Gegen den Stubenkoller: Wie man kleine Kinder zum Laufen bringt

Wenn man mit kleinen Kindern einen Osterspaziergang machen möchte, bei dem man nicht alle drei Meter stehenbleiben will, habe ich zwei Tricks, um die Kinder „zum Laufen zu bringen“.

Spazierengehen mit kleinen Kindern bedeutet: Warten.

Normalerweise stellen wir Eltern uns auf die Fähigkeiten und den Rhythmus der Kinder ein, wenn wir rausgehen, nehmen uns viel Zeit, warten, bis das Kind sich die Schnecke angesehen, die Stöcke gesucht und zwanzigmal den Stein rauf- und runtergesprungen ist. Wir wissen, dass Kinder draußen Zeit brauchen, oft stehenbleiben und nehmen uns im Optimalfall gar nicht erst vor, bestimmte Ziele zu erreichen. Wir suchen uns lieber einen schönen Ort in der Natur als Mittelpunkt, an dem die Kinder sich frei bewegen können und selbständig etwas entdecken können.

Warum wir am Ostersonntag die Kinder austricksen

Aber manchmal, zum Beispiel an oder nach Feiertagen, wollen wir Eltern einfach mal eine Strecke zurücklegen und nicht immer nur stehenbleiben und die Asseln unter den modrigen Holzstücken bewundern. Ich bin zwar absolut nicht für Tricks und Manipulationen, um Kinder zu Dingen zu bewegen, die sie nicht von sich aus tun wollen, aber man muss ja nicht immer so streng sein. Ganz besonders dann, wenn Mama und Papa nach Verwandtenbesuchen, viel Kuchen und fleischlastigem Essen Bewegung brauchen, die Kinder aber lieber den dritten Tag in Folge drin bleiben wollen, obwohl sie schon leichte Aggressionen aufgrund von Bewegungsmangel entwickeln. Denn eins ist klar: Wenn kleine Kinder eine, zwei Stunden draußen in der Natur gewesen sind und sich bewegt haben, bekommen sie in der warmen Stube später nicht so schnell den Stubenkoller.

Warum laufen kleine Kinder eigentlich nicht vorwärts?

Kleine Kinder bis etwa vier Jahre können noch nicht zielgerichtet laufen. Ich vermute, das hat damit zu tun, dass in der Menschheitsentwicklung kleine Kinder getragen wurden, wenn die Gruppe sich zielgerichtet vorwärtsbewegte. Die kleinen Kinder waren wahrscheinlich nur dann auf dem Boden, wenn die Gruppe der Erwachsenen eine Pause machte oder zu Hause, also z.B. vor dem Höhleneingang tätig war. Die Kinder bewegten sich dann frei um die Gruppe herum, erkundeten ein wenig die nahe Umgebung und fanden zwischendurch immer wieder zu den Bezugspersonen zurück. Sie verhielten sich sinnvoller Weise so, wie sich kleine Kinder auch heute verhalten, wenn man sie draußen frei lässt. Kleine Kinder bis etwa drei Jahre verstehen nicht, dass man ein Ziel erreichen will. Auch deswegen nicht, weil sie absolut im Hier und Jetzt leben und (noch) keine Pläne schmieden können.

Tragen oder Schieben (im Kinderwagen/Buggy) sind natürlich Lösungen, wenn die Großen mal Strecke machen wollen. Dann bekommen halt die Kinder keine Bewegung. Wenn die Kinder aber älter und schwerer werden und/oder der Weg nicht zum Schieben geeignet ist (Stichworte Matsch, Steigungen oder steiniger Weg), dann müssen sie zumindest Teilstücke laufen. Wenn man wie wir am Ostersonntag zur Quelle oder zu einem anderen schönen Ziel spazieren möchte und vielleicht noch Verwandte dabei sind, die eben auch nicht alle paar Meter stehenbleiben und warten wollen, bis das Kind drölfzig Mal durch die Pfütze gepatscht ist, darf man, wie ich finde, doch gern mal einen dieser schönen Tricks anwenden, die den Kindern Spaß am Laufen machen:

