Halloween alternativ Teil I: Die Ursprünge des Festes und warum das wichtig ist

Ich bin kein Fan von Halloween, und trotzdem werden wir feiern – aber alternativ. Heute lest Ihr, wo Halloween seinen Ursprung hat (nämlich in der Natur!), und welche Traditionen und Feiertage hierzulande mit dem spätherbstlichen Fest verbunden sind:

Auf meiner Facebook-Timeline ist Halloween bereits Thema: Da fragt eine ehemalige Schulkameradin, ob jemand einen Tipp für den besten Online-Shop hat, in dem man günstig gruslige Halloween-Deko bekommt, oder die Leute posten Kostüme, die sie oder ihre Kinder anziehen wollen.

Keine Lust auf Kommerz und Konsumwahn

Ich bin kein Fan von der Art von Halloween-Feier, die sich in den letzten 15 Jahren hierzulande etabliert hat. Das hat mit dem grellen, kommerziellen und konsumorientierten Anstrich des Festes zu tun, der ja über den Atlantik aus den USA zu uns herübergeschwappt ist. Auch fehlt mir die authentische Verbindung mit hiesigen Traditionen. In den heute praktizierten Formen („Süßes oder Saures“/Gruselkostüme und Deko-Kitsch) fühle ich die Bedeutung, die das Fest vielleicht einmal hatte, nicht mehr.

Es gibt natürlich Wege, wie man in der Stadt und auf dem Land jenseits von Süßigkeiten-Heischerei ein schönes, vielleicht sogar schauriges Spätherbst-Fest feiern könnte. Heute geht es erstmal um die Ursprünge des Festes. Denn nur wenn wir wieder ein Bewusstsein für Herkunft und Bedeutung spätherbstlicher Feste bekommen, kann ich Ideen entwickeln, wie wir feiern wollen.

Das amerikanische Halloween hat sich von seinen Ursprüngen gelöst

Das amerikanische Halloween-Fest geht auf uralte mittel- und nordeuropäische Traditionen zurück, die von irischen Einwanderern in die Vereinigten Staaten gebracht wurden. Nur hat sich das Fest in den USA, auch unter dem Einfluss süd- und mittelamerikanischer Einflüsse, zu etwas ganz Eigenem entwickelt. Das heutige Halloween in den USA hat sich sozusagen verselbständigt. Dafür hat es Bedeutungen aus anderen Kulturen angenommen, was ja völlig in Ordnung ist, aber hierher zurücktransportiert irgendwie künstlich und sinnentleert erscheint. Außerdem ist es eine wahre Konsumschlacht geworden: Ein gruseliges Kostüm, oft irgendwo auf dem Wühltisch gekauft, und vor allem „Trick or Treat“ (Süßes oder Saures), also in den meisten Fällen das Erbetteln von Süßigkeiten ohne Gegenleistung, ist gerade für Kinder das Wichtigste am Fest geworden.

Um eine im wahrsten Sinne des Wortes sinn-volle Alternative zum gängigen Halloween-Fest zu entwickeln, habe ich mich mit dem Ursprung des Festes und seiner Entwicklung in der mitteleuropäischen Kulturgeschichte befasst:

Der Ursprung von Halloween liegt in der Natur

Um Halloween wirklich zu verstehen, muss man mit der Natur beginnen. Alle Feste und Bräuche der Welt haben ja ihren Ursprung in jahreszeitlichen Vorgängen in der Natur.

Plötzliche Veränderung: Geisterhafte Naturerscheinungen

Ende Oktober, Anfang November erlischt das sichtbare Leben in der Natur. Die Blätter, Pflanzen und Gräser sterben ab, die Natur wird farblos, die Bäume ziehen ihre Säfte in ihr Inneres zurück, die Tiere verkriechen sich zum Winterschlaf. Es gibt in dieser Jahreszeit oft Nebel in der Natur, und es wehen starke Winde. Die Kontraste werden stärker. Die Nebelschwaden, die in der Dämmerung durch Wald und Feld wabern, wirken in der schnell hereinbrechenden Dunkelheit geisterhaft, durchscheinend, ja wie lebendige Bewegungen. Da die herbstlichen Winde den Großteil der Blätter oft in kürzester Frist von den Bäumen fegen, haben wir uns als Menschen an den Anblick der kahlen Äste und bizarren Formen der Baumgerüste noch nicht richtig gewöhnt – eben waren noch die Blätter da! Auch macht der Wind plötzlich andere Geräusche: Wo er bis vor kurzem noch durch die Blätter raschelte, tönt er jetzt vielleicht nur noch hohl durch ein Baumloch. Plötzlich knarren da Äste, und wir hören zweige im Wald knacken. Töne, die bis vor kurzem noch vom Dickicht der Blätter abgeschirmt wurden.

