Warum man kleinen Kindern „Danke“ und „Bitte“ nicht beibringen muss

„Wie sagt man?“ oder „Sag‘ Danke!“ ermahnen viele Eltern ihr Kind, wenn es etwas von einem Erwachsenen bekommen hat. Warum man das nicht muss, ja warum das sogar kontraproduktiv ist, heute im Blog:

Viele Eltern meinen, ihre Kinder müssten von klein auf lernen, Danke und Bitte zu sagen. Die typische Situation, erst letzte Woche erlebt: Wir brachten einem vierjährigen Kind ein verspätetes Geburtstagsgeschenk mit, und das Kind nahm das Geschenk direkt im Flur freudig an sich. Es strahlte über beide Ohren und fing an Ort und Stelle an, auszupacken. Ich freute mich über die Freude des Kindes.

„Halt, Süße,“ sagte da die Mutter des Kindes und nahm dem Kind das halb ausgepackte Geschenk weg. „Wie sagt man da?“ Das Strahlen des Kindes erstarb, es guckte auf das weggenommene Geschenk. „Man sagt Danke!“ raunte die Mutter laut hörbar. „Danke,“ flüsterte das Kind, aber schaute dabei nicht mich, sondern die Wand an. Das Kind wirkte verschämt. Die Mutter war aber offensichtlich zufrieden und strich dem Kind über den Kopf. „Jetzt darfst Du auspacken,“ sagte sie und gab dem Kind das Geschenk wieder. Das Kind fuhr fort, das Geschenk auszupacken, aber sein freudiges Strahlen war dahin. Und es vermied meinen Blick. Ou Mann.

Viele Eltern sind der Auffassung, man könnte Kinder „zu Höflichkeit erziehen“, wenn man sie in Situationen wie diesen durch Aufforderungen und Ermahnungen „beibringt“, Danke und Bitte zu sagen. Dies ist aber leider nicht der Fall. Ich erkläre Euch das Dilemma heute aus verschiedenen Perspektiven: der Kommunikationswissenschaft, der Neurologie und der Pädagogik. Ich habe u.a. Kommunikationswissenschaften studiert und mich im Rahmen dieses Studiums, und später auch in andere Zusammenhängen wie z.B. der Akademie für Kindermedien, damit beschäftigt, wie sich die Kommunikationsfähigkeit und das Vermögen, Informationen zu verarbeiten (also kurz: das Lernen), ab Geburt bis ins Jugendalter hinein entwickeln. Diese Fähigkeiten hängen eng mit der Entwicklung des Gehirns zusammen.

Eine Danke-Mutter ist eine gute Mutter

Auch ich mag es, wenn man sich bei mir bedankt. Ich weiß auch, dass ein aus dem Herzen kommendes Danke einen Gebenden wirklich erfreut. Aber ich habe beobachtet, dass kleine Kinder oft nur aus einem ganz perfiden Grund zum Danke- und Bitte-Sagen aufgefordert werden: wegen dem befürchteten bösen Stempel durch den Danke-Mechanismus, wie ich ihn nenne. Was besagt dieser Mechanismus? Die „Gesellschaft“ meint, an der Art, wie Eltern mit dem Danke- und Bitte-Sagen umgehen, ablesen zu können, ob die Eltern „als Eltern einen guten Job machen“ oder nicht. Wenn Eltern darauf achten, dass ihre Kinder artig Danke und Bitte sagen, dann ist alles gut, dann gehören sie dazu, und sie gelten grundsätzlich als gute Eltern. Egal was sie sonst so tun. Und umgekehrt ist es genau so: Wenn Eltern es ihrem Kind „durchgehen lassen“, dass es sich nicht artig bedankt, sind alle irritiert. Diese Eltern werden sofort innerlich abgestempelt, auch wenn das natürlich nicht ausgesprochen wird:  „Die erzieht ihre Kinder nicht richtig“, „Der ist ja antiautoritär“, „Öko“, „Rabenmutter“, „inkonsequent“, „nachlässig“, und so weiterEgal wie sich die Eltern sonst verhalten und was sie sonst so tun. Leider ist der Danke-Mechanismus extrem weit verbreitet und ganz tief in uns verankert. Es ist extrem schwer, sich davon zu befreien

