Warum kleine Kinder nicht teilen können müssen

Die Spielplatzsaison ist eingeläutet. Und die Kleinen streiten sich wieder um die Buddelsachen. Warum Ihr Eurem kleinen Kind das Teilen nicht beibringen müsst, erfahrt Ihr hier:

Gestern Nachmittag saß ich in der warmen Frühlingssonne auf einer Bank auf dem „Blauen Spielplatz“ bei uns um die Ecke. Meine kleine Tochter vergnügte sich mit ein paar älteren Mädchen am Karussell. Ich hatte endlich Zeit, auf die seit dem Morgen aufgelaufenen SMS zu antworten. Der halbe Schokoriegel, den ich unten in der Tasche gefunden hatte, schmeckte auch vorzüglich – endlich mal ein kleiner Moment nur für mich. Und etwas Süßes. Herrlich! Als die SMSes beantwortet waren, legte ich das Smartphone auf die Tasche neben mir auf der Bank und sah nach meinem Kind. Alles OK. Da kam ein Papa dahergeschlendert, in lockerem, schlurfigem Berlin-Mitte-Schritt, mit einem Eis in der Hand. Er kam auf mich zu und erblickte mein Handy. Er setzte sich neben mich, griff wie selbstverständlich nach meinem Handy und öffnete die Google App. Ich war völlig baff: „Äh, Entschuldigung, was soll denn das? Das ist mein Telefon!“, und ich versuchte, es ihm aus der Hand zu nehmen. Er aber hielt das Telefon schnell seitlich nach oben, so dass ich nicht rankam, guckte mich ganz erstaunt an und sagte: „Hä, nee! Das kann ich doch wohl mal benutzen!“ Ich wusste nicht, ob ich entrüstet oder amüsiert sein sollte. Ich stand auf und versuchte, ihm mein Handy wieder wegzunehmen, noch mit einem belustigten Grinsen im Gesicht (das konnte doch wohl nur ein Scherz sein), aber er weigerte sich mit erstaunter Miene, es mir zu geben. Er stand einfach auf und hielt das Handy hoch. Er war viel größer als ich, so dass ich mein Handy nicht mehr erreichen konnte. Seelenruhig hielt er mein Handy fest und gab es nicht mehr her. Also sowas! Wie unverschämt! Wie konnte ein Mensch auf die Idee kommen, mir einfach mein Telefon wegzunehmen! Laut und etwas zornig sagte ich: „Also jetzt aber Schluss! Gib mir mein Handy zurück! Das ist meins!“

— Okay. Okay. Diese Anekdote habe ich frei erfunden. Sie ist inspiriert von einem denkwürdigen Kapitel aus dem Buch „In Liebe wachsen“ von Carlos Gonzalez und soll verdeutlichen, dass auch wir Erwachsenen durchaus Dinge haben, die wir um keinen Preis teilen bzw. einem Fremden auf dem Spielplatz ausleihen würden — unser Handy, unser Portemonnaie, unsere Sonnenbrille zum Beispiel. Genau so wie uns Erwachsenen mit unserem Handy geht es kleinen Kindern mit ihrem Sandeimer, ihrer Schaufel, oder ihrer Puppe: Sie empfinden Dinge, an denen sie gerade Freude haben, oder Dinge, die ihnen gehören, als ihre eigenen, als fest zu ihnen gehörend, als Teil von sich selbst. Auch wenn es manchmal die Schaufel eines anderen Kindes ist, oder die eigene, die wir als Erwachsene jetzt nicht so wichtig finden.

Aber mein Kind kann doch seine Schaufel mal ausleihen!

Wir Erwachsenen finden, dass unser Kind seine Schaufeln, Sandförmchen oder gar seinen Puppenbuggy doch ruhig mal ausleihen kann, denn es bekommt es doch später wieder. Aber kleine Kinder bis ungefähr drei Jahre leben ausschließlich im Jetzt. Sie haben noch kein Empfinden oder Verständnis für das Verstreichen von Zeit. Sie verstehen nicht, dass es ein Später gibt, wo sie die Schaufel oder den Buggy wieder bekommen. Für sie ist es, als ob man ihnen ihre Sachen für immer wegnimmt, und sie empfinden das zu Recht als Verlust. Genau wie wir es unverschämt fänden, wenn uns jemand einfach unser Handy wegnähme. Oder unsere Sonnenbrille. Oder unseren Schokoriegel.

