Sorbische Wachs-Eier mit Kindern basteln

Sorbische Ostereier haben eine lange Tradition, die heute noch gepflegt wird. Auch Kinder kommen mit der Technik schon gut zurecht. Wie es geht, lest Ihr hier:

Letztes Jahr haben wir im Spreewald bei einem Osterfest sorbische Eier hergestellt. Die große Tochter hat eifrig mitgemacht. Wir haben staunend gesehen, wie man dafür einfache Haushaltsgegenstände trickreich verwendet. Wenn Ihr wissen wollt, wer die Sorben sind, scrolle ganz nach unten, da habe ich zwei Absätze dazu geschrieben, mit Link zu mehr Infos.

Eier mit Wachstechnik verzieren: Eine sorbische Tradition

In vielen Dörfern im Spreewald finden vor Ostern Dorffeste statt, bei denen Kinder und Erwachsene gemeinsam Eier verzieren. Dabei wird die so genannte „Reservetechnik“ angewandt: Mit Wachstropfen oder -strichen werden Stellen auf dem Ei „reserviert“, das heißt diese werden versiegelt, so dass sie beim Färbevorgang keine Farbe abbekommen. Man kann in mehreren Durchgängen mit mehreren Farben arbeiten, von hell nach dunkel.

So könnt Ihr zu Hause sorbische Ostereier herstellen:

Materialien für eine Person/Arbeitsstation

  • eine Müslischale
  • ein paar Handvoll Sand
  • ein alter Löffel, den man biegen kann
  • Teelichte
  • etwas Bienenwachs oder anderes Kerzenwachs
  • 1 Bleistift
  • 1 Stecknadel. Wer richtig filigrane Muster produzieren will, braucht eine „Kistka“ (siehe Erklärung unten)
  • ein oder mehrere Haushaltsgummis
  • Küchenkrepp
  • eine Kerze
  • Eier-Kaltfarben oder natürliche Färbesude wie Rote-Bete-Saft (ergibt ein bräunliches Altrosa), Zwiebelschalen-Wasser (von warmem gelb über orange bis braun), Kurkuma-Wasser (sonnengelb bis hellorange), Rotkohl-Kochwasser (zartes Blau), Holundersaft (grauviolett)
  • gekochte Eier. Bei diesen möglichst vor dem Kochen mit etwas Essig den aufgedruckten Code entfernen. Aber Achtung: Dort, wo Essig aufgetragen wurde, werden natürliche Pflanzenfarben nicht so gut aufgenommen. Also entweder besser das ganze Ei abreiben oder nach dem Abreiben nochmal waschen, um Flecken zu vermeiden.

Achtung: Wer die Eier zum Aufhängen gestalten möchte, blase sie bitte erst nach dem Verzieren aus. Denn sonst muss man sie wegen ihrer Leichtigkeit beim Färben die ganze Zeit mit einem Löffel unter Wasser halten. Ich spreche aus Erfahrung, das ist nervig 😉

Wenn man die Eier ausgeblasen färbt, muss man sie die ganze Zeit unter Wasser drücken, sonst schwimmen sie oben.

Anleitung

Als erstes bereitet Ihr die Färbeflüssigkeiten für die Eier vor und füllt sie in Einmachgläser.

Dann bereitet Ihr die Arbeitstationen vor. Ihr füllt die Müslischale mit Sand. Ihr biegt den Löffel nach hinten und steckt ihn in den Sand. Unter den Löffel wird ein Teelicht gestellt – Achtung, nicht zu nah an den Löffel. Zwischen Flamme und Löffel sollten noch einige Zentimeter Platz bleiben. In den Löffel kommen nun die Wachsreste, das Teelicht wird angezündet. Recht schnell beginnt das Wachs im Löffel zu schmelzen.

Auch dieses Arrangement mit alter Kartoffel als Löffelhalter ist denkbar – original Spreewald!

Nun wird in die Bleistifte jeweils eine Stecknadel gesteckt. Der Stecknadelkopf wird nämlich unser Arbeitsgerät (der „Pinsel“):

Bevor Ihr anfangt, Wachs auf das Ei zu geben, ist es hilfreich, zuerst mit einem Haushaltsgummi und einem Bleistift die „Äquatoren“ des Eis zu kennzeichnen. So wird das geplante Muster schön regelmäßig und es entstehen gleichmäßige Felder.

