empfehlungen

Ich persönlich empfehle Euch für Eure Babys und Kinder folgende Mützen, die sich bei uns in mittlerweile fast 9 Jahren toll bewährt haben:

Für Babys

Drinnen sowie draußen bei wärmeren Temperaturen

Dieses leichte Häubchen von Engel ist aus reiner Bio-Merinowolle (€ 9,95). Es gibt das Mützchen auch in rot, ein Wolle-Seide-Häubchen (s.o.) ist auch perfekt

So ein Häubchen aus Wolle oder Wolle/Seide ist das beste Babyhäubchen. Sie sind nicht teuer und einfach ein toller, natürlicher Schutz für den empfindlichen Babykopf. Ich muss sagen, mein Mutterherz war immer beruhigt, wenn meine Babys diese Häubchen anhatten. Noch heute fühle ich diese Art von Beruhigung, wenn ich Babys mit Häubchen sehe – dann denke ich automatisch, dass es dem Baby gut geht.

Für Babys im Winter

Bei Babys und Kleinkindern sind Mützen mit Bindebändern praktisch, weil die Kinder sie sonst im Spiel oft unabsichtlich absetzen oder verlieren. Mit Bindebändern sind auch die Ohren immer gut geschützt.

Wendemütze von Pickapooh für € 25,95, außen: Schafschurwolle, innen: Bio-Baumwolle. Innen bunt gestreift. Gibt’s natürlich auch in anderen Farben.

Eine solche Mütze von Pickapooh hat unsere Babys immer supertoll warm gehalten. Sie ist außen aus reiner Schafschurwolle, was alle Kälte und jeden Wind abhält. Innen hat sie ein Futter aus Bio-Baumwolle, das überhaupt nicht kratzt. Man kann die Mütze sogar wenden. Diese Mütze hatten meine Töchter als Babys draußen immer an und ihnen war nie kalt, auch nicht bei längeren Spaziergängen im kältesten Berliner Eiswinter.

In naturweiß kostet sie nur € 19,95, ist aber auch aus Merinowolle und Bio-Baumwolle.

Kleinkinder von ca. anderthalb bis drei Jahre

Für Kleinkinder im Frühling und Herbst

So eine Mütze aus Wolle/Seide ist ideal für die Übergangsjahreszeiten. Es passt auch ein Fahrradhelm drüber. Von Pickapooh für € 23,95.

Wie oben beschrieben, ist eine Mütze mit Bindebändern in diesem Alter total sinnvoll – sie bleibt auf dem Kopf und hält die Ohren schön warm. Für mich war immer Wolle oder Wolle/Seide ein Muss, einfach weil diese Materialien verlässlich wärmen, aber die Kinder nie schwitzen oder überhitzen. Es gibt von Pickapooh Mützen in verschiedenen Dicken; an wärmeren Frühlings- und Herbsttagen haben die Kinder immer die oben abgebildete Mütze aus Wolle/Seide angehabt und an kalten Tagen einfach die Wintermütze.

Für Kleinkinder im Sommer

Im Sommer hatten meine kleinen Mädels ein einfaches, im Nacken geknotetes Kopftuch oder einen solchen weißen Sonnenhut auf:

Für Kleinkinder im Winter

Meine Kinder hatten im Kleinkindalter immer ganz warme Schalmützen aus Wollfleece an:

Wollfleece-Mütze, weich gefüttert und mit Schal. So bleiben kleine Kinder auch im klirrkalten Winter oben warm. Von Pickapooh für € 23,95.

Kinder von vier bis sieben Jahre

Größere Kinder im Winter

Meine Kinder tragen jetzt im Winter diese unverwüstlichen, weichen, tollen Schalmützen von We Love Nature (die Hans Natur-Hausmarke). Für uns ist das eine tolle Lösung, weil meine Kinder Schals nicht so gern mögen. Diese Mützen halten wegen dem „angebauten“ Schal auch im fiesen Berliner Winter verlässlich warm. Sie haben außen eine dicke Schicht Merinowolle, aber sie kratzen nicht, weil sie innen mit einer weichen Strickschicht aus Bio-Baumwolle gefüttert sind. Unsere absolute Winter-Lieblingsmütze, die wir jedes Jahr wieder kaufen, wenn eine neue Größe benötigt wird. Mützen sind so robust, dass sie locker von mehreren Kindern getragen werden können. Und sie sind so praktisch schnell übergestreift!

Bio-Merino-Schalmütze mit weichem Innenleben. In vielen verschiedenen Farben, nur € 19,95 von We love Nature

Tochter 2 mit ihrer Schalmütze

Größere Kinder im Frühling und Herbst

Ab ca. vier Jahren müssen es nicht mehr unbedingt Mützen mit Bindebändern sein, wie ich finde. Unsere Kinder haben an den wärmeren Frühlings- und Herbsttagen immer solche Baumwollmützen an. Sie behalten sie auch auf und mögen sie gern, weil sie so schön weich sind.

Eine leichte Mütze aus Wolle/Seide haben wir auch manchmal (z.B. zur Zeit) – die ziehe sogar ich manchmal an, weil sie so dehnbar ist, dass sie auch mir passt. Ich liebe diese Mütze und die Kinder ziehen sie auch gern an, wenn es doch mal etwas kühler ist im Frühling oder Herbst. Eine super Lösung, wenn es für Schalmützen noch zu warm, für Baumwollmützen aber etwas zu kühl ist:

Meine Tochter mit dieser Mütze beim Befüllen des Vogelhäuschens

Zieht Ihr Euren Kindern immer Mützen an? Oder geht es auch mal ohne? Kommentare gern hier oder auf Facebook!

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