Diese unausgesprochenen Stempel bezüglich des Danke- und Bitte-Verhaltens, die sicher alle Eltern kennen, sind ungeheuer wirksam und mächtig. Wir können den Mechanismus in entsprechenden Situationen fast körperlich spüren. Auch ich, die ich von dem, was ich in diesem Artikel schreibe, vollkommen überzeugt bin, falle der Macht des Mechanismus manchmal anheim. Dann fordere sogar ich – wie fremdgesteuert und gegen besseres Wissen und Gewissen – meine Kinder auf, danke zu sagen. Und ärgere mich hinterher.

Aber Butter bei die Fische: Warum soll man ein kleines Kind nicht ermahnen, Danke und Bitte zu sagen, warum ist das kontraproduktiv?

Es gibt darauf Antworten aus mehreren Perspektiven:
1. Weil es rein gar nichts bringt (kommunikationswissenschaftliche bzw. neurologische Perspektive)
2. Weil es das Kind demütigt und in seiner Authentizität schwächt (Perspektive der Menschenwürde)
3. Weil damit oft eine widersprüchliche und damit sinn-entleerte Botschaft verbunden ist (kommunikationspsychologische Perspektive)
3. Weil es andere Wege gibt, die viel erfolgsversprechender sind (pädagogische Perspektive)

Kommunikationswissenschaftliche bzw. neurologische Perspektive: Warum Ermahnen nichts bringt

Viele Erwachsene stellen sich das Lernen von guten Gewohnheiten offensichtlich so vor: Wenn Mama  in den entsprechenden Situationen immer darauf hinweist, dass „man jetzt aber danke sagt“, wird das Kind sich irgendwann in ähnlichen Momenten daran erinnern und entsprechend handeln. Man muss es eben nur oft genug sagen! Aber so läuft das leider nicht. Bis ungefähr zum 6. Lebensjahr können Kinder nur sehr eingeschränkt rational denken und handeln, das heißt Zusammenhänge und Situationen bewusst wahrnehmen, einordnen und planen. Kindergartenkinder, aber noch stärker Kleinkinder unter 4 Jahren, handeln ohne nachzudenken. Wir Erwachsenen nehmen zuerst wahr, dann fühlen wir, denken nach und schließlich handeln dann – zumindest können wir es. Bei kleinen Kindern ist es genau umgekehrt: Zuerst handeln sie, dann fühlen sie und danach kommt eine eventuelle Erkenntnis. Und das ist absolut richtig und natürlich so. Aber die Erkenntnis ist bei Kleinkindern nicht rational-planerisch, also im Sinne von „Ah so! Beim nächsten Geschenk muss ich danke sagen!“, sondern gefühlsmäßig: „Wenn ich nicht tue, was Mama gefällt, bin ich falsch und sie mag mich nicht.“ Das ist es, was beim Kleinkind hängen bleibt. Und eines funktioniert ganz sicher NICHT: Dass bei der nächsten Geschenke-Situation mit Oma die Alarm-Glocke schrillt und dem Kind mitteilt: „Jetzt musst Du Dich aber bedanken!“ Denn solche Muster sind fürs Kleinkind neuronal nicht vorgesehen.

Belehren ist kontraproduktiv und verletzt die Würde des Kindes

Das „Beibringen“, das Darauf-Hinweisen, Erklären, Ermahnen und Belehren bringt nicht nur rein gar nichts, sondern ist sogar kontraproduktiv. Kurz: Es richtet mehr Schaden als Nutzen an. Denn wenn wir unser Kind ermahnen, das heißt in seinem authentischen Fühlen erst unterbrechen, dann kritisieren und verunsichern, demütigen wir es und geben seinem Selbstwertgefühl einen Knick. „Ich bin falsch, und Mama hat mich nicht lieb.“ Viele Kinder lassen es sich traurigerweise nicht anmerken, wenn sie sich gedemütigt fühlen. Weil sie es schon gewöhnt sind, zurechtgewiesen zu werden, und die „Ich tu so, als machte es mir nichts aus“-Haltung verinnerlicht haben, um sich selbst zu schützen. Nicht nur kleine Kinder, diese aber besonders, fühlen sich zu Recht beschämt, wenn ihre Eltern sie vor anderen zurechtweisen. Auch, wenn die Rüge in „freundlichem Ton“ vorgebracht wird.

