Wunschkaiserschnitt – Ein Thema das polarisiert

Kaiserschnitt während der Geburt

Nahezu jedes dritte Baby in Deutschland wird durch einen Kaiserschnitt, auch Sectio genannt, geboren. Die meisten Kaiserschnitte werden entweder vor der Geburt geplant, weil ein Gesundheitsrisiko für Mutter und/oder Kind besteht oder es entstehen Komplikationen unter der Geburt. Und dann gibt es da noch den Wunschkaiserschnitt, der durchgeführt wird, ohne  medizinischen Grund.

Was ist der Unterschied zwischen einer primären und sekundären Sectio?

Es gibt unterschiedliche Ursachen, warum bereits in der Schwangerschaft, gemeinsam mit dem behandelnden Gynäkologen, entschieden wird, auf eine Spontangeburt zu verzichten und stattdessen einen Kaiserschnitt (primäre Sectio) an einem festgelegten Datum durchzuführen.  Medizinische Gründe wären zum Beispiel eine Querlage des Kindes, ein Geburtsgewicht von über 4500 g bei schmalem Becken der Mutter, Infektionsrisiken und mehr.

Wenn unter der Geburt aufgrund von zum Beispiel einer verschlechterten Herzfrequenz des Babys, sich notfallmäßig zu einem Kaiserschnitt entschieden wird, geht es oftmals sehr schnell. Man spricht hierbei von einer sekundären Sectio. Auf die werdende Mama trudeln unendlich viele Gefühle ein: Enttäuschung, sein Baby nicht „normal“ gebären zu können, Angst und nicht zuletzt auch häufig eine gewisse Ohnmacht, das Gefühl des „Ausgeliefert seins“.

Ärzte beim Kaiserschnitt

Du hast nicht versagt!

Natürlich träumen wir alle davon, eine schöne, harmonische Geburt zu erleben. Wir sind bereit, den Schmerz, der damit verbunden ist, anzunehmen, unser Bestes zu geben – für unser Baby. Neun Monate bereiten wir uns auf das Muttersein vor und somit auch auf die Geburt unseres Kindes. Geburtsängste steigen in uns auf, die wir tapfer weglächeln. Kinder gebären – das machen wir Frauen doch seit hundert Tausenden Jahren und ist ja nun ein ganz natürlicher Vorgang, nicht wahr?

Doch manchmal, da kommt es ganz anders, als frau es sich ausgemalt hat und die Enttäuschung ist groß. Viele frisch gebackene Mütter benötigen  nach dem Kaiserschnitt Zeit, um mit dem Gefühl der Enttäuschung, dass sie nicht spontan entbinden konnten, umgehen zu können. Hadere nicht damit. Erinnere dich an all die schönen Momente während der Schwangerschaft und, vor allen Dingen, an all die wunderbaren Momente, die nun folgen werden. Oder: Ist es nicht das aller Wichtigste, dass es dir und deinem Baby gut geht?

Der Wunschkaiserschnitt – Sicherlich nicht leichtfertig entschieden

Was bewegt Frauen dazu, sich für einen Wunschkaiserschnitt zu entscheiden?  Ist es fair, sich für ein Kind zu entscheiden, aber dann bereits während der Schwangerschaft zu sagen: “Natürliche Geburt? Ohne mich!“? Gehören Kinderwunsch, Schwangerschaft und eine natürliche Geburt nicht zusammen?

Eltern nach dem Kaiserschnitt mit Baby

Für uns ist eines klar: Leicht machen es sich diese Frauen ganz bestimmt nicht. Und oftmals stecken dahinter verständliche Gründe wie ein traumatisches Geburtserlebnis im Vorfeld oder eine immens starke Angst, der Geburtssituation nicht gewachsen zu sein. Und wer hat das Recht, diese Schwangeren zu verurteilen? Niemand.

Sieht man sich in den sozialen Medien um, gibt es unter den wenigen Beiträgen zu Wunschkaiserschnitten nicht selten Verurteilungen bis hin zu absolut unangebrachten Kommentaren. Traurig ist das.

