Wir werden plastikfrei Teil 1: Die Küche

Wir wollen unseren Haushalt schrittweise plastikfrei machen. Als erstes haben wir uns die Küche vorgenommen:

Unsere Familie hat sich kürzlich entschieden, dass wir keinen Plastikmüll mehr produzieren und kein Plastik mehr kaufen wollen. Ihr aufgeklärten Kunden von Hans Natur wisst natürlich, warum „plastikfrei“ mehr als ein Trend ist:

  • Gesundheit: In vielen Kunststoffen sind gesundheitsschädliche Stoffe (Weichmacher, BPA,…) enthalten, die gerade für Kinder und Babys zum teil hohe Risiken für Allergien und andere Erkrankungen bergen.
  • Umweltschutz: Plastik ist ökologisch eine Katastrophe. Die Ozeane und die Natur sind voller Plastikmüll, der auch in vielen Jahrhunderten nicht abgebaut werden wird. Auch der deutsche Müll aus dem Gelben Sack wird zum Teil nicht recycelt. Sondern verbrannt (!! ja, wirklich!) oder in ärmere Länder verkauft, die damit manchmal nicht besonders verantwortungsbewusst umgehen. So landet auch deutscher Plastikmüll in den Weltmeeren!
  • Die einzig wirklich sinnvolle Lösung lautet darum: Plastik vermeiden und/oder plastikfreie Produkte verwenden.
30 Schraubgläser und Flaschen aus Glas auf dem Küchentisch - für eine plastikfreie Küche
Ein erster Schritt in Richtung „Plastikmüll-freie Küche“ ist das Sammeln von Schraubgläsern und -flaschen verschiedener Größe.

Aber Millionen anderer Haushalte produzieren doch gewissenlos Tonnen von Plastikmüll!

Natürlich ist es frustrierend, wenn man bedenkt, wie viele Menschen gewissenlos konsumieren und Müll produzieren, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Ich habe aber drei schlagkräftige Argumente, warum wir es trotzdem tun.

  1. „Ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein kann der Anfang eines großen Regens sein.“ Dieses Sprichwort sagt alles!
  2. So wie unsere Eltern unsere Großeltern in den 1970er Jahren gefragt haben: „Wie standet Ihr zu den Nazis? Was habt Ihr getan?“, so werden unsere Kinder uns einmal fragen, was wir zu einem der größten Probleme unserer Zeit, dem Klimawandel und der Umweltverschmutzung, getan haben. Ich möchte meinen Kindern guten Gewissens antworten können: „Ich habe alles unternommen, was in meiner Macht stand.“
  3. Gute Beispiele wirken! In meiner Online-Blase und im nahen Umfeld gibt es einige Menschen, die nach den Prinzipien von „Zero waste“ leben. Da ich das eine Weile beobachtet habe, konnte ich die „althergebrachte“ Lebensweise irgendwann nicht mehr vor mir selbst verantworten. Auf mich haben die guten Beispiele definitiv gewirkt, und ich hoffe, dass auch ich wieder andere Menschen anstecken kann – vielleicht hier? Vielleicht einen von Euch? Ich bin sicher: Je öfter man davon hört, dass „plastikfrei“ oder „Zero Waste“ gelebt wird, desto eher wird es normal und steckt andere Menschen an.

Ich möchte nicht missionieren, aber ein gutes Beispiel sein und ein gutes Gewissen behalten.

Vorhandenes Plastik nicht wegwerfen

Natürlich sind wir nicht durch die Schränke gegangen und haben alles weggeworfen, was aus Plastik ist. Denn es wäre ja vollkommen sinnfrei, wenn wir bereits vorhandene Plastik-Gegenstände wegwerfen würden, um sie durch neue Gegenstände zu ersetzen, die zwar aus natürlichen Materialien bestehen, aber trotzdem bei ihrer Herstellung Ressourcen und Energie verbraucht haben. Deswegen gilt: Was wir bereits haben, wird nicht weggeworfen, sondern so lange benutzt, bis es auseinanderfällt. Auch wenn es aus Plastik ist. Und auch, wenn es ästhetisch nicht mehr unseren Vorstellungen entspricht. Denn was für die Umwelt zählt, ist das:

  • Nicht unnötig Ressourcen verschwenden.
  • Keinen Plastik-Müll produzieren.
  • So wenig Plastik wie möglich neu kaufen.

Wer sich von diesen drei Sätzen leiten lässt, tut schon sehr viel!

Wie wir in der Küche Plastik-Müll vermeiden:

Bienenwachstücher

Statt Plastik- oder Alufolie verwenden wir Bienenwachstücher. Wir haben unsere selbst gemacht (Link führt zur Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Herstellung von Bienenwachstüchern). Wachstücher halten belegte Brote und andere Snacks frisch. Auch kann man mit ihnen Gefäße mit Essensresten abdecken.