Trick 1: Verlorene Ostereier

Unsere heißeste Idee für einen entspannten Osterspaziergang mit viel Bewegung ist die „nachträgliche Eier-Suche“. So kann man den Kinder richtig Lust auf Gehen und Rennen machen:

Schoko-Ei auf dem Waldboden

Der Osterhase hat Eier verloren…

Wir erzählen unseren Kindern, dass der Osterhase ganz sicher ein paar Eier verloren hat und durch diesen Wald gekommen ist. Um die mitgenommenen Schoko-Eier glaubwürdig zu platzieren, lenken wir die Kinder ab. Papa: „Schaut mal, was in diesem Baumstumpf sitzt!“ (Es ist eine Schnecke.) Während die Kinder neugierig in den Baumstumpf lugen, wirft Mama unbemerkt mit Kraft ein paar kleine Ostereier auf den Weg (in Laufrichtung). Sie kommen einige Meter weiter vorne zu liegen, wo noch keiner war. Wenn man dann weiter geht, kann man die ersten Male die Kinder auf die Eier hinweisen: „Ich seh da vorne was, was ist denn das? Das, was da so rot glitzert? Ist das etwas ein Osterei?“

Sobald die Kinder die ersten Eier gefunden haben, werden sie mit Feuereifer weiter gehen und nach weiteren Eiern Ausschau halten. Tricky ist hier eigentlich nur, sie immer wieder abzulenken, so dass man weitere Eier ausstreuen kann.

Das Kind entdeckt ein Schoko-Ei auf dem Waldweg, das der Osterhase verloren hat…

Geht auch außerhalb der Osterzeit

Natürlich kann man diesen Trick auch außerhalb der Osterzeit anwenden. Dann haben eben die Zwerge oder die Wald-Elfen kleine Schätze für die Kinder ausgelegt.

Auch auf der Wiese hat der Osterhase Eier verloren… Die Jacke der Tochter ist die unnachahmliche Wind- und Wetterjacke von BMS, die jedes Wetter und sogar Minusgrade aushält.

Trick 2: Die Handlungsorte einer Geschichte am Wegesrand finden

Bevor man losgeht, kann man sich den eine Geschichte bzw. ein Märchen ausdenken, das auf dem Spazierweg spielt. Die Kinder bekommen die Aufgabe, die Handlungsorte der Geschichte aufzuspüren (die natürlich während des Spaziergangs live erzählt wird), z.B. den umgeknickten Baum, den krummen Stein, den bemoosten Stamm. Wenn alle Orte gefunden wurden, bekommt das Kind eine kleine Überraschung. Die Orte, die derjenige, der die Geschichte erzählt, natürlich am Wegesrand oder im Gebüsch sieht, werden spontan in die Geschichte eingeflochten. Die Geschichte muss natürlich so gestrickt sein, dass in ihr viele verschiedene Orte in der Natur vorkommen. Unten findet Ihr Tipps, wie man eine gute, spannende Geschichte entwirft. Und ein Beispiel für ein Märchen, das auf einem Wanderweg für dieses Spiel funktioniert.

„Bei einem Stück weißem Birkenstamm auf frischem Moos setzte die Müllerstochter sich nieder.“

