Waldorf-Laterne Teil 2: Falten, Kleben, Schneiden, Einölen

Teil 2 der Bastelanleitung für die Waldorf-Laterne ist hauptsächlich Erwachsenenarbeit: Wir falten, kleben und schneiden, wobei größtmögliche Präzision gefragt ist. Besonders, wenn Ihr Papier der Stärke 200g/m2 verwendet, rate ich Euch deswegen zu Folgendem:

Besorgt Euch für das Falten eine Falzhilfe (das pinke Ding ganz oben im Bild) und ein langes Lineal von 40-50 cm. Ich habe eine Falzhilfe hier zum ersten Mal verwendet, weil der Bastelhändler mir dazu geraten hat, und ich muss zugeben, ich war begeistert. Das dicke Papier von Hand präzise zu falten ist schier unmöglich. Wenn man aber mit der kleinen Kugel vorn an der Falzhilfe und dem Lineal die Falzlinien vorzeichnet, erzielt man sehr präzise Ergebnisse und ärgert sich nicht. Gerade bei origami-ähnlichen Arbeiten wie dieser sind präzise Falzlinien nämlich der Schlüssel zum Gelingen.

HansNatur_Blog_Waldorf-Laterne-Basteln_Teil2_01

Material zum Falten, Kleben und Schneiden

Aber von vorn. Auf dem folgenden Falzschema seht Ihr, wie wir unser gestern bemaltes Papier bearbeiten werden. Alle Bleistiftlinien sind Falz- bzw. Knicklinien:

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Falzschema für Waldorflaterne

Schritt 1: Oberen Rand und Klebekante falten
Als erstes ziehen wir mit der Falzhilfe die Linien für die drei oberen Ränder und die Klebekante links. Dabei reicht für den ersten Falz (Oberer Rand 1) 1 cm, die weiteren beiden (Oberer Rand 2 und 3) sollten wegen der Dicke des Papiers etwa 1,3 bzw. 1,6 cm breit sein. Die Klebekante sollte etwa 1,5 cm breit sein. Dann falten wir den oberen Rand nach innen um. Hier merkt Ihr, wie hilfreich die vorgezogenen Falzlinien sind! Durch diesen Rand bohren wir später den Tragebügel, darum sind wegen der Stabilität drei Lagen hilfreich. Danach falten wir die Klebekante um.

So sieht es nun aus:

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Wichtig: Nun öffnen wir alle diese Falze wieder.

Schritt 2: Quadrate anlegen und falzen. Achtung, Präzision gefragt!
Nun betrachten wir das große Rechteck OHNE den oberen Rand und die Klebekante (siehe Falzschema). Dieses Rechteck wird nun in 4×4, also 16 genau gleich großen Quadrate aufgeteilt, wie im Falzschema zu sehen. Dazu müsst Ihr ein wenig rechnen: Ihr messt Länge und Breite des Quadrats und teilt die Maße durch 4. Dann markiert Ihr auf der weißen Rückseite des Papierbogens an den Rändern des großen Quadrats Punkte im Abstand von genau diesen geviertelten Längen, so dass Ihr mit dem Bleistift die Linien ziehen könnt (oder Ihr nehmt direkt die Falzhilfe). Hier ist genaues Rechnen im Millimeterbereich gefragt. Unterschlagt auch halbe Millimeter nicht! Ich betone ausdrücklich, wer sich hier Mühe gibt und präzise rechnet und zeichnet, hat es später sehr viel leichter!

Dann zeichnet Ihr die Linien mit der Falzhilfe kräftig vor. Ggf. reicht auch der starke Druck eines harten Bleistiftes. Hier ganz sauber arbeiten. Nach dem Vorprägen faltet Ihr die Linien kräftig in beide Richtungen um. Mit der “Spatel-Seite” der Falzhilfe kann man die Knicke schön glätten. Vergesst nicht, in beide Richtungen zu falten, das wird Euch das finale Formen der Laterne sehr erleichtern.

Nun schneidet Ihr das unterste Viertel der Klebekante ab (im Falzschema oben rot schraffiert, links von Boden 1).

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Schritt 3: Diagonalen anlegen und falzen
Nun werden durch die entstandenen Quadrate Diagonalen gezogen, indem man die entsprechenden Ecken der kleinen Quadrate miteinander verbindet (siehe Falzschema). Eventuell vorher mit dem Bleistift auf der weißen Seite anzeichnen, oder gleich mit der Falzhilfe arbeiten. Dabei entstehen längere und kürzere Linien, die jeweils eine Gerade bilden sollten und die genau durch die Ecken der kleinen Quadrate führen sollten. (Hier merkt Ihr, wenn Ihr nicht ganz genau gerechnet oder gezeichnet habt…)

Wenn alle Diagonalen in beiden Richtungen gezogen sind, knickt Ihr sie alle wieder in beide Richtungen um.

Dabei beim Knicken möglichst die Bodenteile aussparen — durch diese müssen keine Diagonalen verlaufen. Es ist aber nicht schlimm, wenn Ihr sie mitknickt.

Schließlich werden die Bodenteile bis zur ersten horizontalen Linie eingeschnitten.

So sieht das Blatt nach getaner Arbeit aus:

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Schritt 4: Zusammenkleben der Laterne

Zuerst wird der obere Rand zusammengeklebt. Erst auf die Rückseite der obersten Randlinie Klebstoff geben, umknicken und fest zusammendrücken. Dann auf die zweite Randlinie Klebstoff geben, umknicken und zusammendrücken. Mit der dritten Randlinde ebenso verfahren. Den Klebstoff etwas trocknen lassen und dabei immer wieder fest zusammendrücken.