Bienenwachstücher mit bunten Punkten, um Sandwich gewickelt und als Abdeckung von Schüsseln. Für eine plastikfreie Küche.
Mit Bienenwachstüchern lassen sich Plastik- und Alufolie ersetzen.

Plastikfreie Brotdosen und Trinkflaschen

Statt Plastik-Brotdosen verwenden wir Boxen aus natürlich nachwachsenden Rohstoffen.

Bunte plastikfreie nana Brotdosen aus natürlich nachwachsenden Rohstoffen, mit Obstsalat, Tortilla und Rohkost gefüllt. Günstig erhältlich bei Hans Natur.
Wir benutzen für Kindergarten, Schul und Picknicks die schönen nana-Brotdosen aus natürlich nachwachsenden Rohstoffen mit Trennstegen in schönen Farben.

Statt Getränkeflaschen aus Plastik verwenden wir langlebige Flaschen aus Glas oder Metall:

Küchenschrank mit Küchenhandtüchern, plastikfreien Brotdosen, Trinkflaschen aus Glas und Metall und zusammen gelegte Bienenwachstücher
Wir verwenden am liebsten die EMIL-Trinkflaschen zum Anziehen, die es in vielen verschiedenen Designs gibt. Unten links liegen unsere gefalteten Bienenwachstücher in verschiedenen Größen, unten rechts die nana-Brotdosen aus natürlich nachwachsenden Rohstoffen.

Fertig Abgepacktes vermeiden

Wir kaufen seit einer Weile anders ein und vermeiden fertig Abgepacktes. An den Frischetheken lassen wir möglichst in eigene Behälter abfüllen oder in Wachstücher einwickeln (z.B. Käse oder Wurst). Auch wenn manche Frischetheken aus hygienischen Gründen zögern oder den umweltfreundlichen Service verweigern, versuchen wir es beharrlich und freundlich weiter. Nur Mut! Im letzten halben Jahr (seit Gretas Klimastreiks, würde ich sagen!) waren die Reaktionen viel aufgeschlossener und positiver.

Küchenschrank mit Lebensmitteln in Schraubgläsern, mit beschrifteten Etiketten (Pinienkerne, Amaranth, Rosinen, Mandeln, Kürbiskerne, Cranberries,.....) für eine plastikfreie Küche
Blick in unseren Küchenschrank: Bei uns wird alles in eigene Behälter gefüllt und möglichst im Unverpackt-Laden eingekauft.

Plastikfrei einkaufen in Unverpackt-Läden

Regal im Unverpackt-Laden mit Gläsern mit Trockenfrüchten
In Unverpackt-Läden kann man alle Produkte in Gläser abfüllen. Man bringt die Gefäße mit oder bekommt sie im Laden.

Wenn nur irgend möglich, kaufen wir in Unverpackt-Läden ein (Link führt zu einer Liste aller deutschen Unverpackt-Läden, alphabetisch nach Städten geordnet). In einigen Unverpackt-Läden kann man auch bestellen. In vielen größeren Städten gibt es schon solche Läden. In Unverpackt-Läden bekommt man man viele Produkte plastik- und/oder verpackungsfrei, von Reis bis Gewürze. Einfach mal hingehen und/oder die Websites anschauen! Unser Unverpackt-Laden liegt nicht auf unseren alltäglichen Wegen und ist etwas weiter entfernt als unsere nächsten Supermärkte und Bioläden. Aber wir nehmen den Umweg in Kauf. „Der Sache wegen“.

Regal im Unverpackt-Laden mit Gläsern mit Gewürzen (30 Gläser in 3 Reihen)
Auch Gewürze kann man plastikfrei im Unverpackt-Laden abfüllen. Sogar Süßigkeiten wie Schokolade und Fruchtgummi gibt es dort unverpackt!

Fortschrittliche Supermärkte nutzen

Was wir nicht im Unverpackt-Laden bekommen, kaufen wir möglichst in Läden ein, die an den Frischetheken auf Papier statt Plastik setzen, oder bringen auch dort eigene Gefäße mit. Einige deutsche Supermärkte haben bereits auf umweltfreundliche Verpackungen umgestellt.

Eigene Tüten und Beutel mitbringen

Obst und Gemüse füllen wir beim Einkauf in Papiertüten ab oder bringen unsere eigenen Beutel mit.

Plastikfrei nach Hause gehen

Wo Plastikverpackungen nicht zu vermeiden sind, lassen wir das Plastik im Laden und füllen das Gekaufte nach dem Bezahlen in eigene Behälter um (Nudeln, Reis, Süßigkeiten,…). Supermärkte sind gesetzlich verpflichtet, Verpackungen zurück zu nehmen und zu recyceln. Je mehr Menschen das in Anspruch nehmen, umso eher stellen Supermärkte auf nachhaltige Produkte um!

