Zweige zum Barbaratag am 4. Dezember: Was steckt dahinter?

Die Legende der heiligen Barbara ist die Geschichte einer starken Frau. Diese Geschichte und warum wir am 4. Dezember Zweige schneiden und in eine Vase stellen, erzähle ich Euch heute.

In vielen Gegenden Deutschlands und Österreichs ist es am 4. Dezember Brauch, Kirsch- oder andere Obstzweige zu schneiden und sie in eine Vase zu stellen. Wenn man die Zweige regelmäßig unten abschneidet und für frisches Wasser sorgt, blühen die Zweige um Weihnachten herum auf.

Die Legende der heiligen Barbara

Die Wurzeln des christlich inspirierten Brauchs ist die Legende der heiligen Barbara. Erzählt wird die Geschichte von Barbara unter anderem in der Legenda Aurea, einer Sammlung von Beiträgen zu den Kirchenfesten und Lebensgeschichten Heiliger, verfasst von einem Mönch um das Jahr 1264.

Laut Legenda Aurea lebte Barbara Anfang des 4. Jahrhundert in Nikomedia, einer Stadt in Kleinasien, die heute im Gebiet der Türkei liegt und Izmit heißt. Barbara war eine sehr schöne und intelligente Frau, so dass sie viele Verehrer hatte. Ihr Vater jedoch wollte sie vor allen schlechten Einflüssen beschützen. Er war sicher wohlhabend (hier sind sich alle Quellen einig), also war er wahrscheinlich ein Kaufmann oder sogar ein höher gestellter Mann in der Gesellschaft.

Barbara kam als junge Frau in einer jungen Christengruppe mit dem christlichen Glauben in Kontakt und ließ sich von den Worten des Evangeliums überzeugen. Ihr Vater war entsetzt darüber und sperrte sie in einen Turm mit zwei Fenstern. Vordergründig, um sie von ihrem Glauben abzubringen, jedoch, wie manche Quellen behaupten, auch aus Eifersucht und “Schutz” vor männlichen Verehrern. Wer weiß, was für fesche Jünglinge es in der rebellischen Christengruppe gab? Doch Barbara blieb standhaft und bekannte sich weiterhin zu ihrem Glauben.

Eines Tages kehrte der Vater von einer Reise zurück und fand statt zwei drei Fenster im Turm vor. Barbara hatte aus Verehrung der Dreifaltigkeit das zusätzliche Fenster einbauen lassen. Da beschloss ihr Vater, sie zu töten. Barbara konnte jedoch fliehen und versteckte sich in einer Felsspalte, doch sie wurde von einem Hirten verraten. Ihr Vater lieferte sie prompt dem örtlichen römischen Statthalter aus, und sie wurde zum Tode verurteilt. Laut einer Überlieferung blieb Barbara auf dem Weg ins Gefängnis an einem Kirschzweig hängen, nahm diesen mit und stellte ihn in ihrer Zelle in ein Glas.

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Vor ihrer Hinrichtung wurde Barbara übelst gefoltert, um sie zur Abkehr von ihrem christlichen Glauben zu zwingen (Wikipedia kennt hier grausame Details, die man echt nicht wissen möchte).

Doch Barbara blieb ihrem Glauben weiterhin treu. Trotz der schlimmsten Folter starb sie nicht. Halbtot betete sie zu Gott. Daraufhin erschien ein Engel und hüllte sie in ein wunderschönes weißes Gewand. Zum Schluss hackte ihr Vater ihr selbst den Kopf ab. Die Legende besagt, der böse Vater sei kurz darauf vom Blitz getroffen worden. Als man nach ihrem Tod in ihre Gefängniszelle schaute, war der Kirschzweig dort in voller Blüte.

Schutzpatronin vieler Zünfte

Barbara galt immer als eine sehr volksnahe Heilige. Sie gilt auch als Schutzheilige von allerlei Zünften, darunter der Architekten und Baumeister (wegen dem dritten Fenster), der Friseure (wegen der Nähe ihres Namens zum lateinischen Wort für “Bart” = barba), der Feuerwehr und der Goldschmiede (wegen dem Blitz, der ihren Vater niederstreckte), außerdem der Metzger, Köche, Totengräber und Buchhändler. Zudem ist sie nachvollziehbarer Weise die Schutzheilige der Mädchen und der Gefangenen.

Barbara-Brauchtum

Außer dem im ganzen deutschsprachigen Raum verbreiteten Brauch der Barbara-Zweige, die man “morgen”, also am 4. Dezember schneidet und in eine Vase stellt, wird an manchen Orten auch “Barbara-Weizen” ausgesät: Weizen wird in eine Schale mit Wasser gesät, so dass man um Weihnachten eine grüne Wiese erhält (hier beschreibe ich diese Idee als österlichen Brauch, wohin er meiner Meinung nach auch besser passt).

In manchen Gegenden werden der heiligen Barbara Bräuche zugesprochen, die andernorts mit dem heiligen Nikolaus verbunden sind. Im Rheinland stellen die Kinder am 3. Dezember, also am Tag vor dem Barbaratag, Schuhe vor die Tür, die dann mit Süßigkeiten gefüllt werden, wie anderswo am 5. Dezember vor Nikolaus. Beim Bärbeletreiben im Oberallgäu ziehen am Barbaratag als „alte Weiber“ verkleidete Frauen mit Weidenruten durch die Straßen, um Rutenhiebe zu verteilen und Kinder mit Äpfeln und Nüssen zu beschenken.

Regionals Brauchtum hin oder her: Wir schneiden heute oder morgen gern einen Kirsch- oder anderen Zweig (z.B. Apfel, Pflaume oder Forsythie, auch Kastanie) und stellen ihn in eine Vase. Denn es kündet von Hoffnung und Licht und transportiert auch für kleine Kinder sichtbar die Weihnachtsbotschaft, wenn um Weihnachten herum die Blüten aufgehen.

Wer schneidet auch Barbarazweige?

 

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2 Kommentare, RSS

  1. Avatar

    Julia 9. Dezember 2016 @ 10:17

    Eine wirklich schöne Idee für die doch so trüben Wintertage…
    So kann man in der Jahreszeit in der es um Ruhe und Pausieren geht auch zeigen, dass das Leben in der Natur zwar gerade Winterschlaf hält, aber das es auch ganz langsam weiter geht.

    Ich finde es sehr schön, wie du geschrieben hast, dass man damit Licht in die Jahreszeit bringen kann.

    Nächstes Jahr mach ich das bestimmt. Ich hatte schon vor ein paar Tagen davon gelesen und mich nur gefragt, wo ich zu dieser Jahreszeit in Berlin solche Äste herbekomme…

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 9. Dezember 2016 @ 14:11

      Liebe Julia,
      danke für Deinen Kommentar! Obstbaumzweige bekommt man eigentlich gut auf Märkten, z.B. auf dem Kollwitzplatz am Samstag. Liebe Grüße und Dir noch eine schöne Adventszeit! Maike

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