Aber Kinder müssen doch lernen zu teilen!

Ja, Kinder müssen irgendwann lernen zu teilen. Aber: Unter drei müssen sie es nicht. Erst im späten Kindergartenalter bzw. um die Schulreife herum ist es Zeit, wirklich teilen zu lernen — nämlich dann, wenn es wichtig wird, Aufmerksamkeit von Erwachsenen zu teilen (dem Lehrer!), wenn man wirklich warten können muss, bis man dran ist und so weiter.

Dass kleine Kinder instinktiv festhalten, was zu ihnen gehört, hat gute Gründe. Kleine Kinder unter drei, vier ticken im Großen und Ganzen noch wie die Kinder vor hunderttausend Jahren, als wir Menschen noch in der Wildnis lebten. (Ja, sie werden sich mit der Zeit natürlich unseren zivilisierten, modernen Regeln anpassen und sie verstehen.) In der Steinzeit waren Ressourcen knapp. Kinder, die den wertvollen, nahrhaften, leckeren Pilz oder gar das seltene Stück Fleisch gut festhielten und es sich nicht von Artgenossen oder Älteren wegnehmen ließen, hatten schlicht bessere Überlebenschancen. Auch wenn man nicht alle Verhaltensweisen von Kindern mit unserer Steinzeit-Vergangenheit erklären kann, in diesem Fall hilft die Vorstellung des kleinen hartnäckigen Höhlenkindes vielleicht, um mehr Verständnis für das Verhalten unserer Kleinkinder aufzubringen. Das Festhalten von eigenen Sachen hat durchaus seinen Sinn!

Der Teilen-Sermon: Ermahnungen und Erklärungen bringen nichts. (Die Geschichte von Claus und Anton)

Kleine Kinder unter drei lernen das Teilen auch ganz bestimmt nicht durch Ermahnen, Erklären und Beibringen. Ich kenne einen beflissenen, ziemlich typischen Berlin-Mitte-Vater, dem wir immer mal wieder auf einem der Spielplätze in der Umgebung begegnen. Nennen wir ihn Claus. Claus‘ Sohn Anton ist knapp zwei Jahre alt, und die beiden bringen immer eine riesige Jutetasche mit herrlichem Buddelzeug mit, nur vom Besten – Eistüten und Eisportionierter in Pink und Blau in allen Größen und Variationen. Auf jeder Schaufel, jedem Förmchen steht mit schwarzem Edding säuberlich „Anton“ geschrieben. Wenn Claus das Super-Buddelzeug im Sandkasten ausgeleert hat, kommt meist sofort ein anderes Kind dahergewatschelt oder -gekrabbelt und greift sich eines der tollen Förmchen oder Schaufeln, oder nimmt es dem friedlich buddelnden Anton aus der Hand. Anton schreit dann verständlicherweise laut los. Und wie reagiert Papa Claus? Er reagiert, wie er meint, als anständiger Mensch und erziehungsbewusster, vorbildlicher Vater reagieren zu müssen: „Aber Anton! Wir teilen! Du kannst dem Jungen die Schaufel doch mal ausleihen! Du bekommst sie doch wieder!“ Und Papa Claus gibt dem fremden Kind die Schaufel in die Hand und gibt seinem Anton etwas anderes. Aber Anton schreit und holt sich seine Schaufel wieder — es ist schließlich, aus seiner Empfindung SEINE, und das stimmt ja sogar auch — es steht ja sogar sein Name drauf! 🙂

Ich habe Claus schon zigmal den gleichen Teilen-Sermon auf Anton einreden hören. Ich glaube, Anton bekommt den Sermon so gut wie jeden Tag zu hören, seit mindestens einem Jahr, seit er im Sand sitzen kann. Aber Anton lernt einfach nicht! Am nächsten Tag ist es wieder das Gleiche! Na sowas! Und trotzdem (man kann es eigentlich nur bewundern) leiert Claus seine Ermahnungen immer wieder herunter. Irgendwann wird Anton es doch verdammt noch mal lernen. Natürlich sagt Claus seine wohlerzogenen Sätze auch, weil er nicht als asozialer Vater gelten möchte, der nur egoistisch für sein Kind Partei ergreift. Wir müssen doch gerade auf dem Spielplatz alle ganz höflich und vorbildlich zueinander sein und uns ja keine Blöße geben!

