Selbst gemachtes Geschenk für kleine Kinder: Knotenpüppchen / Erstlingspüppchen

So leicht zu machen und so süß! Warum eine solche Puppe ein besonders wertvolles Geschenk für Euer Kind ist, und alle Tipps und Tricks im heutigen Artikel:

Die Urform der Puppe: Besonders fantasieanregend und erfüllend

Knotenpüppchen sind die Urform der Puppe. Schon vor tausend Jahren stellten Eltern für ihre Kinder solche Püppchen aus Stroh, Wolle und Stoffresten her. Und man mag es heute kaum glauben, aber auch mit diesen einfachen, in manchen Augen sogar „hässlichen“ Puppen spielen Kinder liebe- und fantasievoll. Vielleicht entstehen mit Knotenpüppchen sogar die fantasieanregendsten Spiele überhaupt: Denn die Fantasie des Kindes muss alle Details selbst hinzufügen. Dies ermöglicht ein besonders inniges und „seelenvertieftes“ Spiel. Ein solches Spiel regt auch die Herzensbildung und die Liebe zu den Mitmenschen besonders gut an. Es ist fast magisch: Wer ein Püppchen liebevoll umsorgt, lernt, zu sich selbst und zu anderen liebevoll zu sein, und zieht dadurch auch liebevolle Behandlung an.

Der Effekt eines wertvollen Puppenspiels: So wie meine kleine Tochter das eingewickelte Knotenpüppchen liebevoll an sich drückt, so wird auch sie von ihrer Schwester umarmt.

Inspirierend sogar noch für große Kinder

Meine Töchter spielen nicht nur mit Waldorf-Spielzeug. Sie haben neben ihren Waldorf-Puppen auch konventionelle Puppen. Die beste Freundin der großen Tochter hatte eine konventionelle Babypuppe und so wollte die große Tochter vor zwei Jahren auch unbedingt so eine haben, und die kleine Tochter bald darauf auch… Aber als ich jetzt für das Baby von Freunden das Knotenpüppchen machte, wollten beide Kinder unbedingt auch eines haben. Kinder können ein solches Püppchen schon ganz gut herstellen. Also leitete ich die große Tochter dabei an. Ich machte dann noch ein Püppchen für die kleine Tochter. Und wie erstaunt war ich, als meine beiden Töchter das ganze Wochenende im Haus auf dem Land ausgiebig und liebevoll mit ihren Knotenpüppchen spielten, ihnen Bettchen bereiteten und sie zudeckten, ihnen eine Wohnung in einer Pappschachtel bauten, ihnen zu essen gaben und sie, warm eingewickelt in Wolldecken und bunte Spieltücher, mit nach draußen in den Wald nahmen. So schön hatten sie schon lange nicht mehr mit Puppen gespielt. Und da sage einer, Püppchen ohne Gesicht seien unvollständig! Nein, die Fantasie der Kinder fügt das Fehlende ganz leicht hinzu!

Falls Ihr kein Püppchen selbst machen wollt, findet Ihr hier auch ein äußerst günstiges Knotenpüppchen bei uns, nämlich dieses:

Materialien für ein Knotenpüppchen

Das Prinzip bei einem Knotenpüppchen ist es eigentlich, dass man verwendet, was man an Resten zu Hause hat. Es können gern Secondhand-Materialien sein – alte Betttücher, alte Pullis usw. Aber es ist auch gar nicht schlimm, wenn Ihr Fehlendes im Bastel- oder Stoffladen dazukauft oder das Püppchen aus 100% neuen Materialien herstellt.

Ihr braucht:

  • 50×50 cm zartrosa bzw. hautfarbener Stoff, z.B. ein altes Bettlaken aus Biber, Flanell oder Baumwolle, vorzugsweise ein weicher, leicht dehnbarer Stoff.
  • eine große Handvoll Füllmaterial, am besten ca. 50g kardierte Schafwolle im Vlies, oder aber kleine Fetzen eines eingelaufenen Wollpullis, aber auch Puppen-Füllmaterial aus dem Bastelgeschäft oder Watte
  • farblich passender Faden
  • wenn Ihr einen „echten Kopf“ aus kardierter Schafwolle macht (Methode 2; siehe unter Schritt 5): reißfester Faden und evtl. Filznadel
  • schönes Bindeband (ca. 30-40 cm) für den äußeren Hals, z.B. selbst gedrehte Kordel aus Dochtwolle

Anleitung für ein Knotenpüppchen

Ganz wichtig ist es, wie bei jeder Herstellung einer Puppe, dass Ihr mit Liebe arbeitet. Am besten denkt beim Nähen/Werkeln an das Kind, für das die Puppe ist, stellt Euch sein Wesen vor. Dann näht Ihr nämlich die Liebe buchstäblich in die Puppe ein. Obwohl ich eigentlich nicht esoterisch bin — ich weiß, dass das einen Unterschied macht in der Wahrnehmung der Puppe, d.h. bezüglich der Art und Weise, wie Ihr sie seht – und in Folge dessen auch, wie Eure Kinder die Puppe wahrnehmen.

