Wie Du Deinem Kind bei Insektenstichen hilfst / Teil 3: Bienen, Wespen, Zecken

Stichstelle aussaugen? Stachel mit der Pinzette ziehen? Zecken mit Öl beträufeln? Was bei Insektenstichen wirklich hilft, darum geht es heute im dritten teil unserer Serie zu Insektenstichen:

In Teil 1 unserer Serie ging es ja darum, wie man Insektenstiche vermeidet. Wer diese Tipps beherzigt, hat gute Chancen, von Stichen verschont zu bleiben – was natürlich das Angenehmste ist. Trotz aller Vorsicht kommt es natürlich vor, dass Kinder einen Insektenstich abbekommen, und wenn es nur die lästigen Mücken sind. Allgemeine Tipps zur Behandlung von Insektenstichen mit einigem Überraschendem (Stiche behandelt man zuerst mit Hitze!), findet Ihr hier, im zweiten Teil der Serie, in dem es speziell auch Infos zu Mückenstichen, Ameisen- und Bremsenbissen gibt.

Heute geht es um das richtige Behandeln von Bienen- und Wespenstichen sowie um Zecken. Zu den Zecken habe ich Interessantes zusammengetragen, das viele vielleicht noch nicht wissen.

Das Wichtigste auch zur Behandlung von Bienen- und Wespenstichen findet Ihr ausführlich beschrieben in Teil 2 unserer Serie. Hier eine Zusammenfassung, die um wichtige Informationen zu Bienen- und Wespenstichen ergänzt ist:

Erste Hilfe bei Bienen- und Wespenstichen

Diese Biene saugt nur Nektar. Wenn man Bienen nicht provoziert, stechen sie auch nicht. Deswegen möglichst ruhig bleiben, nicht wegpusten oder herumfuchteln.

Bei einer allergischen Reaktion sofort den Notruf anrufen (112)

Insektengift-Allergien können bei Kindern durchaus tödlich ausgehen, allerdings erst beim zweiten Stich. Beobachtet Eure kleinen Kinder gut bei ihren ersten Stichen, um festzustellen, ob sie eventuell zu einer Allergie neigen. Bei seltsamen, übertrieben wirkenden Reaktionen unbedingt den Notarzt rufen. Wer Angst hat, ein Notfall-Kit für Insektenallergien bereit halten. Gibt es in der Apotheke.

Ausführliche Informationen über die Symptome bei Insektengift-Allergien findet Ihr in Teil 2 der Serie.

Stachel entfernen

Wespen können ihren Stachel mehrmals benutzen, Bienen verlieren ihren Stachel nach einem Stich und sterben dann. Weil die Wespe ihr Gift auf mehrere Stiche verteilt, bekommt man bei einem Wespenstich nicht so viel Gift ab. Die Biene jedoch injiziert alles Gift auf einmal. Darum sind Bienenstiche schmerzhafter als Wespenstiche.

Der Bienenstachel, der wegen fieser kleiner Widerhaken meist in der Einstichstelle stecken bleibt, sollte vorsichtig entfernt werden, weil die Gefahr besteht, dass man restliches Gift aus dem Stachel in die Wunde drückt. Außerdem enthält das Bienengift einen Lockstoff, der weitere Bienen anzieht. Besser den Stachel wegschnippen oder vorsichtig wegkratzen als mit der Pinzette ziehen, um das Gift nicht auszudrücken. Manchmal bleibt auch der Stachel einer Wespe hängen – für die Entfernung gilt das Gleiche wie für den Bienenstachel.

Ruhig bleiben, trösten und beruhigen

Unsere Stimmung überträgt sich aufs Kind. Wenn wir ruhig bleiben und nicht in hektisches Getue verfallen, werden auch unsere Kinder schneller beruhigt. Bei uns hilft in-den-Arm-nehemn, Singen und Summen. Auch versuche ich, nicht zu hetzen. Mit gerade gestochenem Kind im Arm langsam und summend zum Mediakmentenschrank gehen, das ist eine Königsdisziplin für Eltern 🙂 Wer das schafft, ist ein absoluter Meister oder eine Meisterin!

Vorsicht bei Stichen im Hals- und Rachenraum

Bei Stichen im Mund, Hals oder Rachenraum unbedingt sofort kühlen, um Schwellungen in der Nähe der Atemwege zu verhindert. Bei Unsicherheit lieber den Notarzt rufen.

