Halloween alternativ Teil II: Ideen für alternatives Halloween auf dem Land und in der Stadt

Wir feiern ein alternatives Halloween, das den Kindern genau so viel Spaß macht und das direkt an die Ursprünge des Festes anknüpft.Wie man alternativ in Stadt und Land feiern kann, darum geht es heute:

Letzte Woche habe ich ja ausführlich über die Ursprünge der hiesigen Spätherbst-Feste geschrieben, die in letzter Zeit vom amerikanisch geprägten Halloween verdrängt wurden. Dabei ist ja zu Tage getreten, dass der eigentliche Ursprung des Festes in der Natur liegt. Die Themen des Festes sind Vergänglichkeit und Tod – eben weil auch das Leben in der Natur sich zurückzieht -, außerdem, dazu passend, die Erinnerung an Verstorbene. Wir haben auch festgestellt, dass es auch hierzulande seit Jahrhunderten wunderschöne spätherbstliche (Ernte-)Bräuche und Traditionen gibt, an die es sich lohnt wieder anzuknüpfen. Auch das aus den USA kommende Halloween ist ja ein Nachfolger europäischer Traditionen. In den letzten Jahrzehnten ist es allerdings zu einem kommerziellen Spaßfest mutiert.

Warum ich Halloween anders feiern möchte

Wir wollen Ende Oktober/Anfang November auch ein Fest feiern. Aber ich möchte nicht, dass meine Kinder sich bei „Süßes oder Saures“ unter der ohnehin nicht ernst gemeinten Androhung von Streichen kiloweise Süßigkeiten erbetteln. Ich halte auch nichts davon, sich billige Gruselkostüme überzuwerfen, ohne dass wirklich eine schaurige Stimmung empfunden wird. Denn dieses Fest ist kein herbstliches Fasching. Und die überall angebotene Plastik-Halloween-Deko ist erst recht nicht mein Ding – übertrieben grinsende Plastikkürbisse vom Billig-Discounter haben für mich nichts mit einer spätherbstlichen Stimmung zu tun.

Deswegen habe ich mir die Mühe gemacht, den Ursprüngen des Festes auf den Grund zu gehen und ein kindgerechtes, stimmungsvolles Fest zu planen. Unser Fest soll einerseits Spaß machen (und darf gern auch ein wenig schaurig sein), und andererseits die Bedeutungen in sich tragen, die das spätherbstliche Fest seit Jahrtausenden hat.

Wie wir Halloween alternativ feiern:

1. Wir feiern auf dem Land

Wer auf dem Land lebt, einen schönen Platz in der Natur oder in einem naturnahen Garten mit Feuerstelle zur Verfügung hat, der sollte dort feiern. Ideen für ein alternatives Halloween in der Stadt (oder gar nur drinnen) siehe unten.

Wir werden am 31. Oktober in unserem Wochenend- und Ferienhaus auf dem Land sein, denn der Tag liegt mitten in den Berliner Herbstferien. Die Umgebung des Landhauses verspricht naturnahe Eindrücke, und das ist mir gerade bei diesem Fest wichtig: Nur draußen und umgeben von zumindest einer Wiese und Bäumen kann man diese besondere, vielleicht sogar leicht schaurige Stimmung fühlen, die das Fest zu dem gemacht hat, was es einmal war.

2. Wir machen uns Rübenlaternen

Letzte Woche habe ich ja schon über den alten Brauch des Rübengeisterns geschrieben (im verlinkten Beitrag etwas runterscrollen), der in Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern als bäuerlicher Erntebrauch eine lange Tradition hat.

Wir werden am Nachmittag, wenn es langsam dunkler wird, Kürbisse aushöhlen und mit Gesichtern versehen. In der Gegend, in der das Landhaus steht, werden keine Rüben angebaut, weil der Boden zu sandig ist. Dafür wachsen direkt auf dem Grundstück viele, viele Kürbisse, die keiner jemals einkochen, geschweige denn frisch essen kann. Für diesen alten Laternenbrauch nimmt man vorzugsweise Feldfrüchte, die günstig erhältlich sind und aus der direkten Umgegend stammen. Bei uns also die Kürbisse.

