Puppentheater für kleine Kinder spielen: So geht’s

Es ist einfacher, als Ihr glaubt! Jede Mama, jeder Papa kann Puppentheater spielen, und an Ausstattung braucht’s nicht viel. Wie es geht, lest Ihr hier – mit vielen Tipps!

Puppentheater für Kleinkinder: Oft nicht kindgerecht

In meinem fast zehnjährigen Leben als Mama bin ich schon oft Zeugin von Kindertheater geworden. Und fast immer waren die Stücke, so liebevoll, aufwändig, gewitzt und kreativ sie manchmal umgesetzt waren, alles andere als kindgerecht. Ich haben in den Kindertheatern in Berlin echt Grauenhaftes erlebt: Grobe, manchmal sogar schlüpfrige Späße, die nur Erwachsene verstehen konnten, so schnelles und nuschelndes Sprechen, dass sogar ich als Erwachsene kaum verstanden habe, was geredet wurde, und vor allem Inhalte und Handlungen, die kleine Kinder überhaupt nicht nachvollziehen konnten.

Ihr könnt es besser! Heute erfahrt Ihr, wie das geht. Ich habe meinen Kindern seit ihrem 2. Geburtstag an jeder Geburtstagsfeier ein selbst ausgedachtes Puppentheater vorgespielt. Dabei habe ich viele Erfahrungen gesammelt. Und vor allem gemerkt, was funktioniert, was verstanden wird und was nicht. Auch habe ich in unserem Kindergarten und an manchen Institutionen im Umfeld auch wunderbare, kindgerechte Aufführungen miterlebt.

Ausstattung: Zum Theater braucht’s nicht viel

Wenn Ihr Eurem Kind oder der kleinen Gesellschaft beim Kindergeburtstag ein Puppentheater-Stück vorspielen wollt, braucht Ihr nicht gleich ein Puppentheater basteln oder kaufen.

Perfekt geeignet als Theaterbühne ist ein Spielständer mit einem oder zwei großen Spieltüchern. Aber auch ein Tisch mit einer langen Tischdecke oder einem alten Bettlaken tut es.

Puppentheater für Kinder
Perfektes Puppentheater: Spielständer mit Spieltüchern

In Waldorfkreisen wird darauf verzichtet, die SpielerInnen hinter Bauten oder Tüchern zu verstecken. Sie sitzen dort sichtbar hinter dem Tisch, auf dem die Handlung stattfindet. In der Waldorfpädagogik wird davon ausgegangen, dass es für Kinder im Kindergartenalter viel besser verständlich und beruhigender ist, wenn sie sehen, dass die Puppen von Menschen bewegt werden. Kleine Kinder können sich nämlich trotzdem zu 100% in die Geschichte hineinfühlen, auch wenn sie sehen, dass Mama oder Tante Kathrin die Figuren hin und her setzen. Wenn sie nur die Figuren und nicht die Spielerinnen sehen, halten Kinder unter vier Jahren die Handlung für real. Und das kann manchmal erschreckend oder beängstigend sein, sogar wenn die Handlung komplett auf Schockmomente und Beängstigendes verzichtet.

Auch braucht man nicht gleich Kasperlepuppen. Jegliche kleine Figuren, die man mit einer Hand halten kann, tun es: Figuren aus der Puppenstube, kleine Spielpuppen, Zwerge oder Filzpüppchen. Zur Not auch einfache Knotenpüppchen in verschiedenen Farben, die man an Fäden hält. Holztiere von Ostheimer oder Holztiger geben tolle Nebenfiguren ab.

Puppentheater für Kinder Waldorf
Auch mit einfachen kleinen Spielpuppen kann man Theater spielen. Hier: Schneeweißchen und Rosenrot.

