Zum Vorlesen an Heiligabend: Die biblische Weihnachtsgeschichte und ein kleines, starkes Gedicht

Bei vielen Menschen gehört die biblische Weihnachtsgeschichte zum Heiligabend dazu, auch wenn sie nicht gläubig sind. Hier findet Ihr die klassische Geschichte in zwei Versionen sowie einen kurzen, starken Text, den wir an Heiligabend immer vorlesen – weil er so wunderbar und in schönen Worten zusammenfasst, was Weihnachten ist.

Gleich zu Anfang der kurze, aber wirkungsvolle Text:

Wann fängt Weihnachten an?

Wenn der Schwache dem Starken die Schwäche vergibt,
Wenn der Starke die Kräfte des Schwachen liebt.

Wenn der Habewas mit dem Habenichts teilt,
Wenn der Laute mal bei dem Stummen verweilt,
Und begreift, was der Stumme ihm sagen will.

Wenn der Leise laut und der Laute still,
Wenn das Bedeutungsvolle bedeutungslos,
das scheinbar Unwichtige wichtig und groß.

Wenn mitten im Dunkel ein winziges Licht
Geborgenheit, helles Leben verspricht,
und du zögerst nicht, sondern du gehst,
so wie du bist, darauf zu,

Dann, ja dann
fängt Weihnachten an.

— Bei uns blieb letztes Jahr an Weihnachten kein Auge trocken, als wir den Text vorlasen…

Der Sinn der Weihnachtsgeschichte

In der Weihnachtsgeschichte steckt mehr als die Nachricht von der keuschen Geburt des christlichen Erlösers. Die Weihnachtsgeschichte ist auch eine Geschichte der Nächstenliebe, der Mutterliebe, des menschlichen Miteinanders, und die tröstliche Botschaft vom Licht im Dunkel. Und natürlich ist die Weihnachtsgeschichte auch ein Flüchtlingsdrama. Ganz sicher wird dieses Jahr der Großteil der PfarrerInnen in ihren Weihnachtspredigten diesen Bezug herstellen und uns dazu aufrufen, den Suchenden und Verzweifelten die Tür zu öffnen. Richtig so!

Ich persönlich liebe die Poesie und die Wortgewaltigkeit der biblischen Weihnachtsgeschichte. Es schadet kleinen Kindern nicht, diesen Worten zu lauschen, auch wenn sie sie noch nicht so recht auffassen können. Denn wenn wir vorlesen und dabei innerlich mitschwingen, bringen wir Gefühle zum Ausdruck, die das Kind intuitiv versteht. Dieses gefühlige Verstehen ist mehr wert als jedes rationale Wissen um die Ereignisse, die sich in Bethlehems Stall zugetragen haben.

In vielen Familien feiern auch Angehörige mit, die mit der klassischen Bibelgeschichte wenig anfangen können. Oder sie sogar ablehnen. Um diese Menschen dennoch “mit ins Boot” zu nehmen, kann man den kurzen Text oben vorlesen. Dieser Text wird seine Wirkung nicht verfehlen.

Aber hier zunächst die beiden Versionen der biblischen Weihnachtsgeschichte, einmal in der Luther-Übersetzung und einmal den Text aus der “Guten Nachricht”, der offiziellen modernen Übersetzung der Bibel.

Die biblische Weihnachtsgeschichte (Lukas 2, Verse 1-20, nach der Übersetzung Martin Luthers): Alte Worte, stark und vertraut.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.  Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.  Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.  Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.

Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Die biblische Weihnachtsgeschichte (Lukas 2, Verse 1-20, moderne Übersetzung aus der “Guten Nachricht”): Alte Worte, neu gefasst.

Zu jener Zeit ordnete Kaiser Augustus an, dass alle Menschen in seinem Reich gezählt und für die Steuer erfasst werden sollten. Diese Zählung war die erste und wurde durchgeführt, als Quirinius Statthalter der Provinz Syrien war.

Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, jeder in die Heimatstadt seiner Vorfahren. Auch Josef machte sich auf den Weg. Aus Galiläa, aus der Stadt Nazaret, ging er nach Judäa in die Stadt Davids, nach Betlehem. Denn er stammte aus der Familie von König David.

