DIY-Anleitungen für Plastikfrei-Utensilien: Abschmink-Pads, Obsttüten, Topfkratzer

Wer weniger Müll produzieren möchte, kann sich aus alter Kleidung und Paketschnur Haushalts- und Einkaufshelfer ganz leicht selbst herstellen. Hier einfache Schritt-für-Schritt-Anleitungen für drei nützliche Zero Waste-Utensilien:

Zero waste” bzw. Vermeidung von Plastikmüll ist dieses Jahr in aller Munde. Mittlerweile hat jeder Mensch erschreckende Bilder von plastikverseuchten Ozeanen und Meeresbewohnern in Plastiktüten gesehen.

Das einzige, was dagegen hilft, ist Plastikvermeidung. Auch hier, bei uns, in Deutschland und Europa. Denn unser Plastikmüll aus dem gelben Sack wird laut NABU leider nur zu etwas 50% recycelt, das heißt in andere, meist minderwertigere Produkte umgewandelt (eigentlich: “Downcycling”). Der Rest wird verbrannt.

Viele Dinge aus Kunststoffen lassen sich durch ökologisch sinnvollere Produkte ersetzen, die man leicht selbst herstellen kann. Hier drei Beispiele:

1. Abschmink-Pads

Warum herkömmliche Wattepads vermeiden?

In Deutschland landen jährlich grob geschätzt etwa 40 Milliarden (!!) Wattepads und rund 290 Millionen Plastikverpackungen der Pads im Müll. Das ist nicht nur wegen der Müllmenge problematisch, sondern auch wegen der umweltschädlichen Herstellung der Pads. Denn Wattepads werden meist aus genmanipulierter, mit Pestiziden gespritzer Baumwolle in Indien hergestellt. Auch kostet die Herstellung sehr viel Wasser und Energie. Vom Transport um die halbe Welt ganz zu schweigen.

Die Alternative zu Wattepads

Waschbare Pads aus abgelegten Sweatshirts

Statt umweltschädlicher Baumwoll-Pads kann man waschbare Pads benutzen. Diese kann man z.B. in Unverpackt-Läden und inzwischen auch in manchen Bio-Läden kaufen. Günstiger und einfacher näht man sich die Pads einfach aus abgelegten Sweatshirts selbst:

Anleitung für waschbare Abschmink-Pads

Du brauchst ein abgelegtes Sweatshirt oder auch eine alte Fleece-Jacke. Abgelegte Sweatshirts oder Fleece-Jacken bekommt man auch für wenig Geld auf Flohmärkten, in Altkleidertüten, Umsonst-Läden oder auch von Freunden mit älteren Kindern. Zum Abschminken eignen sich Stoffe mit ein wenig Struktur, z.B. auch leichte Baumwoll-Strickpullis.

Dann nimmst Du ein möglichst kleines Glas zur Hand, das ungefähr den Umriss eines Wattepads hat, evtl. ein kleines bisschen größer. Du zeichnest mit Hilfe des Glases Kreise auf die linke Seite des Sweatshirt-Stoffes und schneidest die Kreise aus.

Wenn der Stoff eher dünn ist, legst Du den Stoff doppelt und schneidest doppelt aus (beide Lagen mit einem Mal schneiden).

Dann umnähst Du jeden doppelten Kreis einmal rundherum mit der Nähmaschine im langen Zickzackstich. Ich fand es reizvoll, als Garn eine kontrastierende Farbe zu verwenden, hier hellgrün zu Taubenblau.

In einem kleinen Körbchen können die Pads im Bad aufbewahrt werden.
Mit Schleife auch ein hübsches, nachhaltiges Geschenk.

Fertig sind Deine neuen, umweltfreundlichen Abschmink-Pads!

2. Obsttüten aus alten Kleidern

Warum herkömmliche Obsttüten vermeiden?

Weil in Deutschland 2018 mehr als drei Milliarden dünner Plastiktütchen für Obst und Gemüse verbraucht wurden. Das entspricht durchschnittlich 37 Tütchen pro Verbraucher. Der Energieverbrauch bei Herstellung und Verwertung ist beträchtlich, und noch immer landen Millionen der kleinen Tütchen in den Weltmeeren.

Die Alternative

Statt den so genannten “Hemdchenbeuteln” aus Plastik kann man echte dünne Hemdchenbeutel aus alten T-Shirts oder anderen abgelegten Kleidern oder Bettwäsche nähen und sie immer in der Tasche oder im Handschuhfach dabei haben. Sie haben kaum Gewicht und sind deutlich umweltfreundlicher als die herkömmlichen aus Plastik. Sie können vielfach benutzt werden.

Anleitung für Obsttüten aus alten Kleidern

Du brauchst ausrangierte Kleidung/Bettwäsche, eine Nähmaschine und stabile, aber glatte Schnur, z.B. Küchengarn oder schmales Geschenkband. Natürlich gern aufgehobene Reste (Stichwort Recycling).

Du legst das Kleidungsstück oder das Stück Bettwäsche vor Dich hin und zeichnest je nach Größe rechteckige Beutel in Deiner Wunsch-Größe auf, am besten oben ein paar Zentimeter länger als es später sein soll.

