Schlehenelixier selbst gemacht: Gegen Erkältung, fürs Immunsystem

Süßer Saft aus Schlehen stärkt das Immunsystem und hilft Klein und Groß in der kalten Jahreszeit bei Erkältungen. Wie man Schlehen-Elixier selbst macht und was der Ötzi mit der Schlehe zu tun hat, lest Ihr hier:

Vitaminspender seit der Steinzeit

Schlehen gehören zu den ältesten winterlichen Vitaminspendern unserer Breiten. Da sie vom Frühsommer bis in den Spätherbst hinein wachsen, tragen sie die gesamte Kraft der hellen Jahreszeit in sich. Darum besitzen sie stärkende Kraft und unterstützen das Immunsystem in der dunklen Jahreszeit. Das haben schon die Steinzeitmenschen gewusst und genutzt: Bei den Pfahlbauten am Bodensee aus der Jungsteinzeit wurden haufenweise Schlehenkerne gefunden, und auch Ötzi trug getrocknete Schlehen als Stärkung bei sich.

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Die Pflanze der Schlehen, der Schlehdorn, gehört zu den Rosengewächsen. Aus der Schlehe haben sich durch Züchtung unsere Pflaumen, Mirabellen und Reineclauden entwickelt. Da Wildpflanzen alle Eigenschaften und Inhaltsstoffe einer Pflanzenart in vielfach höherer Konzentration besitzen, ist es klar, dass Schlehenfrüchte wahre Vitamin- und Vitalstoffbomben sind.

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Schmecken erst nach dem ersten Frost

Schlehen werden nach dem ersten Frost geerntet. Vorher schmecken sie bitter und ziehen den Mund zusammen, so dass ein seltsam pelziges Gefühl entsteht. Doch nach ein paar Nächten Frost (oder alternativ Lagerung im Tiefkühlfach) werden die Gerbstoffe enzymatisch abgebaut, so dass die Schlehen danach deutlich besser essbar und süßer sind.

Bauernwissen und -weisheiten

Aufgrund ihrer spitzen Dornen und ihrer sperrigen Wuchsform glaubte man früher, dass Schlehenbüsche vor Hexen und bösen Wünschen schützen. Darum wurden sie gern um Bauernhöfe und Weideflächen gepflanzt. Indem man die Tage zwischen ihrem ersten Erblühen und dem Georgi-Tag (23. April) zählte, bestimmte man den Tag der Getreide-Ernte um den Jakob-Tag (25. Juli). Wenn die Früchte an den Büschen zahlreich waren, glaubte man, dass ein harter Winter bevorstand. Aus der Schlehenrinde wurde außerdem im Mittelalter Tinte hergestellt, und aus dem harten Holz fertigte man Wanderstöcke.

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Nahrungs- und Heilmittel

Am verbreitetsten war und ist die Nutzung der Schlehen als Nahrung- und Heilmittel. Sowohl aus den Blüten als auch aus den Früchten lassen sich Elixiere, Säfte, Liköre und straffende Cremes herstellen. Straffend deswegen, weil die Schlehe aufgrund der Gerbstoffe “adstringierende” (zusammenziehende) Wirkung hat. Das merkt man im Mund, wenn man Schlehen vor dem ersten Frost verzehrt! Die Wirkung sorgt aber auch dafür, dass man aus Schlehen Mittel gegen Zahnfleischentzündungen und -blutungen herstellen kann.

Getrocknete Schlehen ähneln Rosinen oder Berberitzen und schmecken richtig gut, außerdem haben sie appetitanregende Wirkung und sorgen für einen “guten Magen” (magernsäureausgleichende Wirkung).

Schlehensaft / Schlehenelixier: Wirkt gegen Erkältung und beugt vor

Mein äußerst konzentrierter Schlehensaft kann ab sofort vorbeugend gegen Erkältungen eingenommen werden (jeden Tag ein paar Löffel voll) oder bei bereits bestehenden Erkältungen dreimal täglich gegeben werden. Kinder mögen den Saft normalerweise gern, so dass er ein gutes natürliches Heilmittel bei kindlichen Erkältungen darstellt. Im Handel ist Schlehen-Elixier teuer und übersüß (wie ich finde). Mein Schlehensaft ist weniger süß und ganz leicht mit Orangenschale aromatisiert, was dem Saft einen ganz besonderen Pfiff gibt. Kann man aber auch weglassen, das Aroma der Schlehe ist an sich schon sehr fein.

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Wo finde ich Schlehen?

