Die kinderreiche Familie – das Interview

Kinderreiche Familie – Aufwachsen mit 14 Geschwistern

Björn (47) ist bei HANS NATUR ein hochgeschätzter und liebenswerter wie patenter Kollege. Wenn Björn nicht bei uns das Lager leitet, kümmert er sich um seinen Hof „Fraulundhof“ (und die dazugehörigen Ferienwohnungen), auf dem er und seine Familie leben.  Beim Schreiben des Blogartikels „Plädoyer für kinderreiche Familien“ fiel mir siedend heiß ein, dass Björn ja der ultimative Ansprechpartner in Sachen Großfamilien ist. Der Gute ist nämlich mit 14 Geschwistern aufgewachsen. Björn hat einem Interview zum Thema kinderreiche Familie sofort zugestimmt (1000 Dank dafür, lieber Björn).

„Björn, erzähl doch mal, wie viele Geschwister hast du?

Björn: „Ich habe 14 Geschwister. Wir sind 6 Jungen und 9 Mädchen.“

Und wie habt ihr gewohnt? In einem Haus, in einer Wohnung, ländlich oder städtisch, wie war das bei euch?

Björn: „Sowohl als auch. Wir sind gebürtige Hamburger und haben in einer 100 qm² Wohnung gelebt. Später sind wir dann aber aufs Land gezogen, in ein schönes Haus mit großem Garten.

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Wahrscheinlich hatte ja keiner von euch ein eigenes Kinderzimmer. Wie habt ihr das damals gehandhabt?

Björn: Es waren immer so 3, 4 Kinder in einem Zimmer, getrennt nach Männlein und Weiblein und mal mit Stress, mal ohne Stress, hat aber funktioniert.

30 Jahre Altersabstand

Wie groß ist der Altersabstand zwischen euch Kindern?

Björn: „Also, wir liegen alle so ein, zwei Jahre auseinander. Von der Jüngsten bis zur Ältesten liegen 30 Jahre Unterschied.“

War es dennoch möglich, dass zwischen den ganz jungen und den älteren Geschwistern ein inniges Band entstehen konnte? Oder ist der Altersabstand einfach zu groß?

„Nein, es gibt tatsächlich Geschwister, die sehr, sehr eng miteinander sind, ganz gleich in welchem Alter oder mit welchem Altersunterschied. Es gibt aber auch welche, da ist das Band nicht so eng.“

Ein inniges Band, trotz Altersunterschied

Okay, also eigentlich so, wie bei anderen Geschwister-Konstellationen auch. Ein geringer Altersunterschied ist kein Garant für ein enges Verhältnis zwischen Geschwistern.

Haben eigentlich eure Großeltern bei euch gewohnt oder quasi „um die Ecke“, sodass sie euch unterstützen konnten?

Björn:“ Nein, unsere Eltern haben alles alleine gemacht. Keine Hilfe durch die Großeltern, keine Hilfe durch Institutionen. Die Zeit war anders, eine kinderreiche  Familie wurde noch nicht so unterstützt.

Das heißt, wenn du zurückdenkst, hast du den Eindruck kinderreiche Familien stehen heutzutage besser da als damals?

Björn:  „Das Bild hat sich, denke ich, tatsächlich gewandelt. Heute fängt eine Großfamilie ja meist schon bei 3 Kindern an und haben heute keinen schlechten Ruf mehr. Das Blatt hat sich wirklich gewendet, dass Großfamilien viel, viel mehr akzeptiert werden.

Wer hat dich in deiner Kindheit denn mehr geprägt? Hatten eure Eltern dafür genügend Zeit oder waren es eher deine größeren Geschwister, die dich „miterzogen“ haben?

Björn: „Ich glaube in gleichen Teilen. Natürlich haben meine Eltern ganz, ganz viel Anteil daran, aber es ist unabdingbar, dass in einer Großfamilie die größeren Geschwister die kleineren Geschwister ebenfalls betreuen oder auch die Richtung ein bisschen mit vorgeben. Ich könnte das jetzt gar nicht genau gewichten.“

“Ich habe nie etwas vermisst.”

Heißt das, du hattest als Kind nie den Wunsch, dass deine Eltern mehr Zeit für dich gehabt hätten?