Kleine Kinder können in diesem Alter aber nicht durch Ermahnen und rationales Erklären lernen. Ihr Gehirn kann rationale Inhalte noch nicht erfassen und verarbeiten. Erklärungen, besonders wortreiche, ausführliche kommen bei ihnen ungefähr so an wie Bart Simpsons eindringlicher Sprech, als er seinem Hund Knecht Ruprecht beibringen will, auf Kommando Sitz zu machen: In der Simpsons-Folge „Betragen mangelhaft“ (Staffel 2) sehen wir aus der Sicht des Hundes, was von Barts Worten und Ermahnungen dem Hund ankommt, nämlich folgendes: Blablablablablablablablabla – er hört und erfasst nur ein unverständliches Gemurmel. Aber er nimmt den Ton, die Stimmung von Barts Worten wahr. Ich will einen Hund nicht mit einem Kind vergleichen, und natürlich kann ein kleines Kind Worte schon erfassen (klar, es lernt ja sprechen!). Aber was die Wirkung von ausführlichen, rationalen Erklärungen und wortreichen Ermahnungen betrifft, ist es bei unseren kleinen Kindern bis zu einem gewissen Alter tatsächlich nicht viel anders als bei Hunden: Sie erfassen den Sinn, den Inhalt unserer Worte nicht, weil ihr Gehirn es einfach noch nicht verarbeiten kann. Sie merken aber durchaus, dass Papa ärgerlich und unzufrieden ist. Das Kind versteht vielleicht irgendwann auch, was Papa in dieser Situation will (weil er ihm immer wieder die Schaufel wegnimmt und sie dem fremden Kind gibt). Das selbständige Teilen wird das Kind durch Ermahnen und Erklären aber sicher nicht lernen, wenn es von selbst noch nicht soweit ist. Wann ein Kind bereit zum Teilen ist, lässt sich durch Ermahnen, Erklären und „Beibringen“ nämlich nicht beeinflussen. Ja, es gibt Ausnahmen — wundersame Kinder, die bereitwillig Sachen hergeben — aber meiner siebenjährigen Beobachtung nach sind das die absoluten Ausnahmen. Und sie tun das sicher nicht, weil Papa und Mama es ihnen mit irgendeinem Trick erfolgreich beigebracht haben – sie sind einfach so. Seid Euch gewiss: Spätestens um die Schulreife herum lernt auch Euer Kind zu teilen.

Was lernen wir daraus?

Meinem großen Kind ist das Teilen in den ersten Jahren auch schwer gefallen. Ich würde sagen, sogar besonders schwer. Auch ich habe mein Kind immer wieder ermahnt, doch mal abzugeben, wenn Besuch da war. Weil es mir peinlich war, und weil ich natürlich weiß, dass Teilen als gut und sozial gilt. Aber meine Tochter war nur unglücklich, hat geweint und ihre Sachen fest an sich gedrückt. Sie wollte ihre Sachen eben nicht teilen, weil sie zu ihr gehörten. Ich habe seitdem viel übers kleinkindliche Teilen (bzw. die kleinkindliche Nicht-Fähigkeit zu teilen) nachgedacht, gelesen, beobachtet und auch mit Erzieherinnen gesprochen. Ich bin zu folgenden Schlüssen gekommen:

1. Es ist OK, wenn kleine Kinder noch nicht teilen können. Es ist normal und entspricht ihren Fähigkeiten.

2. Alle Kinder werden lernen zu teilen, wenn sie es im Laufe der späteren Kindergartenzeit bei anderen (Kindern und Erwachsenen) beobachten. Spätestens um die Schulreife herum können es alle. Wirklich. Auch das als Kleinkind teilungsunfreudigste, hartnäckigste „Ich halte mein Spielzeug ganz fest“- Kind.

3. Was das gute Vorbild angeht: Kleine Kinder haben leider selten die Gelegenheit, uns Erwachsene beim vorbildlichen Teilen zu beobachten. Wann streiten wir uns schon einmal mit jemandem um etwas und lösen den Konflikt dann versöhnlich? „Nein, das ist meins, gib das her!“ – „Nein, ICH will das Buch jetzt haben!“ „Na gut, nimm Du es. Ich verzichte freiwillig.“ 🙂 ) Also bei uns kommt so etwas höchst selten vor.