Wesen aus einer anderen Welt?

Was liegt näher, als im Zusammenspiel von plötzlich kahlen Bäumen, zackigen Ästen, Nebelschwaden und Windgeräuschen Geister wahrzunehmen? Die Menschen in alten Zeiten mussten ja in der Natur noch viel wachsamer sein als wir heute. Die Wege durch Wald und Feld waren schmal (meist nur Trampelpfade), und es gab noch viele wilde Tiere. Sie mussten also alle Sinne scharf stellen, wenn sie draußen unterwegs waren. Wenn dann der Wind ungewohnte Geräusche machte, Nebelschwaden geisterhaft durchs Unterholz zogen, oder etwas neben dem Weg raschelte, ist es vollkommen nachvollziehbar, dass die Menschen auf die Idee kamen, dass Ende Oktober Geister oder Wesen aus einer anderen Welt unterwegs waren.

Die keltisch-germanischen Feste im Spätherbst

So entwickelte sich in den naturverbundenen keltisch-germanischen Kulturen in vorchristlicher Zeit ein Festbrauch um diese Jahreszeit, der mit dem Tod, dem Sterben und der Geisterwelt zu tun hatte. Die irischen Kelten feierten in dieser Jahreszeit Samhain, was den Beginn des neuen Jahres, aber vor allem den Beginn der dunklen, kalten Jahreszeit kennzeichnete.

An Samhain, also in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November, öffnete sich das Tor zur „Anderswelt“, das heißt zur Welt der Verstorbenen, der Geister und Götter. In Irland gibt es mehr Nebel und geisterhafte Landschaften mit bizarren Bäumen als hierzulande. Da ist es verständlich, dass die irischen Kelten in dieser Nacht des Übergangs das eigene Haus nicht verließen, um nicht der Rache erzürnter Geister anheim zu fallen.

Die Mutigen tarnten sich dagegen mit Kostümen, um die bösen Geister der Anderswelt zu vertreiben. Ob auch Tier- oder gar Menschen-Opfer dargebracht wurden, ist wissenschaftlich umstritten. Man entzündete als Symbol für die Sonne Feuer auf den Hügeln. Feuer hat in der keltischen Tradition immer eine reinigende Wirkung. Also zogen Menschen und Tiere zwischen den brennenden Feuern hindurch, um sich zu reinigen.

Die Wikinger bzw. die Germanen feierten um diese Jahreszeit ebenfalls. Auch bei ihnen war Ende Oktober der Übergang zwischen den Welten durchlässig. Die Geister der Ahnen machten sich auf den Weg, um die Lebenden aufzusuchen. So war der Tag des letzten Oktobers für die Germanen auch der Tag, an dem sie sich an ihre Vorfahren erinnerten, und an dem sie von den Ahnen dazu angehalten wurden, das Jahr Revue passieren zu lassen und für sich selbst die richtigen Weichen zu stellen. Germanische Völker stellten den Ahnen darum Lichter auf, um ihnen den Weg zu weisen, und stellten auch Kleinigkeiten zu essen für sie bereit.

Fazit: Die keltisch-germanischen Feste thematisierten den Tod und das Andenken an die Verstorbenen. Bestandteile der Festrituale waren die Vorstellung von Geistern, Verkleidung, Feuer und Licht. Auch diente das Fest der Besinnung auf die Vorfahren und auf die Lehren, Lektionen und Lebensweisheiten, die wir von ihnen eventuell erfahren und erhalten können.

Allerheiligen/Allerseelen

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Paul Fleischanderl (Fotograf), http://www.pauflei.com

Im Zuge der Christianisierung des nördlichen Europa ab etwa dem Jahr 1000 n.Chr. wurde das keltisch-germanisch Brauchtum um Samhain christlich umgedeutet. (Die Forschung ist sich allerdings uneinig, ob Samhain wirklich direkt in Allerheiligen umgedeutet wurde; fest steht jedoch, dass beide Feste thematisch ähnlich sind und zum selben Datum stattfinden). Auch im Zentrum von Allerheiligen/Allerseelen steht der Tod in seiner komplexen Bedeutung: An Allerheiligen gedenken Christen den Heiligen, die bereits bei Gott sind und durch ihr tugendhaftes Leben Vorbild sind. Allerseelen wiederum thematisiert die Reinigung, die Läuterung, die Menschen durchlaufen, bevor sie nach dem Tod an Gottes Seite dürfen. Noch heute gehen viele Menschen in den letzten Oktobertagen auf den Friedhof, erweisen ihren verstorbenen Verwandten Ehre und richten die Gräber für den Winter her.