Keine konkreten Zahlen

Was hat eine Frau mit extremen Ängsten davon, zu einer Spontangeburt gedrängt, bzw. überredet zu werden? Predigen wir nicht immer die Selbstbestimmtheit der Frauen, und uns gegenseitig mehr zu unterstützen? Wir müssen nicht alles gut finden. Wir können auch gerne unsere Meinung zum Thema Wunschkaiserschnitt äußern, aber bitte nicht mit spitzen und gemeinen Kommentaren. Fakt ist doch, dass manche werdende Mütter sich heimlich, still und leise für einen Wunschkaiserschnitt entscheiden und es niemandem erzählen mögen, weil sie die Reaktionen der anderen befürchten. Auch nicht gut, oder?

Wie viele Frauen sich tatsächlich für einen Wunschkaiserschnitt entscheiden, ist nicht beziffert. Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Sectio ausschließlich bei einem medizinischen Grund, einer medizinischen Indikation. Wahrscheinlich werden viele Abrechnungen der Wunschkaiserschnitte dann eben mit einer medizinisch begründeten Diagnose bei den Krankenkassen eingereicht.

Für Ärzte und Hebammen eine schwierige Situation

Ärzte und Hebammen versuchen sicherlich der werdenden Mama Mut zu zusprechen, wenn die Angst vor einer Spontangeburt übermächtig scheint. Eine Spontangeburt ist ein schönes Erlebnis, an das man sich sein Leben lang erinnern wird. Gleichwohl birgt eine natürliche Geburt für Mutter und Kind zahlreiche Vorteile. Die Schwangerschaft nimmt bis zur Geburt ihren natürlichen Lauf und das Kind kann sich auf den Weg machen, wenn es soweit ist und wird nicht durch eine OP ins Leben gezerrt. Wenn ein Arzt oder eine Hebamme den Wunsch eines Kaiserschnittes einfach abnicken würden, erweisen Sie dir damit keinen guten Dienst. Häufig lassen sich Geburtsängste durch aufklärende Gespräche mit Arzt und Hebamme mildern. Außerdem sind sie in der Pflicht, dich ausführlich über die möglichen Risiken eines Kaiserschnittes zu informieren.

Baby nach der Geburt

Routine, aber dennoch kein kleiner Eingriff

Der Kaiserschnitt ist die Operation, die in Deutschland am häufigsten durchgeführt wird. Auch wenn es für die operierenden Ärzte ein Routine-Eingriff ist, birgt er, wie jede OP, Risiken für Mutter und Kind.

Die per Kaiserschnitt geborenen Kinder haben oftmals Anpassungsschwierigkeiten. Da der natürliche Weg durch den Geburtskanal nicht durchschritten wird, kommt das Baby nicht mit dem Mikrobiom der Mutter in Berührung und kann hierdurch gegebenenfalls keine gesunde, ausgeglichene Darmflora aufbauen. Zudem haben Kaiserschnitt-Kinder ein erhöhtes Risiko an Allergien, Diabetes und anderem zu erkranken. Mutter und Kind fällt es nach einer natürlichen Entbindung zuweilen leichter, ein inniges Band (Bonding) zu knüpfen. 

Respekt vor den Entscheidungen anderer

Bitte bedenke, man ist nicht automatisch eine bessere Mutter, wenn man sein Kind spontan geboren hat. Wir sollten damit aufhören, unsere Geburtserlebnisse zu vergleichen, wie bei einem Sprint-Wettbewerb, bei dem die Sectio-Mutter höchstens eine Silbermedaille verdient hätte. Für jede Mutter ist die Geburt ihres Kindes ein einschneidendes Erlebnis, ganz gleich wie sie entbunden hat. Von Mama zu Mama – unterstützen und respektieren. Das ist es, was wir sollten!

Bei Dir steht demnächst eine Geburt an oder Du bist auf der Suche nach Informationen zur Vorbereitung, dann kann dir unser Blogbeitrag zur Doula, der Geburtshelferin, vielleicht eine gute Möglichkeit zur Geburtsbegleitung aufzeigen. Schau’ einfach mal rein!

Dieser Beitrag wurde von unserer Kollegin Ellen geschrieben.

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