Unser erstes Jahr mit Baby: Familie Silberbach aus Bayrisch-Schwaben

Jeden Monat berichtet eine Familie auf unserem Blog über ihr erstes Jahr mit Baby. Heute ist Familie Silberbach aus Bayrisch-Schwaben an der Reihe. Sie sind entzückt über ihre lebendige kleine Tochter und entsetzt über das Verhalten ihrer Kinderärzte. Lest selbst:

Erzähle ein wenig von Euch: In welcher Familienkonstellation lebt Ihr und wie alt ist Euer Kind?

Wir sind zu dritt und, so gesehen, die klassische Kernfamilie: Mutter, Vater, Kind. Und wir sind verheiratet. Unser Töchterlein ist jetzt ein Jahr alt.

Was ist der größte Unterschied zum Leben vorher ohne das Baby?

Hm, also eins ist einem definitiv nicht mehr: Langweilig. Der Blick auf die Welt ändert sich sehr und mit unserem Wirbelwind ist dazu auch immer Action!

Welcher Aspekt des Lebens mit Baby war für Euch die größte Herausforderung?

Die ersten drei Monate waren sehr schwer. Zum einen war für mich der Hormonumschwung nach der Schwangerschaft schwer bis gar nicht einzuschätzen. Dazu kam bei uns, dass die Kleine lange brauchte, um hier anzukommen. Wir mussten anfangs zufüttern, weil die Stillhütchen die Milchbildung negativ beeinflussten und gleichzeitig unsere Tochter zu ungeduldig (und zunächst noch zu schwach) war, um länger zu saugen. Mit ca. 10 Wochen schaffte sie Hütchen und Flasche selbst ab, und ich hatte nochmal einen richtigen Milcheinschuss. Das war ziemlich heftig, besonders, weil sich das Hormongefüge erneut änderte. Erst hatte ich zu wenig Milch gehabt, und jetzt hatte ich plötzlich zu viel Milch. Es hat dann eine Weile gedauert, bis sich alles wieder eingespielt hatte.

Was war Dein/Euer emotional bewegendstes Erlebnis mit Eurer Tochter?

Die Geburt war ein wirklich bewegendes Ereignis, aber zum Glück, wie die Schwangerschaft, komplikationslos. Es fällt schwer, sich auf ein Erlebnis festzulegen. Ehrlich gesagt ist jeder Tag mit unserer Tochter bewegend!

Welche Dinge hast Du im ersten Jahr mit Baby gelernt, die Du vorher nicht wusstest/kanntest/konntest?  

Wieviel Milch und Essen in kurzer Zeit in so einem kleinen Magen verschwinden kann. Und wie belastbar Ohren sein müssen, besonders, wenn es ans Austesten der eigenen Stimme geht.

Was hättest Du vorher (vor dem Baby) niemals gedacht?

Dass die Wirkung der Hormone so stark sein kann — und dass die Hormone einen so ärgern können!

Welche Situation im Zusammenhang mit dem Baby hat Dich zuletzt zur Weißglut gebracht?