Schritt 1: Stoff zuschneiden

Als erstes schneidet Ihr aus dem Bettlaken oder Stoff ein quadratisches Stück der Größe 50×50 cm zu.

Schritt 2: Zwei Ecken abrunden

Achtung vorab: Die abgerundeten Ecken sind im nächsten Schritt relativ schwer zu säumen; dazu müsste man möglichst einen Kräuselfaden einziehen. Deswegen gut überlegen, ob Ihr den abgerundeten Bauch und Rücken braucht oder ob Ihr darauf verzichten könnt. Lest erst unter Schritt 3, was Ihr Euch zutraut.

Wer den „runden“ Bauch und Rücken will: Ihr rundet zwei gegenüberliegende Ecken mit der Schere ab, die zwei anderen Ecken bleiben eckig (das werden die Händchen).

Schritt 3: Stoff versäubern und säumen

Nun versäubert Ihr den Stoff ringsum mit Zickzackstich, so dass sich der Stoff nicht auftrennen kann. Anschließend näht Ihr einen Saum von ca. einem Zentimeter. Das kann an den Rundungen tricky sein; hier solltet Ihr einen Kräuselfaden* einziehen, bevor Ihr sauber umnähen könnt. Wer das nicht kennt oder kann, muss den Stoff an den beiden Rundungen händisch ein bisschen in kleine Falten legen – oder eben auf die Rundungen verzichten.

*Mit einem Kräuselfaden (Hilfsnaht) zieht man Stoff ein wenig zusammen, so dass er sich in Falten legt bzw. an der gewünschten Stelle etwas gestrafft wird: Man näht an der Stelle, die man einkräuseln/kürzen will, eine Naht ohne Fadenspannung (Fadenspannung auf 0 stellen) und mit der höchstmöglichen Stichlänge (oft 4). Nach dem Nähen zieht man vorsichtig am Unterfaden, so dass sich der Stoff zusammenkräuselt bzw. in Falten legt. Man verknotet am Anfang und am Ende der Hilfsnaht den Ober- mit dem Unterfaden, so dass es sich nicht wieder ent-kräuselt. Nach dem Kräuseln bearbeitet man die Stelle wie gewünscht, z.B. säumen (wie hier) oder gekräuselt an ein anderes Stoffstück nähen. Der Faden dieser Hilfsnaht („Kräuselfaden“) kann später wieder entfernt werden.

Schritt 4: Abbinde-Band herstellen oder bereitlegen

Bevor Ihr nun den Kopf formt, stellt Ihr eine Abbinde-Kordel her (z.B. aus dieser schönen Dochtwolle wie ich) oder legt einen anderen reißfesten/stabilen, nicht zu dünnen Abbindefaden bereit.

Schritt 5: Den Kopf herstellen

Für den Kopf habt Ihr zwei Möglichkeiten. Wer loses Füllmaterial (Pulli-Fetzen u.ä.) oder Watte verwendet, stellt den Kopf nach Methode 1 her. Wer Schafwolle im Vlies zur Hand hat, kann Methode 2 anwenden, eine echte Puppenmacher-Technik.

Methode 1 – für loses Füllmaterial oder Watte

Ihr legt eine kleine Handvoll Füllmaterial auf die linke Stoffseite (innen) in die Mitte des Stoffes und fasst das Material mit der Stoffmitte ein. Da müsst Ihr ein bisschen drücken und am Stoff ziehen, bis sich die Andeutung einer Stoffkugel bildet und diese wirklich in der Mitte sitzt. Sobald das gelungen ist, kann man den „Hals“ fest mit Daumen und Zeigefinger umfassen und mehr Füllmaterial in den Kopf stopfen, bis der Kopf schön fest und rund ist.

Sobald man zufrieden mit der Größe ist und der Kopf möglichst mittig sitzt (!), bindet man den Hals mit dem bereit gelegten Bindeband fest ab. Die Betonung liegt auf „fest“: Der Knoten darf nämlich von Kinderhänden nicht gelöst werden können, da sonst kleinteiliges Füllmaterial zugänglich werden könnte. Dies wäre zumindest laut der europäischen Spielzeugnormen eine Gefahr.

Methode 2 – für Schafwolle im Vlies bzw. „wickelbares“ Füllmaterial

Als erstes legt Ihr einen reißfesten Bindfaden von ca. 30 cm Länge bereit. Dann teilt Ihr die Schafwolle vorsichtig in ca. 5 cm breite, nicht zu dicke Strähnen. Ihr nehmt eine Strähne und wickelt sie ein paarmal ganz fest um den Finger. Ihr zieht den fest um den Finger gewickelten Wollknubbel ab und wickelt dann die Wollsträhnen immer rundum diesen Kern zu einer Kugel. Dabei wie beim Wolleaufwickeln immer ein wenig die Richtung ändern, so dass die Kugel schön gleichmäßig wird. Die Kugel sollte ungefähr den Umfang von 15-18 cm bekommen (mit Maßband nachmessen) und kleiner als der gewünschte Kopf sein (er wird gleich noch größer).