Wenn es am Kleidungsstück einen umgenähten Saum gibt wie hier (unten), ist es hilfreich, diesen als Tunnel für das Bindebändchen zu nutzen, dann spart man sich einen fummeligen Arbeitsschritt.

Nun schneidest Du die Rechtecke doppelt liegend aus, d.h. beide Stofflagen des T-Shirts werden zusammen ausgeschnitten. Dann die beiden Stoffstücke auseinander nehmen. Wenn eine Seite schon zusammengenäht ist (wie hier die Außenseiten), nicht aufschneiden. Perfektionisten umranden jetzt jedes Stoffstück mit Zickzackstich, um Ausfransen zu verhindern.

Wer den unteren Saum als Tunnel für die Bindebändchen nutzen möchte wie ich hier, schneidet auf der geschlossenen Seite (auf dem Bild oben der linke untere Rand) den Saum ein.

Wo es keinen umgenähten Saum gibt, näht man den Tunnel folgendermaßen:
Oben an beiden Stücken rechts und links wird jeweils ca. 1-2 cm des Stoffes umgeknickt, aber das Umgeknickte dann nur ganz oben jeweils 4-5 cm lang mit Steppstich festgenäht (siehe Bild).

Hier wird oben an beiden Seiten ein Stück vertikal umgeschlagen und festgenäht (ca. 4-5 cm).

Dann klappt Ihr bei jedem Stoffstück den nun entstandenen, rechts und links um 2 cm festgenähten oberen Rand einmal nach unten um und näht ihn fest. So entsteht bei jedem Stoffstück ein sauberer Tunnel, durch den später Bindebändchen gezogen werden. Dieser Tunnel ist bei denjenigen, die den Saum dafür nutzen, schon da.

Oben ist an beiden Stoffstücken nun einmal horizontal umgeschlagen und festgenäht.

Dann legt Ihr die beiden Stoffstücke rechts auf rechts aufeinander. Das heißt, dabei liegen die beiden “schönen” Seiten des Stoffes aufeinander.

Nun wird das Säckchen entlang der gestrichelten Linie auf meinem Modell rundum mit Steppstich zusammengenäht. Das ist oben in Richtung der bereits zusammengenähten Ränder etwas fummelig, aber dort kann man auch ein kleines Stück offen lassen; das macht nichts.

Nun kann der Beutel gewendet werden, so dass die Nähte innen liegen.

Dann werden mit Hilfe einer Sicherheitsnadel durch die Tunnel in beide Richtungen gegenläufig Bindebändchen gezogen, so dass an jeder der beiden Säckchen-Seiten zwei Bändchen-Enden herausschauen. Die kann man nun noch zusammenknoten. Wenn man jetzt an beiden Bändchen gleichzeitig zieht, zieht sich das Säckchen oben fest zusammen.

Jetzt noch die Bändchen zusammenknoten…
… und zuziehen! Fertig ist eine leichte, praktische Obsttüte!

Diese unterschiedlich großen Obsttüten habe ich jetzt immer in der Handtasche:

Die großen blauen Beutel benutze ich für Äpfel, Birnen, Brötchen usw., die kleineren für Früchte wie Kirschen, Aprikosen, Zwetschgen usw.

3. Topfkratzer aus Jute-Garn

Warum herkömmliche Schwämme und Topfkratzer vermeiden?

Weil Metall noch länger braucht, um in der Umwelt abgebaut zu werden als Plastik. Und weil konventionelle Schwämme auch aus Kunststoffen bestehen, die zu gefährlichem Mikroplastik zerfallen.

Die Alternative

Topfkratzer aus Jutegarn, selbst gehäkelt

Wir verwenden seit Neuestem Topfkratzer aus Jute-Garn, die ich im Nullkommanichts selbst häkle. Jutegarn ist zu 100% organisch und wird leicht abgebaut. Achtung: Man muss darauf achten, dass man ökologisches Jutegarn kauft. Konventionelles Jutegarn ist oft mit so genannten JBOs (Jute Batching Ölen) behandelt, die unangenehm nach Benzin riechen und als krebserregend gelten. Also vor dem Kauf eines Jutegarns unbedingt die Geruchsprobe machen – riecht es nur leicht nach Benzin bzw. Diesel, lasst die Finger davon.

Anleitung Topfkratzer aus Jutegarn

Von einem Knäuel gutem Jutegarn (das nicht nach Benzin riecht!) findet Ihr sowohl das äußere als auch das innere Ende und legt die beiden Enden zusammen, da mit doppeltem Garn gehäkelt wird.

Ihr braucht eine Häkelnadel einer höheren Stärke, also etwa 6 bis 9, je nach Dicke des Garns.

11 Luftmaschen aus doppeltem Garn

Zuerst häkelt Ihr mit dem doppelt gelegten Garn eine Reihe aus 11 Luftmaschen.

Dann werden in die Luftmaschen 5-6 Reihen aus jeweils 10 festen Maschen gehäkelt. Am Ende kann man noch eine Schlaufe aus einfachen Luftmaschen zum Aufhängen häkeln. Die Extra-Luftmasche am Ende jeder Reihe nicht vergessen, sonst wird es schief.

Wir wünschen viel Freude beim Nähen und Häkeln und am Gebrauch der umweltfreundlichen Utensilien!

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