Schlechter Esser – Ist das eine Essstörung?

Kleine Kinder essen anfangs noch munter drauf los und probieren nahezu alles, was Sie zwischen die Finger bekommen. Sind die Kinder ein wenig älter, ändert sich das Essverhalten häufig und plötzlich wird alles, was doch vorher als so lecker empfunden wurde, strikt abgelehnt. Sind das bereits erste Anzeichen einer handfesten Essstörung? Es gibt Kinder, die in solch einer Phase sich nur noch von wenigen  Lebensmitteln ernähren und Eltern schier verzweifeln, weil sie sich ängstigen, dass das Kind zu wenig, zu einseitig und zu ungesund isst. Muss man sich sorgen?

Eltern wünschen sich für ihr Kind nur das Beste und bemühen sich redlich, leckere, abwechslungsreiche und nahrhafte Kost auf den Tisch zu bringen. Hört man sich ein wenig im Freundes- oder Bekanntenkreis um, die gleichaltrige Kinder haben, erfährt man immer wieder von Kindern, die sich zum Beispiel am liebsten nur von Weißbrot ernähren würden oder bei denen Spaghetti mit Tomatensauce das einzig akzeptierte Gericht ist (selektives Essen). Schnell gibt man den Eltern dieser Kinder den Tipp: „ Abwarten, das reguliert sich wieder von ganz alleine.“ Ist das so?

Eine leckere Mahlzeit ist Nahrung für Geist und Körper.
Essen mit Genuss

Bitte das Essen nicht so sehr thematisieren

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist wichtig. Und sehr wahrscheinlich wusste die breite Masse noch nie so viel darüber, wie man sich gut ernährt, wie heutzutage. Heute wird Essen auf Social Media Kanälen präsentiert. Bevor man Zuhause oder im Restaurant seine Mahlzeit genießen kann, wird der Teller geknipst, erst dann darf das Essen beginnen. Eine Menge Frauen können auf Schlag ihren BMI und Körperfettanteil nennen. Männer wissen, welche eiweißhaltigen Nahrungsmittel sie tunlichst nach dem Training zu sich nehmen sollten. Essen wird immerzu und überall thematisiert, aber manchmal gewinnt man den Eindruck, dass all das Schöne, Sinnliche und Genussvolle beim Essen ein bisschen auf der Strecke bleibt.

Das esse ich nicht! – krütsch, mäkelig, wählerisch, schleckig und schnaukig

Die gute Nachricht lautet: Wenn dein Kind (deiner Meinung nach) zu wenig oder zu unausgewogen ist – entspanne dich! Dies ist keine Essstörung, sondern bei vielen Kindern völlig normal. Falls dein Nachwuchs tatsächlich nur kleinste Portionen zu sich nimmt, kannst du gewiss sein, dass sich das Hungergefühl auf ganz natürliche Art und Weise einstellen wird und dein Kind genügend Nahrung zu sich nimmt. Und denke daran: Dein Kind möchte dich nicht ärgern, wenn es dein, mit viel Liebe gekochtes Essen, verschmäht. Es möchte einfach nicht und kann manchmal gar nicht benennen, warum nicht. Mal ist es die Farbe des Essens, mal der Geruch oder die Konsistenz oder schlicht weg kein Appetit.

Gut, nur eine Phase, aber was kann ich tun, damit mein Kind regelmäßig und gut isst?

Oh, es gibt so einiges, wie du Lust auf gesunde Kost wieder bei deinem Kind wecken kannst.

  • Ist dein Kind schon alt genug, binde es beim Einkaufen bei den Besorgungen mit ein. Auf welches Gemüse hat es Lust? Welches Obst habt ihr schon lange nicht mehr gegessen? Vielleicht gibt es ein Lebensmittel, dass du auch nicht kennst und ihr probiert es gemeinsam aus?
  • Zusammen das Essen vorbereiten ist großartig. Ihr könnt gemeinsam die Zutaten bereitstellen, Obst und Gemüse abwaschen, schnippeln und kochen.
  • Bitte nicht so viel zwischendurch snacken, sonst hat dein Kind zu den Hauptmahlzeiten keinen rechten Hunger.
  • Statt Süßigkeiten, mal Gemüse Streifen mit selbstgemachtem Dip anbieten.
  • Gemeinsam ein frisches Brot backen
  • Im Sommer Obst ernten, zum Beispiel Erdbeeren sammeln
  • Selbstverständlich nicht viele Süßigkeiten anbieten
  • Vollkornstulle, Obst und Gemüse für den Kindergarten mal anders schneiden – wirkt oft Wunder
  • Wenn ihr einen Garten oder Balkon habt, könnt ihr Leckeres anpflanzen. Die eigenen Tomaten schmecken ja viel, viel besser.
  • Wenn möglich, biete eine Alternative an, zum Beispiel eine zweite Gemüsesorte
  • Wie wäre es mal mit einem leckeren Smoothie?
  • Esst gemeinsam
  • Haltet feste Zeiten für eure Mahlzeiten ein
  • Durch Schimpfen und Drohen erreichst du bei deinem Kind gar nichts. Im Gegenteil, der Druck wächst und irgendwann graut deinem Kind vor dem gemeinsamen Essen mit euch.
  • Gemeinsam Essen ist wahre Qualitytime, habt es gut miteinander, Negatives hat am Tisch nichts verloren.
  • Akzeptiere, wenn dein Kind sagt „Ich bin satt.“
  • Sprüche wie: „Du bleibst jetzt solange da sitzen, bis du aufgegessen hast.“ Oder „Oh, wenn du das nicht aufisst, gibt es morgen kein schönes Wetter.“ sind Tabu.
  • Biete deinem Kind ansprechendes Kindergeschirr an, in kindgerechten Maßen
  • Sei ein gutes Vorbild. Junkfood sollte die Ausnahme sein. Thematisiere nicht ständig dein Gewicht und nörgele nicht über deinen oder den Körper anderer.
  • Achte darauf, dass dein Kind direkt vor oder bei dem Essen nicht zu viel trinkt, damit noch Platz im Magen ist.
  • Bitte den Teller nicht so arg befüllen, ansonsten stellt sich schnell das Gefühl ein „Das schaff ich ja nie.“
  • Nicht mit Essen trösten.
  • Deckt gemeinsam den Tisch.

Das schlägt mir auf den Magen – steckt doch eine Essstörung dahinter?

Das dein Kind hin und wieder Phasen haben wird, in denen es bestimmte Lebensmittel rigoros ablehnt  oder ein „schlechter Esser“ ist, wird immer mal wieder vorkommen.  

Wenn sich dieser Zustand nach einer gewissen Zeit aber nicht reguliert, sieh etwas genauer hin. Essstörungen entstehen häufig durch belastende Erfahrungen im Elternhaus. Wie läuft es im Kindergarten, bzw. in der Schule? Hat dein Kind noch ein natürliches Sättigungs- und Hungergefühl? Hat es extrem zu- oder abgenommen? Wenn du unsicher bist, ziehe euren Kinderarzt oder eine Beratungsstelle hinzu. Dort wird euch gerne weitergeholfen.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfleder sind markiert *

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Simple Share Buttons