Über den Rückzug nach innen: Gedicht “Novembertag” von Christian Morgenstern

In Christian Morgensterns Gedicht klingt an, dass wir uns nun letztgültig in der dunklen Jahreszeit befinden. Zwischen den Zeilen liest man über die Kräfte, die um diese Jahreszeit in Mensch und Natur wirksam sind:

Christian Morgenstern: Novembertag

Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
drängt die Welt nach innen;
ohne Not geht niemand aus;
alles fällt in Sinnen.

Leiser wird die Hand, der Mund,
stiller die Gebärde.
Heimlich, wie auf Meeresgrund,
träumen Mensch und Erde.

Ich liebe ja Christian Morgensterns Gedichte. Sie sind oft geeignet, sie Kindern vorzulesen, weil sie nicht allzu schwierig zu verstehen sind. Christian Morgenstern hat auch schöne Gedichte extra für Kinder geschrieben.

Thema des Gedichts: Der Rückzug nach innen

In diesem November-Gedicht schreibt Morgenstern über den “Rückzug nach innen”, wie es so schön heißt. Damit ist einmal ganz buchstäblich gemeint, dass wir Menschen ab jetzt bis zum Frühling vermehrt im Haus sind und nicht mehr so viel draußen an der frischen Luft. Das ist ja in unseren Breiten ganz normal, auch wenn man mit Kindern gern jeden Tag ein wenig draußen spazieren gehen sollte, damit sie und wir Luft und Kraft schöpfen.

Gedanken, Träume, Wunschvorstellungen

Es geht aber auch um einen anderen Rückzug nach innen. Wir dürfen uns in der dunklen Jahreszeit mehr mit unserem “menschlichen Inneren” beschäftigen. Das bedeutet ganz einfach, dass wir angehalten sind, über uns und unser Leben nachzudenken, uns Träume und Reflektionen zu erlauben und den Geist schweifen zu lassen. Nicht mehr so viel reden und tun (“Leiser wird die Hand, der Mund”), sondern die Kräfte ins geistige und/oder seelische Verarbeiten stecken. Träumen, wie Morgenstern sagt, ist da ein ganz schönes und wirksames Mittel, denn im Tag-, aber auch im Nachtträumen geschieht etwas mit uns: Auch durch Träume und innere Vorstellungen wie z.B. Wünsche werden Gehirnverbindungen neu angelegt und alte überschrieben. Deswegen sind Träume und Wunschvorstellungen durchaus wirksam.

Ich werde mir das Gedicht zu Herzen nehmen und in den wenigen Mußestunden dieser vor-adventlichen Zeit meine Gedanken mal wieder ein wenig nach innen zu richten. Es ist schließlich immer spannend, was dabei entsteht.

Auf die Träume und das Leben im Inneren!

 

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2 Kommentare, RSS

  1. Avatar

    Paul 8. Dezember 2017 @ 21:00

    Sehr schönes Gedicht an einem verschneiten Tag hier in Südtirol. Ich mag Morgenstern immer wieder gerne. In der Reihe würde ich auch noch von Eichendorff nennen. Auch eine sehr schöne Symbiose aus Wort und Natur… Viele Grüße aus dem Schnee am Hotel Kronplatz

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 10. Dezember 2017 @ 17:29

      Wie schön, dass unser Blog auch in Südtirol gelesen wird! Ich würde so gern mal in Südtirol Urlaub machen. Ja, Eichendorff als romantischer Dichter findet auch sehr anrührende Worte, die sowohl die Natur als auch einen Seelenzustand wunderbar beschreiben. Ich freue mich immer, wenn es andere Gedicht-Liebhaber gibt, vielen Dank für Deinen Kommentar! Bestimmt stelle ich auch mal ein geist von Eichendorff vor. Im Moment würde ja “Markt und Straßen stehen verlassen” passen, das finde ich sehr schön. Liebe Grüße nach Südtirol!

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