4. Was hilft (1): Von allen Sachen mehrere haben. Also besser drei gleiche Schaufeln und Förmchen kaufen, so dass auch fremde Kinder sich etwas nehmen können (das gibt nämlich viel seltener Streit). Lieber zwei gleiche und nur diese zwei oder drei als mehrere verschiedene anschaffen. Wirklich – das erspart Konflikte. So ist das bei der Kleinkindgruppe in unserem Kindergarten: Es gibt von allem so viele Exemplare, wie Kinder in der Gruppe sind. Es gibt nicht viele Spielsachen (draußen oft gar keine), aber wenn, dann sinnvolle. Und von jedem Spielzeugtyp gibt es genügend für alle. Denn unsere Erzieherinnen sagen zu Recht, dass Kinder unter drei noch nicht teilen können müssen. Wer nicht in Berlin Zentrum oder anderen Großstädten wohnt, wo man auf Spielplätze angewiesen ist, wo immer jemand Buddelzeug dabei hat: Einfach gar nichts auf den Spielplatz mitnehmen.

Wie reagiert man nun am besten auf Spielplatz-Konflikte?

Die Faustregel lautet: Wenn möglich, nicht eingreifen, sondern die Kinder das allein regeln lassen. Auch wenn sie noch klein sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn die Eltern sich einig sind und nicht reagieren, lösen sich Schaufel-Streits oft nach kurzer Zeit von selbst auf. Eines der Kinder siegt und oft akzeptiert das andere das dann, ohne gleich in Geschrei auszubrechen. Ja, es kann natürlich sein, dass die Schaufel oder der Buggy sich dann erstmal irgendwo anders hinbewegt und Ihr später die Runde machen und alles einsammeln müsst. Nur wenn ernsthafte Verletzungsgefahr bei einem der Kinder besteht, sollte man eingreifen. Vornehmlich nur beim eigenen Kind, zumindest wenn das Elter des anderen Kindes in Reichweite ist (und das ist ja fast immer der Fall). Das eigene Kind trösten und mit einfachen, lieben Worten Verständnis signalisieren: „Du möchtest Deine Schaufel gern behalten. Der Junge will sie auch haben. Das ist schwierig, nicht?“ Wir Erwachsenen sollten nicht gleich eine Lösung vorschlagen, oft reicht es aus, die Situation klar zu machen, also die Gefühle des Kindes zu verbalisieren.

Wenn Ihr die Traute habt, könnt Ihr auch zum fremden Jungen sagen: „Das ist Mias Schaufel und sie möchte sie gern behalten.“ Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das Kind Euch anschauen und sich dann trollen. Wenn es zu seiner Mami läuft und „petzt“, ist das völlig OK. Auch das fremde Kind ist noch klein und wahrscheinlich jetzt eingeschüchtert. Wenn seine Mami dann tatsächlich zu Euch kommt und um Erklärung bittet (was äußerst unwahrscheinlich ist), erzählt ihr die Handy-Geschichte, und macht freundlich klar, dass Ihr es OK findet, wenn Euer Kind mit zwei, drei, vier Jahren noch nicht teilen kann. Ja, es gehört etwas Mut dazu, aber das sind wir unseren Kindern schuldig. Ich habe die Handy-Geschichte einige Male auf dem Spielplatz erzählt und die Eltern haben immer amüsiert zugehört, gestutzt und mir dann herzlich und überrascht zugestimmt.

Also, Leute: Entspannt Euch und lasst Eure Kinder ihre Sachen lieben und festhalten! Kümmert Euch nicht um Euer eigenes Spielplatz-Image. Steht lieber Euren Kindern bei und vertraut darauf, dass sie das Teilen irgendwann lernen. Denn das tun sie. Bestimmt!

So, und jetzt bitte als soziale Menschen diesen Artikel teilen, denn ich finde, der immer gleiche Papa-Claus-Sermon sollte auf unseren Spielplätzen seltener zu hören sein.

Stimmt Ihr zu?

 

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24 Kommentare, RSS

  1. Julia 6. April 2016 @ 17:57

    Volle Zustimmung von meiner Seite! Die armen Eltern, die glauben, ihre Kleinkinder wärem ja so unsozial und gemein, weil sie sich ihre Spielsachen zurückholen!