Wir hatten negative Erlebnisse mit unseren Kinderärzten. Unsere Tochter kam zwei Wochen vor dem ausgerechneten Geburtstermin zur Welt und war sehr klein und leicht (2370 g und 47 cm). Sie war u.a. deswegen auf der Intensivstation zur Überwachung. Dort wurde sie gründlich durchgecheckt, und das wurde alles im Arztbrief festgehalten. Unseren ersten Kinderarzt haben wir nach der U4 gewechselt. Er war stillfeindlich und der Ansicht, wenn man schon stillt, dann bitte nach der Uhr. Wir saßen mit Termin, teils nur zum Impfen, immer mindestens eine Stunde im Wartezimmer. Die Untersuchungen dauerten dann aber nie länger als 5 Minuten. Das Schlimmste für mich war, dass er unsere Tochter wie Luft behandelt hat – oder besser, wie eine Puppe. Kontaktaufnahme zum Kind: Fehlanzeige, egal wie sehr sie sich abgemüht hat. Also den Kinderarzt gewechselt. Wir dachten, schlimmer kann es nicht werden. Aber weit gefehlt: Unsere neue Kinderärztin nahm sich ebenso wenig Zeit und war genauso stillfeindlich. Sie hat keine Ahnung von Kinderernährung und gibt sogar falsche Empfehlungen! Sie interessierte sich sogar noch weniger für unsere Tochter, untersuchte nur das Notwendigste (kein Temperaturmessen, kein in den Mund sehen, kein Abhorchen). Wiegen und Größe messen, aber keinerlei Tests, nichts. Offenbar auch kein Blick auf die vorangegangenen Untersuchungen, geschweige denn den ausführlichen Arztbrief. Das Problem: Ihr passt das Gewicht unserer Tochter nicht. Unsere Tochter ist eben recht schlank, aber sehr aktiv und fit und wächst gut in die Länge. Aber Argumentieren brachte uns bei dieser Ärztin nicht weiter. Sie will dauernd Blut abnehmen, gibt aber keine Antwort warum. Entsprechend stimmen wir nicht zu, zumal Stoffwechselerkrankungen im Krankenhaus bereits getestet wurden. Nach der U6 stand der Entschluss fest, erneut den Kinderarzt zu wechseln. Was wir nicht mitbekommen hatten: unsere Ärztin wollte offensichtlich, dass wir zu 4-wöchigen Kontrollen kommen. Mit uns hatte sie das allerdings nicht besprochen – in der letzten Begegnung hatte sie uns nur bockig das U-Heft in die Hand gedrückt mit den Worten „Dann gehen sie in Zukunft am besten woanders hin.“

Wir waren dann zunächst über den ersten Geburtstag unserer Tochter ein paar Tage im Urlaub. Einen Tag nach unserer Rückkehr standen zwei Sozialarbeiterinnen des Jugendamtes vor der Tür. Die Kinderärztin hatte das Jugendamt informiert, schlicht nur, weil ihr das Gewicht nicht passte (was auch immer sie bei einem Startgewicht von 2370g erwartet). Die beiden Damen sahen sich unsere Tochter an, waren mehr als überrascht darüber, dass wir von nichts wussten. Bei einem Blick ins U-Heft kamen sie dann selbst aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Ihr „Urteil“: ja, das Kind ist recht schlank, sieht aber alles andere als unterernährt aus und benimmt sich auch vollkommen normal.

Über das Verhalten der Kinderärztin, sowohl im Allgemeinen, aber besonders bezüglich dieser speziellen Aktion, bin ich mehr als wütend. So etwas für eine Familie durchaus Gravierendes anzuordenen, obwohl das Kind nicht mal wirklich genau untersucht und getestet wurde! Wir, für uns, gehen davon aus, dass sie einfach Untersuchungen erzwingen wollte. Wahrscheinlich ist sie schon bei anderen Eltern damit durchgekommen, mit dem Jugendamt Angst zu machen.

Hast Du gestillt / stillst Du noch? Was ist Dein wichtigster Gedanke zum Thema Stillen und Ernährung?

Wir stillen noch, wie lange, wird sich zeigen. Es kursieren viele Ammenmärchen über das Stillen, deswegen sollte man sich gut informieren. Auch darüber, was für einen selbst machbar ist, emotional, sollte man sich gut überlegen. Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten, wie Stillgruppen, Stillberatungen (online oder vor Ort). Diese sollte man nutzen, denn in Ratgebern steht vieles nicht drin, oder wird nur angerissen.

Bei der Ernährung sollte man sich gut vorher informieren, egal ob man klassisch Brei geben will oder Baby-Led Weaning oder etwas dazwischen machen will. Man sollte wissen, was ein Baby braucht und ein gewisses Grundvertrauen in sein Kind haben. Und man sollte ihm durchaus, im Rahmen der eigenen Grenzen, erlauben, sein Essen zu erforschen.