Alles schön vorbereitet, Gummi wieder entfernt? Gut! Nun taucht Ihr den Stecknadelkopf in das flüssige, heiße Wachs und malt damit auf dem Ei. Besonders gut gelingen Punkte, mit denen man Punkte-Reihen und Blumen gestalten kann. Nur mit ganz flüssigem Wachs gelingen auch (kürzere) Striche.

Filigrane Muster mit der „Kistka“

Die ganz besonders schönen Eier auf den Bildern unten sind nicht mit einem Stecknadelkopf, sondern mit Hilfe einer so genannten „Kistka“ verziert worden. Wer richtig ambitioniert ist, besorgt sich eine solche „Kistka“ oder einen „Pysatschok“ – das sind spezielle Arbeitsgeräte für verzierte Eier aus dem osteuropäischen Raum wie z.B. der Ukraine, wo das kunstvolle Verzieren von Eiern ebenso eine lange Tradition hat. Eine Kistka ist ein kleines Kännchen an einem Holzstab, das mit mit Wachsplättchen gefüllt und immer wieder über einer Flamme erhitzt wird. Mit einer solchen „Kistka“ kann man ausgesprochen filigran zeichnen, da das Wachs regelmäßig aus einer äußerst dünnen Tülle fließt. Wir haben das letztes Jahr im Schulhort mit unserer darin erfahrenen Erzieherin gemacht, und es sind dabei sehr schöne Eier entstanden.

Mit der Stecknadel geht es aber auch gut und ist besonders für Kinder viel besser handhabbar:

Hier mit Kistka:

Wenn man mit dem Muster fertig ist, wird das Ei in die gewünschten Farbe gelegt und ca. 5-10 Minuten darin gelassen. Bei natürlichen Farbsuden immer wieder die Farbintensität prüfen.

Dann die Eier herausnehmen und trocknen lassen.

Wer möchte, kann jetzt einen zweiten Durchgang machen, um weitere Punkte und Striche in der aktuellen Färbung zu erzielen. Dabei empfiehlt es sich natürlich, zuerst hell zu färben (z.B. gelb) und im zweiten Durchgang dunkler darüber zu färben (z.B. rot).

Wenn man mit seinem Muster ganz fertig ist, muss das Wachs wieder vom Ei entfernt werden. Dazu hält man das Ei mehrmals von allen Seiten in eine Kerzenflamme und reibt es jeweils sofort mit Küchenkrepp ab. (Das grüne Ei ist ein von mir mit einer Kistka gestaltetes Ei).

Hier ein mit der Stecknadel gestaltetes Ei:

Fertig sind die wachsverzierten Eier! Hier das fertige, zweifarbige Ei meiner damals sechsjährigen Tochter:

Und hier fürs große Staunen eine Sammlung von Kistka-verzierten Eiern unserer begabten Horterzieherin:

Exkurs: Wer sind eigentlich die Sorben?

Die Sorben sind eine Minderheit, die im Gebiet den Spreewaldes südöstlich von Berlin, in der noch etwas südlicheren Lausitz sowie im angrenzenden Polen ansässig waren und heute noch sind. Sie pflegen eine eigene Kultur und haben sogar ihre eigene Sprache. Zu DDR-Zeiten wurde versucht, die sorbische Kultur zu unterdrücken, doch die Menschen ließen sich ihre Traditionen nicht nehmen. Heute ist die sorbische Kultur im Spreewald wieder lebendig. Auch Nicht-Sorben haben Teile des Brauchtums übernommen.

Ostereier mit Wachstechnik zu verzieren ist eine viel geliebte Tradition im Spreewald, die nicht nur von den Sorben gepflegt wird. Auch „ganz normale Spreewälder“ treffen sich zur Osterzeit, um Eier zu verzieren. Da entsteht auch gern mal ein heimlicher Wettbewerb um die schönsten und aufwändigsten Eier.

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