    Jetzt hilf mir aber mal: Was mach ich auf der anderen Seite? Wenn mein Kind mit einem Spielzeug von jemand anderem spielt und das andere Kind sein Spielzeug zurückholt. Meine Tochter ist dann ja die, die nicht versteht, dass das Spielzeug, das sie sich ausgesucht hat, prinzipiell nicht ihr gehört. Aber gerade empfindet sie es ja als ihren Besitz. Das andere Kind kennt das Spielzeug ja aber als sein Eigentum. Hm… Naja, nicht einmischen oder ablenken ist wohl auch da die Devise…

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 6. April 2016 @ 18:00

      Ja, ich würde sagen, am besten warten und beobachten. Wirklich sehr oft lösen die Kinder das selbst und erstaunlich oft ohne Geschrei, wenn man sie lässt. Nur leider kommt es zu diesem Lassen nicht so oft, weil meist irgendwelche Eltern zu früh einschreiten. Es juckt ja auch, sich einzumischen… ich finde das Ganze auch nicht immer einfach, aber meine Erfahrung ist wirklich: Erstmal abwarten, meist löst es sich schneller als man denken würde.

  2. Isa 7. April 2016 @ 7:44

    Ein ganz toller Artikel, mit so viel alltäglicher Wahrheit! Und die Anekdote mit Claus ist so lustig . Musste ich glatt teilen!
    Liebe Grüße
    Isa von Lari Lara

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 7. April 2016 @ 8:35

      Danke, liebe Isa! Das freut mich! Ich kannte Lari Lara noch gar nicht – ab jetzt werde ich sicher öfter vorbeischauen! Ich plane gerade etwas zum Thema, warum es so schwierig ist, Regelmäßigkeit in den Alltag zu bekommen (Stichworte Rhythmus und Rituale…), da werde ich sicher auf Deine Sammlung von Alltagserzählungen verweisen. Deine Facebook-Seite wird auch erstmal geliked!

  3. Claudia 7. April 2016 @ 23:09

    Soll ich mich nun einmischen oder nicht? Ich finde du widersprichst dich! Ein klares „stop „ist ja totales einmischen!
    Ich denke gerade mit Geschwistern muss man teilen lernen , auch vor 3 Jahren! Ich kann zwar 5x sandspielzeug haben, aber eben keine 5 SSchaukeln im Garten haben…
    Außerdem versteht meine 2jährige sehr deutlich, dass erst einer damit spielt und dann der andere! Meine Töchter 2 und 4 Jahre teilen sehr liebevoll und ohne das ich ständig meckern muss. Da wir von Anfang alles teilen ist es auch selbstverständlich für sie, da müssen nicht ständig Tränen fließen!
    Das SSchulalter ist eindeutig zu spät um es zu lernen! Es sei denn sie sind nie von anderen Kindern umgeben…und ich muss Ihnen zeigen wie es geht! Ich setzte Grenze!!!

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 8. April 2016 @ 9:41

      Hallo Claudia, ich finde, man sollte sich möglichst nie einmischen. Besonders aber finde ich, dass wir eben auf der Seite unserer Kinder bleiben sollten und sie nicht zum Teilen drängen sollten, obwohl das vom Alter her gar nicht angemessen ist. Einmischen dann, wenn Verletzungsgefahr droht. Außerdem dann, wenn Du findest, Dein Kind soll anderen nichts wegreißen. Das ist Ermessenssache und hat mit dem persönlichen Erziehungsstil zu tun. „Wenn Du nicht möchtest, dass Dein Kind anderen die Sachen wegreißt (die dem anderen Kind gehören!), dann ist es Deine Aufgabe, das deutlich zu machen.“ Es ist etwas anderes, ob man von seinem kleinen Kind verlangt zu teilen und seinen Kram herzugeben (wie Claus es tut und unzählige andere Eltern) oder ob man seinem Kind klar macht, dass es anderen nichts wegreißen soll. Man lässt sein Kind ja auch nicht andere Kinder beißen, sondern schreitet ein (wenn möglich). Ich versuche immer, nicht einzuschreiten, weil die Kleinen das wirklich oft selbst lösen. Aber ich kann Eltern nachvollziehen, die nicht möchten, dass ihr Kind anderen die Sachen wegreißt. Ich kann aber Eltern nicht verstehen, die ihr Kind tadeln und ermahnen, weil es nicht teilen kann, und dann auch noch fremden Kindern die Sachen des eigenen Kindes in die Hand drücken. Ich hoffe, ich habe mich nun etwas klarer ausgedrückt und es klingt nicht mehr wie Widerspruch 🙂