5 goldene Maßnahmen: Hitze, Spucke, Desinfektion, Kühle, Teebaumöl

Direkt nach dem Stich so rasch wie möglich einen „elektronischen Stichheiler“ einsetzen, der mit Wärme die Eiweiße des Insektengiftes zersetzt. Statt dem Stichheiler (Apotheke) kann man auch einen erwärmten Metalllöffel verwenden (Achtung, wird schnell zu heiß!). Wir haben seit diesem Jahr so einen Stichheiler, den wir beim letzten Stich der großen Tochter eingesetzt haben. Tatsächlich ist der Stich lang nicht so angeschwollen und auch schneller verheilt als der Stich der kleinen Tochter im letzten Jahr.

Danach hilft Spucke. Tut auch den Kindern gut, sich selbst zu helfen (Stichwort Selbstwirksamkeit).

Dann muss mit Desinfektionsmittel, etwas Schnaps (hat meine Großmutter immer genommen) oder einer aufgeschnittenen Zwiebel desinfiziert werden. Ganz wichtig; Insektenstiche entzünden sich leicht!

Schließlich hilft Kühlung mit Kühlpacks gegen die Schwellung. Die Coolpacks immer in ein Tuch wickeln, sonst unterkühlt die zarte Kinderhaut!

Den Juckreiz mildert Teebaumöl. Auch unterstützt das Öl bei der Heilung.

Ein homöopathisches Mittel bei Insektenstichen ist Apis D6 (5 Globuli alle 5 Minuten, bis zu 10 Mal. Danach weiter in mehrstündigen Abständen je 5 Globuli verabreichen).

Nicht aussaugen!

Insektenstiche sollten nicht ausgesaugt werden, da durch den Kontakt mit dem bakterienübersäten Mund Keime in die Stichwunde gelangen können, die zu schlimmen Entzündungen führen können.

Statt auszusaugen, kann das Gift vorsichtig ausgedrückt werden. Das kann jedoch schmerzhaft sein – Kinder tolerieren meiner Erfahrung nach diese Prozedur nicht.

 So, und nun zu unseren geliebten Zecken:

Wie in Teil 2 beschrieben, hatten wir alle dieses Jahr schon eine oder mehrere Zecken, da es auf dem Grundstück unseres neu erworbenen Wochenendhauses nur so von Zecken wimmelt. Dort ist ein großer, waldähnlicher Naturgarten, in dem Zecken sich offensichtlich wohl fühlen.

Wir schützen uns vor den Zecken ehrlich gesagt mit einem chemischen Anti-Zeckenmittel, weil wir das Risiko einer Borreliose-Infektion wirklich mindern wollen. Got sei Dank ist dort kein FSME-Risikogebiet.

Aber alles der Reihe nach:

Zecken fallen nicht von Bäumen

Immer noch glauben viele Leute, dass Zecken sich von Bäumen auf Spaziergänger niederfallen lassen. Das ist falsch: Zecken befinden sich meist an Grashalmen in Wissen oder am Wegesrand. Beim Streifen durch Wald und Wiesen streifen wir sie ab. Das heißt: Besonders nach Ausflügen auf Heu-, Blumen- oder Waldwiesen sollte man die Kinder gründlich auf Zecken untersuchen.

Zecken fangen sich Kinder beim Streifen durchs Gras ein. Sie lassen sich nicht von Bäumen fallen.

Zecken beißen UND stechen

Obwohl Mediziner offiziell von „Zeckenstich“ sprechen, ist „Zeckenbiss“ trotzdem keine falsche Bezeichnung. Denn Zecken beißen UND stechen. Mit einem Mundwerkzeug beißen sie erst die Haut ein wenig auf, und dann injizieren sie in diese Stelle ihren Stachel. Zuerst spritzen sie ein betäubendes Mittel ein, das uns den Stich nicht so merken lässt. Mit ihrem Stachel können sie gleichzeitig unser Blut saugen, und das tun sie dann auch nach Herzenslust…

Warum Zeckenstiche gefährlich sind

An sich sind Zeckenstiche nicht gefährlicher als Mückenstiche. Sie können sich leicht entzünden, aber das tun andere Insektenstiche auch.