Und damit sind wir an einem weiteren schwierigen Punkt:

„Freundliches Dahinhauchen“ von Ermahnungen ist un-authentisch. Und kontraproduktiv noch dazu.

In meinem Umkreis gibt es eigentlich nur Eltern, die Ermahnungen und Zurechtweisungen „liebevoll dahinhauchen“ oder zumindest möglichst in einem „bemüht freundlichen Ton“ aussprechen – weil sie eigentlich ihr Kind nicht zurechtweisen wollen, schon gar nicht vor anderen. Lasst Euch gesagt sein: Das ist fast noch schlimmer als eine klare Rüge. Es ist vor allem noch weniger effektiv: Ihr sendet damit nämlich eine widersprüchliche Botschaft aus. Denn Ihr ärgert Euch doch offensichtlich, dass Euer Kind nicht danke gesagt hat. Dann seid bitte nicht feige und teilt das Eurem Kind auch so mit, und tut nicht so, als sei es „eigentlich gar nicht so schlimm“. Durch dahingesäuselte Rügen nehmt Ihr Eurem Anliegen die Ernsthaftigkeit – Ihr vermittelt Eurem Kind: Eigentlich ist es mir gar nicht ernst damit. Wenn Ihr nicht klar und deutlich sein könnt, sondern lieblich und säuselig mit Eurem Kind bleiben wollt, müsst Ihr Euch fragen: Ist es mir tatsächlich ernst mit meinem Anliegen? Wenn es Euch gar nicht so wichtig ist, ist vielleicht nur der oben beschriebene Danke-Mechanismus aktiv – Ihr befürchtet vielleicht nur den Stempel. Aber dann braucht Ihr Euer Kind auch nicht unnötig zu kritisieren. Dann haltet Euch lieber zurück und bleibt bei Eurem Kind, anstatt den anderen Erwachsenen (der Schwiegermutter, der eigenen Mutter, Tante Hertha, der Super-Mom aus dem Kindergarten…) zu gefallen.

Wie es besser geht: Kinder lernen Dankbarkeit und Danke-Sagen durch Nachahmung

Voraussetzung für echte Höflichkeit ist eine wertschätzende, respektvolle und dankbare Grundhaltung anderen und dem Leben gegenüber. Solche Grundhaltungen kann man einem Kind nicht „beibringen“, jedenfalls nicht durch Belehren oder Moralisieren. Man kann solche Grundhaltungen nur vorleben. Das Kind wird sowieso alle Eure Grundhaltungen übernehmen, die guten wie die schlechten. Wenn Ihr also Wert darauf legt, dass Eure Kinder dankbar und liebevoll mit anderen umgehen, müsst Ihr ihnen Dankbarkeit und liebevollen Umgang mit anderen vorleben, jeden Tag und im Kleinen. Ein Kind ist von Grund an dankbar und kooperativ. Das könnt Ihr durch positives Vorleben bestärken und fördern, vor allem dadurch, dass Ihr Euer Kind dankbar und liebevoll behandelt. Natürlich könnt Ihr seine gute Grundhaltung auch durch Ermahnungen und Belehrungen zerstören.