Björn: „ Ich glaube, bei der Anzahl von Kindern haben meine Eltern sehr viel Zeit mit uns verbracht. Gerade in Bezug auf meinen Vater, mit ihm konnte man Pferde stehlen. Überall, wo es machbar war, haben uns meine Eltern alles ermöglicht. Für mich persönlich gibt es nichts, von dem ich sagen würde, ich hab irgendetwas vermisst.

Da war also nie Frust, weil ihr so viele Geschwister wart? Auch nicht im stillen Kämmerlein, wenn du zum Beispiel auf etwas verzichten musstest?

Björn: „Nein! Es gab nichts, wo wir irgendwie „Janker nach“ hatten, nach irgendeinem Luxus oder nach dem, was andere Kinder hatten. Weil: Wir hatten uns und das war doch viel mehr wert! Es hatte halt nicht jeder ein Fahrrad von uns. Wir haben uns einfach eines geteilt oder wir haben uns eines zusammengebaut. Für mich persönlich gab es nichts, sodass ich sagen würde, ich hab etwas vermisst.

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Die Kinder haben sich Fahrräder geteilt oder sich welche zusammen gebaut

Wenn man in so einem großen Haushalt aufwächst, dann nimmt man sicherlich Dinge bewusst und unbewusst mit ins Erwachsenenleben. Was meinst du? Konntest du etwas mitnehmen, was du heute als besonders positiv empfindest?

Björn: „Mitgenommen habe ich vor allen Dingen den Familienzusammenhalt. Das man sich untereinander immer hilft – egal, wie die Konstellation ist oder wenn man gerade Zwist miteinander hat. Das ist ein großer Pluspunkt . Und man lernt unglaublich gut hauszuhalten. Man kann mit wenig ganz viel erreichen. Man sollte sich Ziele stecken und die Dinge, die man sich vornimmt dann auch durchziehen.

Hilfsbereitschaft und volle Akzeptanz für jeden, auch wenn er anders ist – das habe ich auch mitgenommen.

Mobbing?

Gab es in eurer Kindheit dämliche Sprüche, Mobbing durch andere Kinder?

Björn: „Naja, also dämliche Sprüche gibt es immer. Das ist nun mal so. „Haben deine Eltern keine anderen Hobbys?“ oder „Meine Güte, euer Einkaufswagen muss ja immer tierisch voll sein.“ Doch dort, wo wir gelebt haben, war meine Mutter sehr engagiert, zum Beispiel im Elternbeirat und bei anderen Dingen, da hat sich das Mobbing schnell gewandelt. Außerdem hieß es ja auch: „Leg dich besser nicht mit dem an. Der hat noch ein paar Geschwister mehr….“

Haha, hat auch viele Vorteile…. Nun sagst du, dass du rückblickend deine Kindheit sehr genossen hast, dass es dir an nichts gefehlt hat, und dass es für euch eine gute Sache war, das ihr eine kinderreiche Familie ward. Warum hast du dann selber nicht so eine große Familie?

Björn: „Ich habe drei Kinder. Ich denke für den heutigen Schnitt, sind das schon viele Kinder. Das hat eigentlich gar nichts damit zu tun, dass wir nicht viele Kinder wollten, sondern eher damit, dass wir das Gefühl hatten „So ist es gut jetzt. Nun sind wir komplett.“ Mein Leben ist mit meiner Familie richtig erfüllt und vielleicht haben wir auch ein anderes Bewusstsein, dass wir unseren Kindern eine andere Art von Luxus bieten möchten. Aber ganz unabhängig davon, dass ich damals sehr glücklich war: Für uns sind drei Kinder eine wunderschöne Sache.“

Haben deine Eltern einmal erzählt, warum sie sich für so viele Kinder, eine kinderreiche Familie entschieden haben?

Björn: „ Das war bei meinen Eltern von Anfang an ganz klar. Die haben von vorne rein gesagt, als sie sich kennengelernt haben „Wir wollen viele Kinder“. Mein Vater ist ein Einzelkind, aber er hat das immer gehasst. Er konnte sich mit niemandem unterhalten oder spielen. Für die Beiden war von Beginn an klar, sie wollen unbedingt eine große Familie, aber dass es nachher 15 Kinder geworden sind, das haben sie natürlich nicht gedacht, aber das ist dann wohl einfach daraus entstanden.

Vielen, vielen Dank Björn, dass du so offen erzählt hast. Danke für das Gespräch.

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