    • Sandra 5. Februar 2017 @ 8:19

      Ich gebe Claudia voll und ganz Recht. Manchmal denke ich, viele trauen ihren Kindern viel zu wenig zu unter drei. Meine Tochter ist 1 1/2 und versteht ohne großes Theater oder irgendwas, das Wort teilen. Sagt es sogar zu anderen Kindern wenn Sie auch mal möchte und wartet bis sie dran ist. Den Beitrag finde ich ehrlich gesagt, ziemlich unfreundlich und engstirnig formuliert. Vielleicht gibt es einfach solche und solche Kleinkinder. Wie es eben auch solche und solche Erwachsenen gibt. Und nicht immer nur EIN richtig oder falsch. Ich kenne sehr viele Familien wo es bestens funktioniert und wenn man Kind erst in der Schule lernt zu teilen ist es eindeutig zu spät!

  4. Claudia 8. April 2016 @ 15:51

    Ja das verstehe ich… trotzdem möchte ich gern fragen wie du es regelst wenn sich deine Kinder (du hast doch 2?!) Um ein Spielzeug streiten und einer pätzen kommt? Da musst du ja was sagen (weil du von ihnen aufgeforderst wurdest), oder? Und automatisch „gewinnt“ einer von beiden… verstehst du wie es das meine ? Mit mehreren Kinder muss man teilen lernen… oder siehst du das anders?

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 8. April 2016 @ 17:55

      Ja, das stimmt, dann muss ich was sagen. Ich habe mir in der letzten Zeit angewöhnt zu sagen: „Ich habe nicht mitbekommen, was passiert ist, deswegen kann ich dazu jetzt nichts sagen.“ (Meine Kinder sind schon etwas größer, nämlich fast 4 und 7, da kann man schon anders reden). Denn gerade bei Geschwisterstreits geht es oft darum, zu wem Mama hält. Wenn man einmal damit anfängt, kommt man nicht mehr raus und wird immer angegangen. Mein Artikel hatte eher die typische Szene auf dem Spielplatz zum Thema, wo immer vorschnell die Eltern einschreiten. Zu Geschwisterstreit schreibe ich vielleicht auch bald mal einen Artikel, aber ich muss zugeben, da fühle ich mich auch manchmal nicht so kompetent 🙂

  5. Shivi 8. April 2016 @ 17:44

    Hei
    Unser Junior wird diesen Sommer 2 und ist ein Einzelkind. Er beschützt sein eigenes Spielzeug sehr gut 😀 und teilt auch nicht so gerne. wenn ihn jemand fragt ob er auch mit seinem spielzeug spielen darf sagt er automatisch sofort nein. wenn er allerdings sieht das das andere Kind kein Spielzeug mit gibt er dem kind auch was ab.Wenn er nein sagt ist das für mich auch okay, ich würde auch nicht jeden mit meinem spielzeug spielen lassen 😉 ich denke von daher schon das man auch vor dem dritten Lebensjahr lernen kann was teilen heisst .

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 8. April 2016 @ 17:50

      Ich würde sagen, dann gehört Dein Junge eher zu den Ausnahmekindern 🙂 Wie schön! Die meisten Kinder, denen man auf unseren Spielplätzen begegnet, teilen nicht so bereitwillig — bzw. bevor sie es vielleicht tun würden, schreiten ja oft schon die Eltern ein 🙂

  6. Nicole 16. April 2016 @ 22:27

    Mir hat besonders die Geschichte mit dem Handy gefallen, das veranschaulicht das Teilen-Problem doch sehr gut.
    Bei dem „Kinder sollen das allein regeln“ kann ich Dir aber nicht zustimmen. Meine große Tochter (3 Jahre) ist eher schüchtern und vorsichtig mit anderen Kindern. Wenn sie von anderen Kindern (älter/jünger) bzgl. ihrer Sachen bedrängt wird, kämpft sie nicht um ihre Sachen und ist dann ganz verzweifelt, wenn ihr die Sachen einfach weggenommen werden. Mit „alleine regeln“ ist da nicht viel zu holen. Das muss ich schon im Blick behalten und dann halt entsprechend Töchterchen unterstützen bzw. vermitteln.
    Meine Spielplatzbeobachtungen haben bisher gezeigt, dass bei „alleine regeln lassen“ die Stärkeren sich immer durchsetzen und die Schwächeren das Nachsehen haben.
    Wird Töchterchen allerdings gefragt, dann teilt sie ganz gern.