Der englisch-irische Name für Allerheiligen, „All Hallows Eve(ning)“, ist auch der Ursprung des Wortes „Halloween“.

Fazit: Die christlichen Feste Allerheiligen und Allerseelen thematisieren ebenfalls das Andenken an die Verstorbenen und das Leben nach dem Tod, zusätzlich geht es auch um das „richtige Leben“ und christliche Tugenden.

Alte Bräuche und Legenden

Um Allerheiligen und Allerseelen gibt es auch in unseren Breiten Bräuche, die eventuell Inspiration für unser alternatives Fest sein könnten. Denn in Bräuchen sind ja die geistigen Bedeutungen der Feste verpackt. Ganz klar spielen Feuer und Licht als Kontrapunkte zur dunklen Jahreszeit und als reinigende, läuternde Kraft eine große Rolle. Ende Oktober wurden auch die letzten Feldfrüchte eingebracht, so dass hier auch Erntebräuche eine Rolle spielen.

Rübengeister

Auch in Deutschland hat die Rübenlaterne eine lange Tradition. Das so genannte „Rübengeistern“ war und ist in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz seit Jahrhunderten als jahreszeitlicher Licht-, Wärme- und Erntedankbrauch verbreitet. Dabei wurden als letzte Feldfrüchte des Jahres Futterrüben ausgehöhlt und mit Gesichtern versehen, und natürlich eine Kerze hinein gestellt. Mit den Rübenlaternen wurden Umzüge veranstaltet (insofern sind sie natürlich auch Vorläufer unserer Laternenfeste im November!), oder sie wurden in die Gärten gestellt.

Die Rübengeister gehören zum hiesigen Kulturkreis und sind Teil uralter bäuerlicher Erntetraditionen. So gesehen haben sie mit dem aus den USA herübergeschwappten Halloween nichts zu tun. Zunehmend verdrängen jedoch die Aktivitäten um das heutige Halloween zunehmend alte Traditionen wie das Rübengeistern oder das Martinssingen.

In manchen Orten gingen/gehen die Kinder mit den Rübengeistern auch von Tür zu Tür, sagten ein Sprüchlein auf und erbaten kleine Gaben (Heischebrauchtum). Das erinnert fast an „Trick or Treat“ (Süßes oder Saures), nur ist es durch die selbst gemachten Rübenlaternen noch an seinen ursprünglichen Sinn gekoppelt: das Ernte-Geschehen im bäuerlichen Jahreskreis.

Kartoffelfeuer am Lukastag

Mit zu den spätherbstlichen bäuerlichen Traditionen gehört auch das Kartoffelfeuer am Lukastag, dem 18. Oktober. An diesem Tag wurden die letzten Kartoffeln geerntet. Anlässlich dessen wurde von den Bauern direkt auf dem Kartoffelacker ein Feuer gemacht, um die Kartoffelpflanzen zu verbrennen, und natürlich Kartoffeln darin geröstet. Auch wenn dieser Brauch streng genommen nicht zu Allerheiligen/Halloween gehört, so gehört er doch in die Jahreszeit Ende Oktober, so dass ich  diesen Brauch hier mit aufnehme.

Und was sagt uns das jetzt?

Die Beschäftigung mit den alten Bräuchen und ihrem ursprünglichen Sinn kann uns helfen, Alternativen für ein spätherbstliches Halloween-Fest mit Kindern zu entwickeln, oder auch: Die neumodischen Halloween-Traditionen besser zu verstehen.

Mein Anspruch an ein alternatives Halloween-Fest mit Kindern ist es…

  • die Bedeutungen kindgerecht zu verpacken, dabei aber den Sinn nicht aus den Augen zu verlieren
  • beim Fest Dinge zu tun, die einfach, natürlich und sinnlich stark sind
  • das Gefühl und die Erscheinungen der Jahreszeit in das Fest hinein zu nehmen
  • nicht zu viel anzubieten, aber eben das Richtige
  • dass das Fest allen Spaß macht und in lebendiger Erinnerung bleibt

Nächste Woche lest Ihr,

  • wie wir dieses Jahr alternativ Halloween auf dem Land feiern
  • wie man das Fest auch in der Stadt alternativ feiern könnte
So, und nun bin ich neugierig: Habt Ihr das gewusst? Macht Ihr den Halloween-Zinnober mit Euren Kindern mit? Findet Ihr es gut, oder stört es Euch? Bitte gern Eure Meinungen in die Kommentare!