Schlehen wachsen wild an Weg- und Waldrändern sowie an Böschungen. Man erkennt sie jetzt im Herbst an den kräftig blauen Kugel-Beeren von ca. 1 cm Durchmesser (die Beeren können aber von 0,6 bis 1,8 cm Durchmesser haben), sowie den dornigen Zweigen, die fast im rechten Winkel von den Ästen der Büsche abstehen. Die Blätter sind oval und zur Zeit der Ernte nach dem ersten Frost meist schon abgefallen, so dass die blauen Kugeln dekorativ an den kahlen Ästen sitzen. Die Beeren dienen Vögeln den ganzen Winter über als Nahrung, wenn sie nicht geerntet werden. Wer keine Schlehenbüsche im Umfeld kennt, wird vielleicht auf www.mundraub.org fündig, einer Seite, die “erlaubte” Sammel-Orte von Wild- und Kulturfrüchten auflistet.

So, hier aber endlich das Rezept:

Konzentrierter Schlehensaft

Ein Kilo Schlehen ergibt ungefähr einen Liter Saft.

Ich gebe absichtlich keine festen Mengen an, da die Menge der benötigten Zutaten von der gesammelten Menge Schlehen abhängt. Die Mengen ergeben sich ganz von selbst.

Aufgepasst: Bis der Saft fertig ist, vergehen mehrere Tage. Ich rate, den Saft an einem Abend anzusetzen, so dass man ein paar Tage lang jeden Abend den neuen Sud ansetzen kann. Das Prinzip ist es, ein paar Tage lang immer wieder die Schlehen mit kochendem Sud zu begießen und sie auf diese Weise immer mehr “auszulaugen”, bis alle Pflanzenkraft im Sud steckt. Fast homöopathisch, nur nicht durch Schütteln, sondern durch Begießen.

Zutaten:

  • Schlehen (so viele wie Ihr sammeln wollt/könnt), ein halber bis ganzer Spankorb ist für’s erste Mal vielleicht genug
  • Wasser
  • Pro Liter Saft 100 g Zucker (am besten Bio-Roh-Rohrzucker)
  • evtl. eine kleine Bio-Orange
  • evtl. etwas Zitronensaft (nach Geschmack)

Wenn die Schlehen noch keinen Frost abbekommen haben, gebt Ihr sie für 2 Tage in die Tiefkühltruhe. Das baut die Bitterstoffe ab.

Nach dem Frosten gebt Ihr die Schlehen ganz in einen großen Topf.

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Ihr schabt die Schale von der Orange fein ab und gebt sie hinzu.

Dann erhitzt Ihr Wasser im Wasserkocher und gebt es kochend über die Schlehen und die Orangenschale, bis sie ca. 2 cm von Wasser bedeckt sind. Da noch Wasser verkocht und die Schlehen viel Kraft haben, muss man mit Wasser nicht wirklich sparen.

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Den Topf lasst Ihr 24 Stunden stehen.

Am nächsten Tag gießt Ihr die Schlehen durch ein Sieb, fangt aber dabei den Sud (das Wasser) auf UND bewahrt die Schlehen auf!!! Die Schlehen gebt Ihr wieder in den Topf. Den Sud kocht Ihr wieder auf, diesmal aber in einem Topf. Wenn der Sud kocht, gebt Ihr ihn wieder über die Schlehen und lasst sie bis zum nächsten Tag stehen.

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Das Ganze wiederholt Ihr in den nächsten Tagen fünf bis sieben Mal – bis Ihr merkt, dass die Früchte total “ausgelaugt” sind.

Den letzten Sud kocht Ihr dann mit 100 g Zucker pro Liter Sud auf. Schmeckt den Saft mit Zitronensaft ab (muss nicht sein, aber manche mögen es) und füllt ihn heiß in Flaschen ab.

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Man kann den Saft auch ohne Zucker einwecken, aber dann hält er sich nicht ganz so gut. Dann kann man den ungezuckerten Saft erhitzen und dann erst süßen. Aus dem ungesüßten Saft kann man mit Gelierzucker auch Schlehen-Gelee herstellen. Mit etwas Zimt wird das zu einer tollen weihnachtlichen Marmelade oder einem tollen Mitbringsel / Bazargabe zur Weihnachtszeit.

Man kann den Elixier auch ein wenig mit Wasser verdünnen und heiß nach einem Waldspaziergang genießen. Wundervoll! Oder einen Schuss davon zum Glühwein geben. Oder man gibt einen Löffel davon zum Müsli oder Joghurt. Auch ein pikanter Salat verträgt einen Löffel Schlehen-Elixier im Dressing.

Gibt es bei Euch Schlehen in der Nähe?

 

 

 

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