Dorthin ging er, um sich einschreiben zu lassen, zusammen mit Maria, seiner Verlobten; die war schwanger. Während sie dort waren, kam für Maria die Zeit der Entbindung. Sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe im Stall. Denn in der Herberge hatten sie keinen Platz gefunden.

In jener Gegend waren Hirten auf freiem Feld, die hielten Wache bei ihren Herden in der Nacht. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie, und sie fürchteten sich sehr.

Aber der Engel sagte zu ihnen: »Habt keine Angst! Ich habe eine große Freudenbotschaft für euch und für das ganze Volk. Heute ist euch der Retter geboren worden, in der Stadt Davids: Christus, der Herr! Und dies ist das Zeichen, an dem ihr ihn erkennt: Ihr werdet ein neugeborenes Kind finden, das liegt in Windeln gewickelt in einer Futterkrippe.«

Und plötzlich war bei dem Engel ein ganzes Heer von Engeln, all die vielen, die im Himmel Gott dienen; die priesen Gott und riefen: »Groß ist von jetzt an Gottes Herrlichkeit im Himmel;
denn sein Frieden ist herabgekommen auf die Erde zu den Menschen, die er erwählt hat und liebt!«

Als die Engel in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: »Kommt, wir gehen nach Betlehem und sehen uns an, was da geschehen ist, was Gott uns bekannt gemacht hat!«
Sie liefen hin, kamen zum Stall und fanden Maria und Josef und bei ihnen das Kind in der Futterkrippe.

Als sie es sahen, berichteten sie, was ihnen der Engel von diesem Kind gesagt hatte. Und alle, die dabei waren, staunten über das, was ihnen die Hirten erzählten. Maria aber bewahrte all das Gehörte in ihrem Herzen und dachte viel darüber nach.

Die Hirten kehrten zu ihren Herden zurück und priesen Gott und dankten ihm für das, was sie gehört und gesehen hatten. Es war alles genauso gewesen, wie der Engel es ihnen verkündet hatte.

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Mit diesen Worten verabschiede ich mich von Euch für dieses Jahr – der Blog macht bis zum 4. Januar Weihnachtspause.

Ich wünsche Euch allen einen schönen Heiligabend und ein prächtiges Weihnachtsfest. Auf dass nicht nur die Geschenke zählen, sondern auch das “scheinbar Unwichtige” wichtig und groß wird!

5 Gedanken zu „Zum Vorlesen an Heiligabend: Die biblische Weihnachtsgeschichte und ein kleines, starkes Gedicht“

  1. Traudel sagt:

    Vielen herzlichen Dank für diesen schönen Beitrag

    “Wann fängt Weihnachten an” habe ich mir abgeschrieben und werde es bei der Adventsfeier der Stadtmission am 18.12.18 vortragen

    Somit war meine Suche nach etwas Passendem durch Ihren Beitrag zum Erfolg gekrönt❣

    Herzensgrüße und eine gesegnete und gesunde Zeit
    Traudel (Walli, Waltraud )

    1. Maike Cölle sagt:

      Liebe Traudel / Walli,
      wie wunderbar! Bei dem Fest wird der Text sicher seine Wirkung nicht verfehlen! Euch ganz viel Freude und Hoffnung in der kommenden kalten und dunklen Jahreszeit. Liebste Grüße!

  2. Stefan sagt:

    Ich würde gerne das Gedicht in dem Gemeindebrief unserer Gemeinde übernehmen – mich Quellenangabe. Können Sie mir das bitte bestätigen, dass wir das veröffentlichen dürfen?

    1. Ellen sagt:

      Guten Morgen Stefan,

      der Beitrag stammt von der Bloggerin Frau Cölle, die nicht mehr für uns tätig ist. Eine Freigabe für eine Veröffentlichung können wir leider nicht erteilen.

      Mit der Bitte um Verständnis.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ellen vom HANS NATUR Team

  3. Florian sagt:

    Sehr schön, vielen Dank und frohe Weihnachten.

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