Titelfoto: Buchauer Rübengeister von 2015, mit freundlicher Genehmigung der Narrenzunft Moorochs, Buchau, www.moorochs.de

Quellen:

Die Bedeutung von Allerheiligen und Allerseelen: https://www.merkur.de/welt/allerheiligen-2016-feiertag-allerseelen-bedeutung-geschichte-informationen-4268445.html
Zu Bräuchen an Allerheiligen: http://www.brauchwiki.de/Allerheiligen
Samhain auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Samhain
Zum Rübengeistern auf Wikipedia (äußerst lesenswert): https://de.wikipedia.org/wiki/Rübengeistern
Heischebrauchtum: https://de.wikipedia.org/wiki/Heischebrauch
Räbenlichter (schweizerische Rübenlaternen): https://de.wikipedia.org/wiki/Räbenlicht
Das keltische Samhain, Bräuche und Traditionen (esoterisch angehaucht, aber informativ): http://www.jahreskreis.info/files/samhain.html
Über Samhain im esoterischen Magazin Viversum: http://www.viversum.de/online-magazin/samhain

 

 

4 Kommentare, RSS

  1. Avatar

    Roswitha 6. Oktober 2017 @ 8:20

    Liebe Maike,
    vielleicht hat ja jemand Lust das Rezept auszuprobieren,
    das ist bei meinen Kinderkursen in der Halloweenzeit ganz gut angekommen.
    Wir haben auch immer Rummelbootzen geschnitzt und die KInder haben sie durch die Dunkelheit getragen oder auf ihr Fenster gestellt.

    Grusel – Gemüse – Pizzafladen für „Halloween“
    (12 Fladen für 3 gr. rechteckige Bleche)

    (alle Zutaten aus ökologischem Anbau)

    Teig:
    900 g Weizen oder Dinkel, mit der Getreidemühle fein mahlen
    60 g Bio-Hefe
    525 ml lauwarmes Wasser
    1 ½ TL Vollmeersalz

    (bei Bedarf etwas Streumehl)

    Die Hefe in dem Wasser auflösen und dann alle Zutaten kräftig miteinander verkneten, ca. 10 Minuten.
    Anschließend den Teig zu 12 Kugeln formen, diese zu tellergroßen dünnen Fladen formen und auf die gefetteten Backbleche verteilen.

    Belag:
    2 Gläser Tomaten – fein gestückelt, in eine Schüssel geben und mit 3 EL Tomatenmark verrühren.
    Mit je 1 ½ EL Basilikum, Thymian und Oregano, sowie
    2-3 TL Curry, Pfeffer schwarz und 1 TL Vollmeersalz würzen.

    Die Masse auf die Fladen verteilen.

    Mit ganz fein geschnittenem Gemüse die Pizzenfladen zu „Gruselgesichter“ belegen,
    z. B.: dünne Zucchinischeiben, Karottenscheibchen, Paprikastreifen und Zwiebelringe

    1 ½ Becher Crème fraîche mit 4 EL Olivenöl (Olivenölreste von Oliven ist sehr würzig!) glatt rühren.
    Das Gemüse bzw. die Tomatenmasse damit bestreichen oder bekleckern!
    Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt…
    Bei 220°C Heißluft etwa 20 Minuten backen.

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 6. Oktober 2017 @ 19:00

      Liebe Roswitha, vielen Dank! Das Rezept klingt sehr gut; ich überlege, ob ich das nächstes Wochenende mit den Kindern mache – vielleicht komme ich auch dazu, die Idee noch in den Artikel einzuarbeiten! Lieben Dank!

  2. Avatar

    Frederick 6. Oktober 2017 @ 17:13

    Hallo Maike,

    vielen Dank für diesen interessanten Beitrag. Das ist für mich das erste Mal, dass ich dieses Jahr mit Halloween konfrontiert werde 😀 Aber so langsam aber sicher kann man sich auf jeden Fall darauf vorbereiten. Ich bin schon gespannt, was sich die Kinder dieses Jahr wieder für Kostüme ausdenken.

    Das Bild vom Rübengeister-Umzug ist ja sowas von niedlich *-* Wahnsinn, wirklich … So hübsche Verkleidungen!

    Auf jeden Fall vielen Dank für diesen schönen Beitrag! Ich freue mich auf mehr 🙂

    Liebe Grüße und einen schönen Abend,

    Frederick W.

    • Maike Cölle

      Maike Cölle 6. Oktober 2017 @ 19:02

      Lieber Frederick, vielen Dank für Deinen Beitrag! Ich freu mich, dass es Dir gefällt!

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