Wenn es Euch darauf ankommt, dass Eure Kinder wortwörtlich Danke sagen, wenn sie etwas geschenkt bekommen, dann müsst Ihr noch bewusster und aktiver sein im Vorleben. Kinder lernen Danke- und Bitte-Sagen allein dadurch, dass sie mitbekommen, wie wir uns in bestimmten Situationen mit dem Wort „Danke!“ bedanken oder um etwas bitten. Das heißt: Je öfter wir vor unseren Kindern in authentischen Situationen danke und bitte sagen, desto schneller und nachhaltiger wird unser Kind es lernen. Und noch besser lernen sie es, wenn wir uns oft, oft, oft bei ihnen selbst bedanken. Zum Beispiel dann, wenn unser Kind uns etwas in die Hand gibt, wenn es uns etwas reicht, wenn es uns etwas schenkt, oder wenn es uns bei etwas hilft. So wie kleine Kinder Sprache allein durch direkte, sinnvolle Interaktion lernen, also indem sie ganz konkret selbst die Bedeutung der Worte erfahren, so lernen sie auch das Danke- und Bitte-Sagen am besten dadurch, dass sie so oft wie möglich erfahren, wie sich jemand bei ihnen bedankt.

Aber denkt daran: wenn Ihr wollt, dass Euer Kind die so genannten „Zauberworte“ ausspricht, dann müsst auch Ihr sie auch vor ihm aussprechen: „Danke!“ und „Bitte“, nicht nur „Das ist aber schön!“ oder „Da freue ich mich aber!“

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans aber doch!

Eins ist zu 100% sicher: Auch wenn ein kleines Kind nicht von sich aus „Danke“ und „Bitte“ sagt, wird es das als älteres Kind, Jugendlicher oder allerspätestens als Erwachsener trotzdem noch lernen können. Jedenfalls dann, wenn es höfliche Erwachsene um sich herum hat, die ihm respektvoll begegnen und sich authentisch bei ihm bedanken. Wenn es selbst erfährt, dass es sich über ein authentisches Danke freut, dann wird es seinen Mitmenschen diese Freude auch machen wollen.

Gesellschaftliche Konventionen können Kinder erst ab dem fortgeschrittenen Grundschulalter (also ab 8, 9 oder 10) wirklich verstehen und aktiv umsetzen. In diesem Alter kann es eventuell Sinn machen (und ist auch nicht mehr so schädlich), das Kind gelegentlich darauf hinzuweisen, dass andere Menschen wie z.B. die Oma sich über ein Danke freuen, falls das Kind sich noch nicht von sich aus bedankt.

Der Beweis, dass es funktioniert

Hier kommt mein Beweis, dass das Ermahnen nichts bringt, das Vorleben aber durchaus Früchte trägt:

Ich bemühe mich seit einigen Jahren, dem Danke-Mechanismus standzuhalten und meine Kinder nicht zum Danke-Sagen zu ermahnen. Wenn ich es mir einmal doch nicht verkneifen kann (was ab und zu vorkommt, arrrgh), flüstere ich es meinem Kind möglichst unauffällig ins Ohr, so dass es zwischen mir und meinem Kind bleibt und das Kind nicht unnötig beschämt wird.

Außerdem bedanke ich mich so oft wie möglich bei meinen Kindern, natürlich ganz besonders, wenn sie mir etwas schenken oder abgeben. Dies ist, soweit meine persönliche Erfahrung reicht, der beste, menschenwürdigste, authentischste (und nebenbei auch der effektivste) Weg.

Beweis gefällig? Nun, ich habe zumindest ein Beispiel. In meinem nahen Umfeld gibt es ein Kind, das seit allerjüngstem Alter aufgefordert wurde, danke zu sagen – bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit. Ich treffe das Kind, das jetzt fast sechs Jahre alt ist, häufiger, und ich habe ihm schon sehr oft etwas gegeben, gereicht oder geschenkt. Aber das Kind hat zu mir noch nicht ein einziges Mal unaufgefordert Danke oder Bitte gesagt. Ich finde das überhaupt nicht schlimm, weil ich weiß, dass es absolut normal ist. Im Gegenteil, mir bricht es manchmal das Herz, wenn das Kind nach der Aufforderung durch Mutter oder Vater in kaum wahrnehmbarer Tonlage und ohne mir in die Augen zu sehen beschämt „Danke“ piepst. Für mich ist die Freude dann dahin. Mir wäre es lieber, das Kind dürfte sich einfach über das, was ich ihm gegeben habe, freuen. Das wäre mir Dank genug. Und auch, wenn es sich nicht freut – so what? Ein authentisches Kind ist mir allemal lieber als ein gedrilltes. Auf ein Danke, das nur nach Aufforderung der Eltern über die Lippen kam, kann ich verzichten.