  7. Johanna Havran 28. April 2016 @ 11:57

    Hallo Maike, vielen Dank für den Artikel, den ich gerne teile! Ein großes Thema, das für viele Konflikte zwischen den Eltern sorgen kann, und auch dafür, dass sich plötzlich Eltern (die vorher Freunde waren) vielleicht weniger verstehen, während der Streit bei den Kindern schon vergessen ist 😉 Vielleicht schafft es dein Artikel ja, die Sicht aus Kinderaugen ein bisschen mehr zu verbreiten und so manche Situationen zu entspannen 🙂 Ich würde es mir wünschen. Viele liebe Grüße, Johanna

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 28. April 2016 @ 12:52

      Danke, Johanna! Ich habe es auch schon erlebt, dass sich die Stimmung zwischen Erwachsenen abgekühlt hat wegen der Teilen-Geschichte… ja, hoffen wir, dass hier ganz langsam ein neues Bewusstsein entsteht! Liebe Grüße!

  8. Pingback / Trackback

    13. Juni 2016 @ 12:22 Antworten

  9. johannes 18. August 2016 @ 11:55

    die im Artikel beschrieben Perspektive ist symptomatisch für Ein-Kind-Eltern, wie ich sie auch immer wieder auf den Spielplätzen erlebe. Das eigene Kind ist das einzigartige Schneeflöckchen, dass um jeden Preis vor der achso bösen Welt und den sozialen Gepflogenheiten derselbigen beschützt werden muss. Und das natürlich auch immer mit einer fetten Brieftasche im Hintergrund (der Tipp sich alles Spielzeug doppelt und dreifach zu kaufen kann doch nur von einer PrinzessinMutter oder einem PrinzVater kommen. Was nützt die fairgehandelte Latte und der Ökokinderwagen, wenn das billig Plastespielzeug dreimal gekauft wird?!)

    Mal ernsthaft. Jede*r der*die mit Geschwistern aufgewachsen ist oder mehr als ein Kind Zuhause hat, weiß, dass Kinder sehr wohl unter drei auch schon teilen können und oft auch wollen. Natürlich plädiere ich nicht dafür ständig über den Kindern zu kreisen und ihnen ihr Spielzeug wegzunehmen um es anderen Kindern zu geben. Aber U3-Jährige sind definitiv in der Lage das Konzept „Teilen“ zu verstehen und damit zu leben. Auch mein 2 Jähriger zu Hause fordert sehr häufig das „Teilen“ ein, das heißt, er hat schon eine sehr konkrete Vorstellung davon und weiß auch die Vorteile durchaus zu schätzen.

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 18. August 2016 @ 18:15

      Danke für Deinen Kommentar! Sicher, es gibt Kinder, die auch unter vier, fünf schon teilen können. Und Du hast recht: Geschwister sind im teilen besser als „Erstlinge“ oder Einzelkinder. Die Einzelkinder häufen sich ja auch tatsächlich in unserer Gesellschaft.

  10. Tanja 2. Januar 2017 @ 20:26

    Hallo!
    Wau vielen Dank – bin grad durch Zufall auf deinen Beitrag gestoßen… ich und mein Mäuschen haben derzeit genau dieses Problem… sie verteidigt ihre Spielsachen wie eine Löwin … ja leider sie schreit dann plötzlich auf … fúr mich als Mama der reinste Horror den anderen Mamas gegenúber und am liebsten würde ich im Boden versinken… durch den Beitrag seh ich es mir etwas anderen Augen. Danke

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 3. Januar 2017 @ 0:54

      Liebe Tanja, vielen Dank! Ja, es ist manchmal nicht leicht, das völlig menschliche Verhalten der Kinder auszuhalten, wenn es nicht den „erwachsenen Sozialnormen“ entspricht. Und: Unsere Welt ist kompliziert und komplex geworden. Einfach manchmal zu viel für die Kinder (und für uns)! Viel Kraft, dass Du Deinem Kind beistehst und es nicht für das Verhalten verurteilst!