Tipps fürs Puppenspiel

  • Bei Kindern unter 3-4 Jahren: Haltet die Handlung super simpel, kurz und linear (Ideen für Geschichten siehe weiter unten, „Die Handlung ausdenken“)
  • Späße eines Kasperles bringen Kinder total zum Lachen und verzücken damit uns Erwachsene 🙂 Ideen für Kasperle-Späße siehe unten.
  • je weniger Figuren, desto leichter und einfacher zu spielen
  • Stellt die Stühle/Bänke für die Kinder weit genug entfernt von der Bühne auf (psychologische Grenze)
  • Beginn: Signalisiert den Kindern mit einem Glöckchen, dass es losgeht
  • Wenn Ihr allein spielt: Denkt daran, dass Ihr nur zwei Puppen auf einmal halten könnt. Also darf das Stück keine Szene enthalten, in der mehr als 2 Figuren vorkommen (das hat mich beim ersten Mal Theaterspielen total in die Bredouille gebracht!).
  • Auch deswegen: Ein zweiter Spieler bzw. ein/e Assistent/Assistentin hinter der Bühne ist schwer zu empfehlen. Der-/diejenige kann Text lesen, wenn es etwas zu lesen gibt, aber z.B. auch für Hintergrundgeräusche oder Musik (oder für Ruhe im Zuschauerraum 🙂 ) sorgen. Oder aushelfen, wenn etwas schief geht, z.B. das Spieltuch runterrutscht, etwas herunterfällt o.ä.
  • Etwas Musik oder ein Lied zum Anfang sorgen für schöne Stimmung und eine gute Einleitung. Das kann man z.B. singen, oder auf einem Glockenspiel oder einer Flöte spielen. Wenn Ihr mit einem Kasperle spielt, kann dieser das klassische „Tri-tra-trullala, tri-tra-trullala, Kasperle ist wieder da!“ singen.
  • LANGSAM UND DEUTLICH SPRECHEN. Ganz, ganz wichtig!! Kleine Kinder verstehen nichts, wenn Ihr zu schnell sprecht oder nuschelt. Ihr müsst so langsam sprechen, dass es Euch viel zu langsam vorkommt. Sonst kommt bei den Kindern nichts von dem an, was gesagt wird.
  • Wiederholungen: Baut feste Wiederholungen in das Stück ein. Z.B. Reime, ein Sprüchlein, immer die gleiche Frage, immer der gleiche Satz am Ende eines Abschnittes,… Das strukturiert für die Kinder das Stück, sorgt für Wiedererkennungswert (=Vertrauen, „ich finde mich zurecht“) und macht es zugleich spannend („Was kommt da noch?“)
  • Interaktionen und Späße einbauen: Wenn Ihr ein lustiges Stück spielen wollt, eignet sich ein Kasperle-Stück oder zumindest eine Einleitung mit dem Kasperle gut (dafür braucht Ihr jedoch eine Kasperle-Figur). Da ist es gut, wenn das Kasperle die Kinder etwas fragt, wenn es doof ist, etwas nicht merkt, etwas nicht weiß,… so dass die Kinder zum Mitmachen und „Reinschreien“ angeregt werden. (Ideen siehe unten bei „Kasperle-Späße“).
  • Keine Schreckmomente, „böse Figuren“ oder Unheimliches für kleine Kinder! Bei einem Publikum unter fünf Jahren sollte man auf Figuren wie Räuber, Teufel usw. verzichten. Eine „freundliche Hexe“ geht gerade noch, aber sie sollte eher schrullig als böse sein. Kleine Kinder brauchen keine „bösen Figuren“, um Spaß zu haben, sie fürchten sich nur. Bitte einfach weglassen.

Die Aufführungs-Form festlegen

Für kleine Kinder unter 5 Jahren eignen sich gut zwei Formen einer Theateraufführung:

Tischtheater im Waldorfstil

Hier wird aus Fundstücken aus der Natur (Äste, Zweige, Moos, Steine, Schnecken, Zapfen,…), Spieltüchern und anderen Gegenständen auf dem Tisch eine Landschaft aufgebaut und Figuren darin für die Kinder sichtbar bewegt. Eine Person liest einen festgelegten Text vor, z.B. ein Märchen. Eine weitere Person bewegt dazu passend die Figuren auf dem Tisch. Je nach Beleuchtung und Stimmung kann ein solches Tischtheater ganz wundervoll und magisch sein.