3. Wir atmen die spätherbstliche Natur

Wenn unsere Rübenlaternen fertig sind, gehen wir in der Dämmerung mit den Rübenlaternen spazieren. Es wird wahrscheinlich kein langer Spaziergang werden, denn die Kürbisse sind ja ganz schön schwer, und die Kinder gruselt es im dunklen Wald. Aber vielleicht gehen wir auf die große Wiese am Haus, die von Wald eingerahmt ist, stellen uns um die Kürbisse auf und versuchen etwas von der dämmerigen Spätherbst-Naturstimmung einzuatmen. Ich hoffe natürlich, dass es etwas neblig ist und wir Nebelgeister erahnen können. Ich will meine Kinder bestimmt nicht erschrecken oder Grusel aussetzen, aber ich möchte, dass sie die Stimmung der spätherbstlichen Natur fühlen, um die es ja bei diesem Fest geht: Die Vergänglichkeit, das Dunkle, das Modrige, das Blattlose, das Leben, das sich wieder ins Innere zurückzieht.

Vielleicht stellen wir uns im Kreis auf, fassen uns an den Händen und schweigen für ein paar Minuten. Danach darf jeder erzählen, was er/sie gehört, gesehen oder gefühlt hat.

4. Wir finden eine Alternative zu „Süßes oder Saures“

Beim Rübenschnitzen lernen wir ein schönes Gedichtlein auswendig, das zur Jahreszeit passt, dichten vielleicht sogar selbst eines, und klopfen nach dem Gang in die Natur mit den Rübenlaternen bei den beiden Nachbars-Familien. Die Kinder sagen ihr Gedichtlein auf oder wir singen gemeinsam ein Lied – und mal sehen, vielleicht bekommen sie ja auch etwas Kleines geschenkt. Ich mag den Ansatz „Wenn Du mir nichts gibst, spiel ich Dir einen Streich!“ nicht. Ich finde es schöner, erst selbst etwas zu geben (einen Spruch, ein Lied) und es ganz offen zu lassen, ob etwas zurück gegeben wird. Das wurde so mit Rübenlaternen auch an manchen Orten in Deutschland seit Jahrhunderten gemacht; also befinden wir uns damit durchaus in einer kulturtypischen Tradition.

5. Wir versammeln uns um ein Feuer

Was wäre ein Spätherbst-Fest ohne Feuer? Wir werden uns an unserer Feuerstelle treffen und die Nachbarn zu Kürbis-Suppe und Stockbrot einladen. Ich will versuchen, statt dem Grillrost einen Topf an das Grill-Gestell zu hängen, in dem die Suppe auf offenem Feuer kochen kann.

Der Papa kann derweil mit den Kindern Stöcke fürs Stockbrot schnitzen.

Unsere Rübenlaternen platzieren wir natürlich um das Feuer herum. Die Kinder beschäftigen sich erfahrungsgemäß am Feuer immer mit Stöcken, die sie ins Feuer halten und abbrennen lassen oder die Funken sprühen lassen.

Gedenken an die Toten

Wer den Allerheiligen/Allerseelen-Aspekt (Gedenken an die Toten oder Ahnen) stärker ins Fest hineinnehmen möchte, kann durchaus auch mit kleinen Kindern auf den Friedhof gehen. Dort könnte man am Grab der Toten etwas bewusster gedenken, z.B. Erinnerungen austauschen: „Ich erinnere mich daran, dass Opa uns abends immer einen Kräutertee gekocht und mit viel Honig gesüßt hat.“ „Ich erinnere mich an Opas Hände.“ „Ich sehe ihn vor mir, wie zufrieden er immer war, wenn er nach dem Mittagessen in seinem Lesesessel die Zeitung gelesen hat.“

Eine solche Gedenkrunde kann man je nach Zusammensetzung der Gruppe auch direkt am Feuer machen. Vielleicht versucht man sogar, von den Erinnerungen kleine Botschaften oder Weisheiten für das eigene Leben abzuleiten. „Opa lehrt mich, dass man Entspannungsmomente genießen sollte.“ „Wenn ich darüber nachdenke, war Opa in seiner Ruhe und mit seinen festen Ritualen ein glücklicher Mensch. Er hat Ruhe und ein leises Glück ausgestrahlt. Das lag sicher an seiner Wertschätzung für die kleinen Dinge des Alltags.“

Ich finde das eine schöne Idee, würde aber solche Gespräche nicht erzwingen, besonders nicht mit Kindern. Aber eventuell ergibt sich ja am Feuer eine Gelegenheit, den Blick und die Aufmerksamkeit auf verstorbene Angehörige zu richten, eventuell sogar auf Generationen, die weiter zurückliegen. Und für esoterisch Angehauchte: Um die Geister der keltischen „Anderswelt“ bzw. die Elementargeister zu besänftigen, reicht es aus, bewusst an die Toten zu denken. Besser noch, man entwickelt aus etwaigem Groll oder ungeklärten Beziehungen beim Gedanken an die Toten eine verzeihende, versöhnende Haltung. Verdrängen hilft nie.