Elemente einer guten Geschichte

  • Figurenensemble: Eine sympathische Hauptfigur mit einem Problem, ein Freund/Freundin der Hauptfigur und einen Antagonisten, der das Gegenteil von dem will, was die Hauptfigur will.
  • ein Problem, z.B. es gibt kein Wasser mehr, es ist kein Platz mehr im Haus für den dritten Sohn, es ist kein Geld da, jemand schwebt in Gefahr, jemand ist krank, etwas ist verloren gegangen, es gibt einen unerfüllten Wunsch…
  • einen Konflikt: Im Wald, der zur Quelle führt, haust ein Riese, der dritte Sohn denkt immer nur an andere und nie an sich selbst, deswegen traut ihm niemand was zu, die Steine, die man braucht, sind sehr selten,….
  • ein Ziel: Ganz wichtig! Nur wenn es ein Ziel gibt und es schwer ist, das Ziel zu erreichen, entsteht Spannung. Das Ziel sollte am Anfang klar gemacht werden, z.B. das Verlorene kann an einem bestimmten Ort wieder gefunden werden; um die Krankheit zu heilen, muss eine bestimmte Medizin bei der Hexe geholt werden; um eine neue Wasserader anzustechen, braucht man einen bestimmten heiligen Stock; der König hat demjenigen viel Geld versprochen, der die Prinzessin zum Lachen bringt,…
  • Hindernisse: Hindernisse, die überwunden werden müssen, bringen Spannung und halten die Geschichte in Gang.
  • Bonus-Element: Das unerfüllte Bedürfnis der Hauptfigur. Besonders schön und erfüllend werden Geschichten, wenn die Hauptfigur zusätzlich zu dem ganz konkreten, anfassbaren Problem und Ziel auch ein inneres unerfülltes Bedürfnis hat, z.B. anerkannt zu werden, nicht der „Dummling“ zu sein, Schüchternheit zu überwinden, groß zu werden, ein Zuhause zu finden, gesehen zu werden…. ganz besonders schön ist es, wenn das Erreichen des Ziels wie nebenbei auch dieses unerfüllte Bedürfnis erfüllt, und die einzelnen Stationen der Geschichte hierbei mitwirken.
  • Happy End. Geschichten für Kinder haben eigentlich immer ein Happy End, weil es besonders für kleine Kinder wichtig ist, dass die Welt „gut“ ist.

Beispiel-Geschichte für das Aufspüren von Orten am Spazierweg

Es waren einmal ein Bauer und eine Bäuerin, die hatten eine schöne Tochter/einen schönen Sohn. Der Bauernhof stand einsam mitten zwischen Wald und Feldern.
Hier kann man stärker ausschmücken, wenn man will: wie leben sie, welche Tiere haben sie? Welche Arbeit verrichtet die Tochter/der Sohn regelmäßig? Vielleicht seht Ihr sogar einen Hof, eine Mühle oder eine Burg am Wegesrand, der/die in die Geschichte passt?

Es gab immer viel zu tun auf dem Hof, und alle arbeiteten, bis sie abends zufrieden zu Bett gingen. Doch eines Tages wurde die Mutter krank und musste im Bett liegen.  Zusammen schafften der Vater und die Tochter es kaum, alle Arbeit zu verrichten, und die Mutter wurde immer kränker und schwächer. Da sagte der Bauer zur Tochter: „Wir brauchen Medizin, damit Mutter wieder gesund wird.“
„Aber die weise Frau, die die Medizin hat, wohnt doch Meilen weit im Wald, hinter den sieben Hügeln,“ sagte die Prinzessin.

Hier kann man die Landschaft des Wanderwegs kurz skizzieren: hügelig/langer Weg/über drei Bäche/hinter dem Wasserfall/über drei Berge/durch den tiefen Tannenwald/über die weiten, weiten Wiesen…

„Wir brauchen einen ganzen Tag, bis wir bei der weisen Frau ankommen,“ sagte das Mädchen. „Und wir können doch die Tiere nicht allein lassen.“
„Nun, Du musst eben allein gehen,“ sagte der Bauer. „Du nimmst die guten Schuhe und Brot mit.“
Aber die Tochter hatte Angst, allein durch den Wald zu gehen, denn im Wald wohnte ein Waldschrat, der manche Menschen in Tiere verwandelte, wenn sie allein durch den Wald gingen. Aber sie wollte doch, dass die Mutter gesund würde, und so packte sie ein Bündel mit Brot und Äpfeln und einer Flasche Wasser, verabschiedete sich vom Vater und ging los.

Hier kann man noch einbauen, dass der Vater ihr einen Schutz mitgibt, einen Stein, ein Amulett, einen Ring, den sie berühren soll, wenn sie Kraft und Hilfe braucht, oder wenn sie den Waldschrat trifft.