Nun auf den seitlichen Kleberand Klebstoff geben, die Laterne in eine viereckige Form bringen und den Kleberand innen fest andrücken. Hier kann man auch doppelseitiges Klebeband verwenden. Dabei die Laterne auf den Tisch legen, so dass sich die Klebestelle gut festdrücken und korrigieren lässt.

Wenn der Klebstoff gut getrocknet ist (dabei immer wieder festdrücken), die Laterne mit den  offenen Bodenteilen nach oben auf den Tisch stellen:

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Jetzt reihum die Bodenteile einknicken und festkleben. Während dem Trocknen immer wieder andrücken.

Schritt 5: Ölen
Nun darf geölt werden! Das können wieder die Kinder übernehmen. Wir ölen die Laterne ein, weil das Öl das Papier transparenter macht und somit das Licht besser durchscheint. In ein kleines Schälchen füllen wir pro Laterne etwa zwei Esslöffel Öl (Speiseöl oder Babyöl). Wer Speiseöl verwendet, kann mit ca. 10-15 Tropfen Aromaöl verfeinern. Ich habe dazu Zitronenöl verwendet; man kann aber jedes beliebige Aromaöl nehmen, z.B. Duftlampen-Öl. Babyöl hat den Vorteil, dass es nicht ranzig wird.

Mit einem Pinsel wird die Laterne nun gut von allen Seiten eingeölt. Dabei muss man nicht mit Öl sparen, das Papier ist dick und nimmt das Öl auf.

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Wenn die Laterne gut rundum eingeölt ist, muss das Öl über Nacht etwas einziehen. Wer kann, schaut zwischendurch, ob sich am Boden Öl gesammelt hat und wischt dies ab.

Herzlichen Glückwunsch: Der schwierigste Teil ist geschafft!

Welche Erfahrungen habt Ihr beim Knicken und Falzen gemacht?

Morgen werden wir die Laterne in Form bringen und den Tragestock montieren. Hier findet Ihr Teil 3 der Anleitung; Teil 1 der Anleitung befindet sich hier.

 

11 Kommentare, RSS

  1. Pingback / Trackback

    5. November 2015 @ 10:44 Antworten

  2. Avatar

    Suralia 22. Oktober 2016 @ 15:21

    Endlich eine Anleitung mit der ich arbeiten kann. Danke dafür.
    ABER: Im Schritt 2 reden sie von Quadraten. Das sind Rechtecke!!!
    Weiter können die vier Spalten auch ganz einfach durch Halbierung und dann noch mal Halbierung gefaltet werden. Wenn man dann nicht drei Zeilen nimmt sondern nur 2 Zeilen. Also 4×2 Rechtecke, dann kann man hier auch wieder halbieren und das ist wirklich einfach und man muss kein bischen rechnen.
    Ich habe das letzte Jahr eine ähnliche Anleitung genommen, allerdings wurde da erst geöt und dann geklebt. Für das Ölen ist das definitiv leichter. Aber ein geöltes Blatt lässt sich ganz schlecht kleben. Die meisten Kleber sind Fettlösend. Vielleicht versuche ich nächstes Jahr erst die Faltlinien zu zeichnen und dann beim ölen den Boden und die Ränder eben auszulassen.

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 22. Oktober 2016 @ 16:13

      Danke, Suralia! Du hast natürlich recht, es sind Rechtecke, keine Quadrate. Und klar kann man auch nur “halbieren”, aber meiner Erfahrung nach wird es dann nicht so präzise, weil Halbieren immer nur so pi mal Daumen ist. Das Kleben habe ich tatsächlich deswegen vor das Ölen gesetzt, weil sich geöltes Papier nicht mehr so gut kleben lässt. Danke für alle Anmerkungen!!!

  3. Pingback / Trackback

    14. November 2016 @ 23:03 Antworten

  4. Avatar

    Maria 14. Oktober 2017 @ 22:42

    Hallo. Ich hatte keine Falthilfe und habe stattdessen die Linien mit einem Lineal und Messer eingeritzt. Das hat auch sehr gut funktioniert.
    Danke für die schöne Anleitung. Es sind tolle Laternen geworden.

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 15. Oktober 2017 @ 9:02

      Vielen Dank! Das ist eine gute Idee!

  5. Avatar

    Nana 28. Oktober 2018 @ 11:16

    Hallo Maike, danke für die Anleitung! Ich habe noch viele alte Aquarellbilder :). Eine Grundsatzfrage habe ich aber… Was ist der Sinn der vielen diagonalen Falze? Letztendlich wird doch eh nur ein Quader zusammen geklebt? Wird das Ganze dadurch stabiler? Irritierte Grüße von Nana

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 29. Oktober 2018 @ 18:49

      Die Falze werden später noch nach außen und innen gedrückt, so dass sich eine ganz zauberhafte Form ergibt – siehe Teil 3! D.h. es bleibt nicht beim Quader. Ich wünsche gutes Gelingen!

  6. Avatar

    Nana 28. Oktober 2018 @ 11:23

    Aaaah! Nun habe ich Teil 3 gefunden :D!
    So sieht es ja gleich ganz anders aus :D!

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 29. Oktober 2018 @ 18:49

      Prima, Du hast Teil 3 gefunden! 🙂

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