Die Handtasche „plastikfrei“ packen

In die Handtasche immer Plastikfrei-Einkaufs-Utensilien packen, um beim Spontan-Einkauf vorbereitet zu sein: Wachstücher, Stofftaschen verschiedener Größe, eigene Glasgefäße oder andere Behälter, außerdem natürlich der wiederverwendbare Coffee-to-go-Becher, sowie Löffel und Gabel, ggf. Eislöffel.

2 Eislöffel und 2 Kuchengabeln auf Holztisch
Ich habe immer Eislöffel und Omas Kuchengabeln in der Handtasche, damit wir bei spontanen Unterwegs-Snacks kein (neues) Plastikbesteck verwenden müssen.

Plastikfreie Spül-Utensilien

Konventionelle Schwämme und Lappen bestehen oft aus Kunststoff und werden zu gefährlichem Mikroplastik. Ebenso gut spült es sich mit natürlichen Spülutensilien wie Schwämmen, Bürsten und Lappen aus Naturmaterialien.

plastikfreie Spülutensilien aus natürlichen Materialien (Gemüsebürste, Spülschwamm aus Luft, Topfkratzer aus Hanf, Topfbürste) am Spülbecken
Unsere plastikfreien Spül-Utensilien. Die bekommt man in Bioläden und Unverpackt-Läden.

Spülmittel zum Nachfüllen

Statt Spülmittel in 500ml-Plastikflaschen Dosierspender und möglichst große Nachfüllpacks verwenden. In Bioläden gibt es Spülmittel wenigstens in Liter-Nachfüllbeuteln. In Unverpackt-Läden kann man Spülmittel in seine eigenen Gefäße abfüllen.

Plastikfreier Dosierspender und Schraubglas mit Spülmittel aus dem Unverpackt-Laden an der Küchenspüle
Unverpackt gekauftes Spülmittel und Dosierspender für den Gebrauch.

Schräge und schöne Erfahrungen

Bei unseren Bemühungen haben wir auch absurde Erfahrungen gemacht:

  • Besonders krass: In einem Laden nahm man bereitwillig unser eigenes Gefäß entgegen und füllte das Gewünschte darin ab. Dann aber (ich traute kaum meinen Augen!) wurde unser Gefäß in eine Plastiktüte gesteckt (!!), an der dann der Bon befestigt wurde. Ich konnte gar nicht so schnell reagieren, wie das geschah. Unfassbar! Es dauerte einige Minuten Erklärung, bis die Verkäuferin verstand, dass es uns mit den eigenen Behältern eigentlich darum ging, plastikfrei einzukaufen…
  • Als wir zum ersten Mal an der Frischetheke eines Feinkostladens um die Ecke unser Glasgefäß rüberreichten, um Auberginenpaste hineinfüllen zu lassen, runzelte die Verkäuferin die Stirn und sagte, es sei ihnen vom Chef verboten worden, in eigene Behälter abzufüllen. Bis vor Kurzem hätten sie das noch getan, aber ein Kunde habe nach der Abfüllung in eigene Behälter den Laden angezeigt. Der Laden musste dann „wegen Hygiene“ 2500 Euro Strafe zahlen. Seitdem würden sie nicht mehr in eigene Behälter abfüllen.
  • In den Supermärkten erlebten wir zuerst auch manchmal Abwehr und Kopfschütteln, je nach Verkäufer*in. Freundlichkeit und Beharrlichkeit haben sich aber ausgezahlt! Meine Erfahrung: Auch wenn man mehrmals Kopfschütteln erntet, lohnt es sich, dranzubleiben und immer wieder freundlich nachzufragen.
  • Auf Wochenmärkten und in den Bioläden haben wir bezüglich eigener Tüten und Behälter fast immer positive Erfahrungen gemacht!

Und nun zu Euch:

  • Könnt Ihr Euch vorstellen, im örtlichen Supermarkt eigene Behälter mitzubringen und den Plastikfrei-Wandel mit anzustoßen?
  • Wir freuen uns über Kommentare und Erfahrungsberichte!

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Diese schlichte gepunktete finde ich hübsch….
Die Tochter wollte dieses Modell mit Einhorn für die Schule haben.
Süß auch die bunten Eulen.
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Ein Kommentar, RSS

  1. Avatar

    Roswitha 29. Juli 2019 @ 18:27

    Liebe Maike,

    toll dein Bericht!
    Wir handeln auch, was in unserer Macht steht wird umgesetzt.
    Ich finde es nur total schade, dass die Bioläden bei uns nach wie vor alles in Plastikverpackungen verkaufen. Es heißt es liegt an den Produzenten, die keine großen Gebinde verkaufen.
    Der Weg ist noch weit…

    Bin wieder immer dabei:) Danke für alle deine Berichte!

    Liebe sonnige Grüße, Roswitha

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