Als die Bauerstochter ein Stück gegangen war, taten ihr die Füße weh. Sie setzte sich an den Wegesrand an einen umgeknickten Baum, der ihr als gemütliche Rückenlehne diente.

Hier haben wir den ersten Handlungsort, den man beim Spazieren am Wegesrand ausfindig macht und dann spontan an dieser Stelle einflicht. Das kann alles sein, was sich vom Spazierweg aus sehen lässt, ein besonderer Baumstumpf, drei Bäume, die dicht beinander stehen, ein besonders geformter Stein, ein Teppich Anemonen, eventuell sogar eine Bank. Man fordert also das Kind auf, diesen speziellen Ort zu finden, und es hat die erste Aufgabe gelöst.

Die Bauerstochter zog hier ihre Schuhe aus und bemerkte, dass ihre Füße ganz wund waren. Weil sie so müde war, schlief sie erschöpft ein. Aber als sie aufwachte, waren ihre Schuhe fort! Sie begann zu weinen und griff nach ihrem Amulett. Da hörte sie eine Stimme:
„Bauerstochter, Schöne, was ist mit Dir?“
Sie erblickte einen hässlichen alten Zwerg, und sie erschrak.
„Hab keine Angst,“ sagte der Zwerg freundlich, „ich bin nicht der Waldschrat. Ich möchte Dir helfen. Was ist geschehen?“
„Ach Zwerg, jemand hat meine Schuhe genommen, aber ich muss weiter zur weisen Frau, um Medizin für meine kranke Mutter zu holen.“
„Liebe schöne Bauerstochter, ich helfe Dir, wenn Du mir ein Stück von Deinem Brot gibst,“ sagte der Zwerg.
Die Bauerstochter gab dem Zwerg ein Stück Brot. Der Zwerg holte eine Dose hervor und rieb die Füße der Bauerstochter mit einer Salbe ein. Die Füße fühlten sich nun ganz gesund und stark an, und es war der Bauerstochter, als habe sie feste Schuhe an.
„Das ist eine Zaubersalbe,“ sagte der Zwerg, „damit kannst Du sicher barfuß gehen, sogar über Dornen und spitze Steine, ohne Dir weh zu tun und ohne dass es Dir kalt wird.“
Die Bauerstochter dankte dem Zwerg und ging gestärkt weiter.

Und so fährt man fort zu erzählen. An jedem Handlungsort hat die Bauerstochter ein Problem, das gegen ein Stück Brot von dem Zwerg gelöst wird: Ihr ist kalt, sie hat Durst und das Wasser aus ihrer Flasche ist ausgelaufen, sie weiß den Weg nicht mehr, sie hört unheimliche Geräusche, der Waldschrat erscheint und will sie verwandeln, ihr Bündel fällt in einen Bach…. hier fällt Euch je nach Location etwas Passendes ein!

Am Ende hat sie großen Hunger, aber hat alles Brot dem Zwerg gegeben. Sie ist also sehr hungrig und kann nicht mehr weiter. Da erscheint wieder der Zwerg und bittet sie statt um Brot um einen Kuss. Die Bauerstochter hat den hilfreichen Zwerg inzwischen lieb gewonnen und gibt ihm einen Kuss. Da verwandelt sich der Zwerg in einen Mann, der sie bis zur weisen Frau begleitet. Er war natürlich vom Waldschrat in den Zwerg verwandelt worden.

Bei der weisen Frau erhalten sie die heilende Medizin für die Mutter und einen Schutzzauber gegen den Waldschrat, den sie dem Waldschrat entgegenschleudern, so dass dieser sich in einen Baumstumpf oder einen Baum verwandelt (die letzte Location!). Gegen Ende des Spazierweges erzählt man dann das Happy End: Sie gehen gemeinsam wieder nach Hause, die Mutter wird wieder gesund, der Mann heiratet die Bauerstochter, der Bauernhof gedeiht prächtig und sie waren glücklich bis an ihr Lebensende. 🙂

 

Laufen Eure Kinder gern? Und was haltet Ihr von Tricks wird diesen?

 

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