Was macht Dir in punkto beruflichem Wiedereinstieg und eventueller Fremdbetreuung am meisten Sorgen?

Es ist schwer, einen Platz in einer Einrichtung zu bekommen, die nicht nach Schema F an das Kind heran geht, nicht herumpädagogisiert und sich vor allem nicht als Bildungseinrichtung sieht. Sorry, aber Krippenkinder brauchen echt noch keine „Bildung“, das meiste lernen sie eh von allein. Leider wird dies nicht wirklich unterstützt, man soll gefälligst schnell wieder arbeiten gehen und bitte auch gleich wieder Vollzeit. Was ich ohnehin nicht will. Ich war als Kind die erste die in Krippe und Kindergarten war und die letzte, die geholt wurde. Das will ich meinem Kind nicht antun.

Wann wart Ihr als Paar zum letzten Mal gemeinsam aus?

Das letzte Mal ausgegangen, so richtig, sind wir lange vor der Schwangerschaft. Es ging einfach auf Grund unserer Arbeitszeiten nicht anders (wir sind beide im Schichtdienst), da waren wir, wenn wir Zeit zusammen hatten, froh, Ruhe zusammen zu haben.

Wenn zutreffend: Wie hat sich durch das Baby Euer Leben als Paar verändert?

Es drängelt sich jetzt gern jemand dazwischen, wenn wir uns in den Arm nehmen.

An welchem Moment in den letzten 5 Tagen hast Du gefühlt: „Oh, ist das schön, dass das Baby da ist!“ ?

Solche Momente gibt es jeden Tag. Entweder, weil sie einen kuscheligen, knutschigen Tag hat oder weil sie total gut gelaunt ist und rumalbert, oder weil sie einem alles in den Mund steckt und teilen will. Oder einfach dieses wunderschöne Strahlen, wenn sie nach dem Schlafen aufsteht.

Hast Du einen Tipp für andere Eltern zum Thema Schlaf / Babyschlaf?

Legt die hohen Erwartungen ab und glaubt vor allem die Märchen vom ab Geburt durchschlafenden Baby nicht. Es wird niemand zugeben wollen, dass die Nächte, besonders im Wochenbett super mega anstrengend sein können. Ein Baby schläft nicht durch, muss nicht durchschlafen. Lasst Euch nichts erzählen, nichts aufzwingen und hört auf das, was sich für EUCH gut anfühlt.

Was würdest Du kinderlosen Freunden am liebsten mal offen sagen?

Ich sage meinen Freunden alles offen.

Hast Du einen Tipp oder Ratschlag für Eltern, die ihr erstes Baby erwarten?

Hört auf Euer Bauchgefühl. Wenn Ihr Euch für etwas entschieden habt, was sich für EUCH gut und richtig anfühlt, dann macht es so (und bleibt dabei). Schlaft, wenn das Baby schläft, gerade in den ersten Monaten. Und schaut, dass Ihr Euer Baby in Euren Alltag einbindet. Nicht den Tag um das Baby herum gestalten oder es irgendwo liegen lassen, sondern es aktiv dabei haben. Beim Essen (bitte nicht das Baby immer separat lassen, wenn es wach ist und Ihr esst), Wäsche waschen, beim Kochen oder dem Gang zum Briefkasten, um nach der Post zu sehen. Habt es dabei, im Arm, im Tuch, im Hochstuhl, Lernturm was auch immer. Je mehr Alltägliches Euer Baby miterleben darf, umso eher spielt sich von allein ein Rhythmus ein. Umso eher lernt es auch die notwendigen Tätigkeiten kennen (und will dann sehr wahrscheinlich bald mithelfen!).

Liebe Maria, vielen Dank für Deine Antworten, Deine Offenheit und Deine Tipps!

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfleder sind markiert *

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Simple Share Buttons