Und wisst Ihr was? Meine Kinder wiederum sagen schon seit Jahren unaufgefordert Danke. Nicht immer und in allen Situationen, in denen wir Erwachsenen Danke sagen oder ein Danke erwarten würden, beileibe nicht. Aber sie tun es manchmal, sie tun es unaufgefordert und vor allem, wenn sie selbst es wollen und fühlen. Und das ist mir tausendmal mehr wert als ein nach außen hin höfliches Kind. Dafür lebe ich gern ab und zu mit einem Stempel als „Rabenmutter“.

Fazit

Hört auf, Eure Kinder zum Danke- und Bitte-Sagen zu ermahnen, auch wenn Ihr Angst vor einem bösen Stempel habt. Es bringt nichts, ist sogar schädlich. Macht Euch locker! Entspannt Euch! Seid selbst dankbar und wertschätzend Euren Kindern gegenüber, und macht Euren Kindern so oft wie möglich vor, wie man authentisch Danke und Bitte sagt. Dann lernen sie es ganz von selbst und vielleicht früher, als Ihr denkt.

Ihr wollt doch lieber ein authentisches, selbstsicheres als ein gedrilltes, beschämtes Kind!

Wenn Ihr dankbar für diesen Artikel seid, dann freue ich mich, wenn Ihr ihn teilt!

Meinungen und Erfahrungen gern in die Kommentare.

 

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11 Kommentare, RSS

  1. Maria 21. Januar 2017 @ 20:42

    Dieser Mechanismus ergibt genauso viel Sinn für ein Kind, wie die Aussage „Das macht man nicht!“. Ich sehe es so wie Du. Vorleben ist das Zauberwort. Was authentisch ist, was das Kind selbst erlebt, das kann es auch in sein Leben übernehmen. Denn nur dann weiss es, dass auch „funktioniert“, was es da beigebracht bekommt. Ich finde auch, dass man sich nur bedanken sollte, wenn man sich freut. Dieses erzwungene Danke ist unehrlich, unauthentisch und bauchpinselt dem Gebenden. Dieser wäre dann wiederum nicht veranlasst, sich weiter damit auseinander zu setzen, wie man dem Beschenkten wirklich eine Freude hätte machen können (wenn man sich zum Schenken veranlasst fühlt).

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 21. Januar 2017 @ 21:22

      Liebe Maria, danke für Deinen Beitrag! Ja, genau so ist es. Du fasst es nochmal ganz schön in Worte. Und ja, genau: Letztendlich geht es vor allem um Authentizität. Es gibt aber auch viele Menschen, denen das nicht so wichtig ist. Ihnen ist wichtiger, dass die Kinder „höflich“ sind, also „funktionieren“ und sich anpassen. Schön, dass Du da auch auf der anderen Seite stehst!

      • Maria 22. Januar 2017 @ 10:42

        Respekt schläft Höflichkeit, meiner Meinung nach. Wenn man das mal weiter spinnt: Einer Bitte muss nicht Folge geleistet werden, eine Bitte ist nicht verbindlich. Wenn ich also alles als Bitte formuliere, wie gut funktioniert dann noch die Welt? Dazu kommt, dass es „in“ ist dem Kind das „ich will“ abzutrainieren. Kinder dürfen nicht wollen, nur möchte und mit bitte am Ende…
        Hm. Ich glaub, zu dem Thema muss ich selbst was schreiben *Gedanken sortieren geh* 😉

        • Maria 22. Januar 2017 @ 12:37

          Schlägt, meinte ich natürlich.