Auf einem breiten Tisch lassen sich mehrere Kulissen nebeneinander aufbauen (z.B. Wald, Wiese, Schloss, Zimmer,…). Die Puppen können sich so von Kulisse zu Kulisse bewegen.

Tischtheater Waldorf
Hier: „Das Laternenmädchen“ als Tischtheater inszeniert. Der Text wird vorgelesen. Der Tisch ist dekoriert mit Fundstücken aus der Natur, Spieltüchern in verschiedenen Farben und Filzfiguren, die sichtbar bewegt werden.

Für ein solches Stück eignen sich Märchen mit wenigen Figuren, z.B. „Frau Holle“ oder „Rapunzel“. In Waldorfkreisen, wo Theater für Kindergartenkinder meist auf diese Weise aufgeführt wird, liest man gern die Geschichte vom „Laternenmädchen“, vom „Birnenzwerg“, „Lämmlein Schneeweiß“, „Das Töpfchen“ oder „Bübleins Wanderschaft“.

Vorteil: Wunderschön und stimmungsvoll; einfach und stressfrei zu spielen
Nachteil: aufwändige Dekoration und Vorbereitung (Aufbau des Tisches)

Klassisches Puppentheater

In einer „Guckkastenbühne“ bzw. über einer horizontalen Linie (z.B. Oberkante eines Spielständers oder Tisches) wird mit mehreren Spielpuppen eine Handlung gespielt. Hier bedarf es kaum weiterer Dekoration und Gegenstände. Die Vorstellungskraft der Kinder ergänzt, was nicht zu sehen ist.

Vorteil: Regt die Vorstellungskraft an, wenig Mühe bei der Vorbereitung, kann spontan inszeniert werden (einfach Tuch über einen Spielständer oder Tisch breiten, und los geht’s!)
Nachteil: Das Puppenspiel muss vorher inhaltlich-dramaturgisch, vom Ablauf her und evtl. textlich gut durchdacht werden, um stressfrei und sicher gespielt zu werden.

Die Handlung festlegen

Wenn man keinen Vorlese-Text verwenden möchte, muss man sich eine einfache Handlung ausdenken, die mit den vorhandenen Puppen gespielt werden kann. Je einfacher die Handlung, um so einfacher zu spielen!

Wirklich, die Handlung darf für Kinder bis zu vier Jahren super simpel sein und mit wenigen Figuren auskommen. Kinder unter drei leben total im Hier und Jetzt und können noch keine Taktik, Pläne und Ränke nachvollziehen. „Jemand, der so tut als ob“ verstehen sie noch nicht, macht ihnen also auch keine Freude.

Deswegen kann man ihnen ganz einfache Geschichten nach dem „Und dann… und dann…. und dann…“-Prinzip erzählen, nach dem Muster: Jemand hat ein Problem, sucht nach der Lösung in drei bis fünf Schritten, und findet sie am Ende. Zum Beispiel:

  • Prinzessin Tausendschön hat im Wald ihren Ring verloren. Sie fragt drei Waldtiere danach. Immer schicken die Tiere sie weiter zu einem anderen Tier („frag doch mal das Reh!“). Das letzte Tier gibt ihr schließlich den entscheidende Hinweis: Sie hat ihren Ring am Bach zuletzt gehabt. Dort findet die Prinzessin den Ring schließlich. Als Tiere kann man z.B. Tiere von Ostheimer oder von Holztiger verwenden.
  • Der Junge Jonas ist zum Geburtstag bei seinem besten Freund Theo eingeladen und hat kein Geschenk. Er fragt mehrere Leute/Tiere um Hilfe und alle geben ihm etwas – Eier, Zucker, Butter, Kakao und Mehl. Er geht immer weiter, denn: „Ich kann Theo doch keine Eier schenken, da bekleckert er sich doch nur!“ (hier ist Platz für Lacher!). Am Schluss hat er die Idee: Er backt er einen leckeren Schokoladenkuchen für Theo aus den Zutaten. Vielleicht sind ja die Kinder schon auf diese Idee gekommen… Theo freut sich sehr.
  • Hanna ist es langweilig, aber sie möchte nicht raus. Missmutig setzt sie sich aufs Bett. Da kommt ein Mäuschen/Häschen (Holztier) und nimmt sie mit in eine Wunderwelt. Dort gibt es: einen gelben Bach (Spieltuch!), in dem sie schwimmen und planschen kann, ein bunter Vogel (Holztier), der sie mit auf einen Flug durch den Himmel nimmt, und einen Wunderpilz (Holz- oder Filzfigur), der sich in alles Essbare verwandeln kann, was man sich wünscht (Schokolade, Bonbons…)… Da klingelt es. Hanna ist wieder zurück auf ihrem Bett und rennt zur Tür. Draußen steht ihre Freundin. Nun hat sie Lust, mit ihr zu spielen!
  • Oma backt einen Kuchen für Gretel, die bald Geburtstag hat. Kasperle will ständig naschen. Da kommt die Hexe und verzaubert den Kuchen. Seppel kostet heimlich den Kuchen, denn er ignoriert die Warnungen der Kinder. Er wird verzaubert: er lallt nur noch herum (sehr lustig!) Kasperle will auch probieren, aber die Kinder warnen ihn erfolgreich. Kasperle geht zur Hexe und erfährt mit einem Trick den Zurückzauber-Spruch. Er zaubert Seppel wieder zurück und die beiden backen einen neuen Kuchen für Gretel.
  • Es darf auch noch viel einfacher sein: Kasper geht durch den Wald, trifft verschiedene Tiere oder andere Figuren, macht mit jedem ein paar Späße (und natürlich mit den Kindern!) und verabschiedet sich dann mit Tri-tra-trullala.

Der Kasper

Man kann jede Geschichte von einem Kasper ankündigen und verabschieden lassen. Der Kasper öffnet den Vorhang und schließt ihn wieder. Er kann (oft als einzige Figur) mit den Kindern sprechen. So fungiert er auch als Verbindung zwischen der Welt des Stückes und der Welt der Kinder.

Ein Kasper ist verrückt, lustig und macht Späße. Er sorgt unter Umständen dafür, dass die Kleinen vor Lachen am Boden liegen (ist gar nicht so schwer zu erreichen!). Natürlich kann der Kasper auch im eigentlichen Stück mitspielen bzw. die einzige Figur sein.

Ideen für Kasperspäße

  • Kasper kann ein Wort nicht richtig aussprechen (die Kinder müssen ihn immerzu verbessern)
  • Kasper merkt etwas nicht (dass hinter ihm die Hexe steht, dass der Kuchen verzaubert ist…) — die Kinder müssen ihn warnen!
  • Kasper findet etwas nicht, was im Blickfeld der Kinder liegt.
  • Kasper fragt die Kinder um ihre Meinung („Kinder, meint Ihr, ich darf ein Stück von dem Kuchen probieren?“)
  • Kasper versteht etwas nicht richtig: „Ach so, ich soll den Kuchen in die Luft schießen?“ (er soll ihn in den Ofen schieben) – ratet mal, ob kleine Kinder da lachen!
  • Kasper muss sich etwas merken (Zauberspruch, Rezept, Anweisung, Reihenfolge), kann es aber nicht. Da müssen die Kinder helfen!

Noch einmal: Eure Theateraufführung muss nicht aufwändig und kompliziert sein. Macht es lieber einfach und spielt dann souverän, als dass Ihr Euch übernehmt, unsicher werdet und „aus der Rolle fallt“. Ein, zwei Späße vom Kasper und eine Prinzessin, die durch den Wald geht und ihren Ring wiederfindet, sind absolut genug für Kinder um die drei, vier Jahre.

So, nun wünsche ich Euch viel Spaß beim Ausdenken eines Theaterstücks!

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