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 5. Februar 2017 @ 17:34

      Danke, Claudia, für Deinen Beitrag! Es ist toll, dass Dein Kind das Teilen versteht und ja, das gibt es natürlich auch. Aber die meisten Eltern erleben doch das, was in dem Artikel beschrieben ist, nämlich dass kleine Kinder unter drei es nicht begreifen. Es ist auch nicht unfreundlich gemeint, sondern nimmt die Kinder in Schutz, die bestimmte Dinge in jungen Jahren noch nicht können müssen (und das müssen sie wirklich nicht!). Wenn Deine Tochter das Teilen so gut versteht, dann ist das wunderbar!

  11. Miriam 13. September 2017 @ 18:26

    Jetzt muss ich doch fragen und bitte fasst es nicht als Kritik auf… ich möchte dieses Thema für mich einfach von mehreren Seiten beleuchten und auf Nicole Beitrag wurde leider nicht reagiert… habe einen jungen in der Nachbarschaft der wenn er bei uns ist einfach alles in Beschlag nimmt und meine definitiv kleinere und schwächere Tochter hat das Nachsehen.. . Die Mutter des j6ngen vertritt allerdings die Ansicht er muss nicht teilen… er will aber trotzdem mit den Sachen meiner Tochter spielen und hört nicht wirklich wenn er erklärt bekommt warum er dies zu unterlassen hat… naja das Ende ist immer gleich meine Tochter steht verängstigt neben mit und traut sich gar nichts mehr… wie soll ich denn darauf reagieren denn nach meiner Beobachtung läuft dieser erziehungsstil oft sehr einseitig

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 13. September 2017 @ 19:36

      Oh, das ist natürlich schon ein anderer Fall. Natürlich soll nicht ein Kind ständig benachteiligt werden und das Nachsehen haben. Ich schrieb ja auch, es ist OK, wenn es andere Kinder nicht stört. Wenn Bedürfnisse und Gefühle von anderen missachtet werden, dann muss man schon eingreifen und versuchen zu vermitteln. Z.B. dem Jungen sagen, „Schau mal, Lena ist ganz traurig, dass Du ihr alles wegnimmst. Sie möchte auch etwas zum Spielen haben.“ Also ihm aufzeigen, wie es dem Mädchen geht. Und mal schauen, wie er darauf reagiert. Vielleicht fällt ihm ja etwas ein. Wenn man ihm sagt:“Gib Lena ihr Spielzeug wieder!“ fällt es ihm sicher schwer, das umzusetzen, aber wenn Ihr ihm aufzeigt, dass es Lena nicht gut damit geht, könnte es je nach Alter sein, dass er ihr dann wieder etwas zurück gibt. Wenn es dauerhaft schwierig für die Kleinere ist, und sich wirklich nichts ändert, würde ich entweder alle Spielsachen wegtun, wenn er kommt (ja, echt!), oder mit den Kindern raus gehen. Ganz ehrlich? Ich würde dann auch der Mutter sagen, dass das für Euch echt schwierig und stressig ist, und ob sie eine Idee hat, wie man die Situation lösen kann. Wenn sie nicht versteht, dass das für Deine Kleine echt schwer ist, dann würde ich darüber nachdenken, ob Du sie wirklich gern treffen willst. Bei Erwachsenen ist es gar nicht so anders als mit Kindern – wenn man ihnen freundlich aufzeigt, dass das schwierig/verletztend/traurig für einen selbst oder das eigene Kind ist, würden doch wohl alle versuchen, eine andere Lösung zu finden. Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen und die eine oder andere Anregung geben.

  12. Miriam 13. September 2017 @ 20:14

    Find ich super wie schnell die Antwort gekommen ist ich vermute einfach das Konzept ist an sich echt super aber muss auf jedes Kind angepasst werden denn in diesem Fall muss ich echt sagen läuft das eher in eine aggressive mir doch egal ob es anderen passt schiene…. vielleicht ist es keine schlechte Idee Spielzeug komplett weg zu räumen… macht wirklich Sinn danke für die Idee ich werde es ausprobieren … mit der Mama hab ich ja gerne Kontakt zumal wir den erziehungsstil des anderen stehen lassen können und lediglich Erfahrungen austauschen… was in einer Gesellschaft in der jeder denkt immer im recht zu sein echt schön ist

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