          • Maike Cölle

            Maike Cölle 22. Januar 2017 @ 21:35

            Liebe Maria, ja, gerade das „Bitte“ und das Abtrainieren von „Ich will“ birgt auch viel Nachdankenswertes, da stimme ich Dir zu. Hinsichtlich „ich will/ Ich möchte“ wird gern das Beispiel gebracht, was antworten diese Kinder später in der Kirche, wenn sie gefragt werden, „Willst Du, Sebastian, Anna Katharina zur Frau nehmen?“ „Ich möchte“. 🙂

          • Maria 26. Januar 2017 @ 9:13

            Nicht nur in der Kirche, im Standesamt genauso, da wird auch mit „Ja, ich will geantwortet“ 😉
            Ich denke da aber auch an ganz andere Situationen, wie in der Schule oder auch gegenüber Erwachsenen, die Grenzen überschreiten? Mit „Ich möchte bitte nicht…“ kommt man da nicht wirklich weit (und wenn sich diese Kinder dann auch nie wehren, nie laut und aggressiv sein durften…kann man sich selbst ausmalen).

  2. Pingback / Trackback

    26. Januar 2017 @ 14:37 Antworten

  3. Hanne 31. Januar 2017 @ 11:29

    Ach, danke, das untermauert mein Gefühl. Ich finde es immer so blöd und situationsunterbrechend, wenn man ein Kind darauf hinweisen muss und genau das beschreibst du ja so schön. Das Kind wird aus seiner Freude herausgeholt hinein in den Zwang, etwas zu tun (=zu sagen), das es nicht versteht. Und ja, es ist schön ein authentisches Danke zu bekommen, aber als reine Höflichkeitsfloskel? Ganz ehrlich, wenn ich meinen Mann bitte, mir etwas herüberzureichen sage ich im Alltag eben auch nicht immer danke. Wenn es keine/kaum Mühe gemacht hat und im Alltag selbstverständlich ist, klingt das auch mal aufgesetzt. Von Kindern wird es aber oft auch in solchen Sitationen erwartet.
    Was anderes zum Thema eine bestimme Äußerung zu fordern: Meine Zweijährige sagt mir oft nicht „tschüss“, wenn ich sie bei der Tagesmutter lasse. Sie vertieft sich sofort ins Spiel, das weiß ich, aber ich finde es doof, so ganz ohne Verabschiedung zu gehen. Ich bitte sie dann immer: „Sag mir kurz tschüss oder winke kurz, dann kannst du gleich weiter spielen.“ Manchmal klappt das und sie wedelt wenigstens kurz mit der Hand nach mir, aber manchmal auch nicht. Ich habe ihr sogar mal gesagt, dass ich mich so blöd fühle, wenn sie mir gar nicht tschüss sagt, aber das war dann auch irgendwie doof, ich kann ihr ja nicht die Verantwortung für meine Gefühle zuschieben. Aber auch, wenn der Papa morgens geht und sie nicht reagiert, bitte ich sie: „Sagst du auch tschüss?“ Da klappt es meistens. Was sagst du dazu? Kann ich das einfordern? Oder ist das auch nicht richtig, weil ihr ja in dem Moment offensichtlich nicht nach Verabschieden ist? Andererseits hat die Tagesmutter mal gesagt, dass die Kleine an den Tagen, wo ich sie überhaupt nicht zum Verabschieden überreden konnte, mich dann nach einiger Zeit nochmal vermisst. Es ist eben auch ein irgendwie wichtiges Ritual… Was meinst du?

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 1. Februar 2017 @ 17:08

      Liebe Hanne, ui, ja, das ist eine interessante Frage. Ich finde es OK, dass Du das Tschüss von Deiner Tochter einforderst. Denn auch Deine Gefühle haben Bedeutung — auch wenn das jetzt vielleicht nicht logisch klingt, wenn man an das denkt, was ich zu Bitte und Danke geschrieben habe. Ich denke aber, dass ein verabschiedungs-Ritual zwischen Euch Euch beiden hilft, auch wenn sie es in dem Moment nicht so stark wahrnimmt. Dann weiß sie, Du bist weg. Das ist ein wichtiger Moment. Viel wichtiger als Danke und eben nicht nur eine Floskel. Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen! Euch alles Gute!

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