Dann legt Ihr drei oder vier eher dünne Wollsträhnen von ca. 20 cm Länge kreuzweise übereinander zu einem „Stern“ und legt die Kugel darauf in die Mitte. Dann fasst Ihr die Kugel mit den Strähnen fest ein und bindet sie unten mit dem Bindfaden von 30 cm Länge ab.

 

So sieht der Kopf nun aus!

Dann wird das gesäumte Stoffstück darüber gestülpt, so dass der Kopf genau in der Mitte sitzt, und mit dem vorbereiteten Bindeband (Kordel) am Hals abgebunden. Die überstehende Wolle unter dem Hals abzupfen oder mit einer Filznadel fest filzen. Auch hier gilt: Laut Spielzeugrichtlinie darf bei einem weichen Spielzeug kein Füllmaterial zugänglich werden. Die Frage ist hier, ob dabei kleine Teile entstehen könnten, an denen das Kind ersticken könnte, oder ob die chemische Qualität es zulässt, dass das Kind daran leckt und saugt (was Kinder, besonders Babys, ja manchmal tun). Kardierte Schafwolle ist aufgrund der losen Fasern und der wasserabweisenden Eigenschaften jedoch luftdurchlässig (d.h. das Kind kann daran eigentlich nicht ersticken) und beinhaltet keine gefährliche Chemie. Dies kann bei Watte und anderen Füllmaterialien aus dem Bastelgeschäft aber anders sein! Sicher geht Ihr, wenn Ihr beim Hersteller nachfragt, ob das Material laut Spielzeug-Norm DIN EN 71-3 und DIN EN-71-9 getestet und für unschädlich befunden wurde.

Schritt 6: Die Händchen verknoten

Nun werden nur noch Knoten in die beiden Ecken für die Händchen gemacht, und…

…fertig ist die Knotenpuppe!

Süße Ergänzungen: Tunika, Haare oder Mützchen

Ihr könnt der Puppe noch eine kleine Tunika nähen, z.B. aus dem zauberhaften gepunkteten Bio-Baumwollstoff von Hans Natur, den ich  hier verwendet habe. Eine ganz einfache Anleitung für eine Puppen- oder Kinder-Tunika findet Ihr hier auf dem Blog.

Wer möchte, kann der Puppe auch Haare machen, z.B. aus dünn geschnittenen Stoffstreifen eines alten Sweatshirts. Oder man häkelt eine Puppenperücke aus weicher Wolle.

Eine Leserin postet auf Facebook das Bild ihres Knotenpüppchens, dem sie als „Zipfelmütze“ eine alte Wollsocke aufgesetzt hatte. Sehr süß!

Püppchen mit Tunika

Eingewickelt in eine Wolldecke hat es das Püppchen schön warm

 

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4 Kommentare, RSS

  1. Roswitha 8. Dezember 2017 @ 8:53

    Liebe Maike,

    vielen Dank für deine Anleitung zur Herstellung dieses schönen Knotenpüppchens!
    Ich tue mir doch etwas schwer mit der Stoffauswahl.
    Kannst du mir bitte mitteilen, welchen Stoff du genommen hast, er scheint mir perfekt.
    Falls du welchen übrig hast, den du nicht mehr brauchst, würde ich dir auch die entsprechende Menge abkaufen.

    Liebe Grüße, Roswitha

  2. Roswitha 9. Dezember 2017 @ 7:31

    Hallo Maike,

    ich habe bei „Siebenblau“ einen Bio Pima Cotton Satin perlmuttrosa 50×50 groß entdeckt,

    wäre der evtl. auch passend?

    Dankeschön für deine Mühe!

    Liebe Grüße und einen schönen 2. Advent morgen, Roswitha

    • Maike

      Maike 10. Dezember 2017 @ 17:23

      Liebe Roswitha, Du meinst für die Hautdes Püppchens? Ich denke, der Stoff von Siebenblau wäre ganz gut (ich habe ihn mir angeschaut), aber er könnte auch ein bisschen zu rosa sein. Meiner ist mir eigentlich auch ein bisschen zu rosa und auch nicht wirklich weich – etwas Flanelliges wäre eigentlich perfekt und meiner ist auch eher satin-artig, aber ich wollte halt nehmen, was ich hatte. ich habe davon noch eine ganze Menge übrig und könnte Dir als treue Leserin gern 50×50 cm schicken, wenn Du mir Deine Adresse nennst. Denn es ist noch ganz viel übrig von dem Bettlaken.
      Für wen soll das Püppchen denn sein?
      Liebe Grüße!

  3. Roswitha 11. Dezember 2017 @ 9:13

    Liebe Maike,

    ganz lieben Dank für deine Antwort und für dein Angebot!
    Das wäre wirklich sehr nett, wenn du mir etwas davon zuschicken würdest,
    freue mich schon drauf.
    Ich schicke dir meine Anschrift, geht per E-Mail, du hast ja meine ich schreibe dir dann zurück.

    Dann schreibe ich dir auch für wen das Püppchen ist;)

    Liebe Grüße, Roswitha

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