Man könnte mit Kindern auch die Gräber oder Lieblingsorte gestorbener Haustiere aufsuchen und an diese denken.

Ein Lied singen

Wenn das Feuer verglüht, möchte ich gern mit der ganzen Runde ein Lied singen. Ich finde, es wird viel zu wenig gemeinsam gesungen. Als Lied eignet sich zum Beispiel dieses wunderschöne und unbekannte Herbstlied „Herbst ist da“ (Der Link führt zu dem Blogbeitrag, in dem ich das Lied ausführlich vorstelle. Dazu gibt es bei uns nämlich ein schöne Geschichte.)

Ideen für ein alternatives Halloween in der Stadt

Feuer in der Stadt: Die oben beschriebenen Ideen rund ums Feuer lassen sich durchaus auch in der Stadt durchführen, z.B. in einem Park, am Stadtrand an einem Ausflugsort mit Grillstelle oder in einem Garten. Sogar in einem Hof kann man mal ein Feuer entzünden, wie z.B. Leserin Anna auf Facebook schreibt: „Wir stellen unsere Feuerkörbe auf und es gibt Suppe im Hof und die Kinder flitzen mit ihren Freunden durch den Garten…….und wir verkleiden uns auch…….Süßes haben wir auch da, aber meistens ist das eher uninteressant. Wir genießen es einfach, wenn es im Dunkeln am Feuer so urig wird und wann dürfen die Kinder sonst schon mit ihren Freunden durch die Dunkelheit rennen und Fangen spielen?“ Recht hat sie; ein Zusammensein rund um ein Feuer reicht Kindern absolut aus.

Rübenlaternen: Natürlich kann man auch in der Stadt Rübenlaternen schnitzen.

Spätherbstliche Natur und Gedenken an die Toten: Wer keine Möglichkeit hat, ein Feuer zu machen, könnte einen Spaziergang im Park mit den Rübenlaternen unternehmen, wo sich die spätherbstliche Natur fühlen lässt. Oder auf den Friedhof, wo verstorbene Angehörige begraben sind. Ein Friedhof ist an sich kein gruseliger Ort; da kann man mit Kindern guten Gewissens hingehen. Der Tod gehört zum Leben dazu!

Halloween drinnen alternativ feiern

Nicht alle haben die Möglichkeit, sich nach draußen zu begeben. Es gibt ja auch städtische Gegenden, wo es vor der Tür vor allem Verkehr gibt, der Park zu weit entfernt und der Hof für Feierlichkeiten ungeeignet ist. In diesem Fall kann man natürlich auch drinnen wunderbar alternativ feiern.

Hierzu einige Ideen:

  • Rübenlichter können natürlich auch (für) drin hergestellt werden, sie ergeben ein schönes Licht
  • Man kann mit den Rübenlichtern durchs Treppenhaus „geistern“, vielleicht sogar mit einem Bettlaken als Gespenst verkleidet?
  • das Wohnzimmer gut aufräumen (geht auch gemeinsam!) und dann für eine Weile alles Licht ausschalten und nur eine Kerze anzünden
  • Bei Kerzenlicht eine Geschichte vorlesen, z.B. „Rupp Rüpel“ von Astrid Lindgren (Achtung, ganz schön gruslig; eher für ältere Kinder ab 7 Jahre gedacht); für kleinere Kinder empfiehlt sich z.B. „Frederick“ von Leo Lionni)
  • Etwas besonders Leckeres essen, z.B. Kürbisplätzchen oder süßen Kürbiskuchen mit Schlagsahne
  • Aus dem Wohnzimmer ein Kuschelzimmer machen – lauter Decken, Kissen und Matratzen ausbreiten und zusammen in der Kuschel-Landschaft etwas vorlesen oder gemeinsam singen
  • Das alles geht natürlich auch mit Besuch – und wird dadurch sicher noch gemütlicher und spannender!
  • Wem es liegt, kann dazu ein wenig räuchern – das besänftigt die Geister und schafft eine besondere Stimmung.
Habt Ihr noch andere Ideen für ein alternatives Halloween? Schreibt Eure Ideen und Gedanken gern in die Kommentare oder auf Facebook.

 

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