Jedoch können Zecken zwei äußerst unlustige Krankheiten übertragen, und darin liegt die Gefahr. Weit verbreitet unter den Zecken in Deutschland ist der Borreliose-Erreger. Eine unbehandelte Borreliose kann später zu schwer wiegenden Symptomen wie Lähmungen und Erkrankungen es Zentralnervensystems führen. Deswegen muss man nach einem Zeckenstich unbedingt die Einstichstelle beobachten und beim leisesten Zweifel oder bestimmten Symptomen (siehe unten) einen Arzt aufsuchen.

Noch schlimmer ist FSME, was eine Art der Hirnhautentzündung ist. Fast ganz Süddeutschland gilt als Risikogebiet für die Übertragung von FSME durch Zecken; in Norddeutschland ist man relativ sicher. Auf dieser Zecken- Informationsseite findet man einen Überblick über die Risikogebiete. Hirnhautentzündung wollt Ihr Euren Kindern ganz sicher ersparen; bei einigen Patienten kommt es lebenslang zu neurophysiologischen Schäden (Lähmungen, Sprachstörungen, Atemschwäche und ähnlich Schreckliches).

Zeckenstiche richtig behandeln

Zecken sollten so schnell wie möglich entfernt werden. FSME überträgt sich zwar direkt beim Einstich, aber die Infektion mit den Borreliose-Erregern kann man eventuell verhindern, wenn man die Zecke schnell entfernt.

Auf keinen Fall hilft das, was meine Mutter bei den Zecken meiner Kindheit noch gemacht hat: Die Zecke mit Klebstoff zu bedecken, um sie zu töten und sie dann mit dem getrockneten Klebstoffknubbel besser herausziehen zu können. Auch mit Öl ertränkt man keine Zecke!

Das einzig gute Hilfsmittel sind Zeckenzangen oder -karten. Bei uns hat sich die Zeckenkarte bewährt, die wie eine Plastik-Scheckkarte aussieht und in einer Ecke eine spezielle Kerbe hat, in die man die zecke einklemmt und dann herauszieht. Mit der Karte bekommen wir Zecken immer gut heraus. Die Zange erscheint mir persönlich dagegen zu grob.

Nach dem Ziehen des Tierchens desinfiziere ich die Wunde mit Desinfektionsmittel. Meine Oma hat dazu immer Schnaps genommen; ich nehme aber lieber ein alkoholfreies Desinfektionsmittel aus der Apotheke im Sprühfläschchen. Wie alle Insektenstiche können sich auch Zeckenstiche leicht entzünden, da Zecken allerlei Krankheitserreger in sich tragen. Wenn ein Zeckenstich ein paar Tage lang angeschwollen und rot ist sowie etwas schmerzt oder juckt, ist das keine Borreliose, sondern wahrscheinlich eine leichte Entzündung. Also nicht gleich in Panik verfallen.

Borreliose: wie man sie erkennt und behandelt

Das A und O beim Schutz vor Borreliose ist die Beobachtung der Einstichstelle und des Kindes über einige Tage, ja ca. 2 Wochen hinweg. Wenn beim Kind grippeähnliche Symptome, Niedergeschlagenheit und besonders Müdigkeit auftreten, oder wenn die Einstichstelle schmerzlose kreisförmige Rötungen bis ins Violette umgibt, die auch an anderen Stellen des Körpers auftreten können („Wanderröte“; z.B. an Brustwarzen, Ohrläppchen oder Hodensack), könnte das Kind sich mit Borreliose infiziert haben. Dann ab zum Arzt; hier helfen dann Antibiotika. In diesem Fall gilt: Besser einmal Antibiotika als das Risiko der Borreliose-Spätfolgen – die wird man nämlich unter Umständen sein Leben lang nicht los. Eine unbehandelte Borreliose kann üble Folgen noch im Erwachsenenalter haben.

Auf dieser Seite findet Ihr ausführliche Infos zum Erkennen und Behandeln von Borreliose und FSME nach Zeckenstichen.

FSME: Symptome und Behandlung

Die Symptome für FSME sind denen der Borreliose ganz ähnlich: Kopfschmerzen und grippeähnliche Krankheitsanzeichen. Viele glauben, dass man FSME verhindern kann, wenn man die Zecke schnellstmöglich entfernt. Aber die FSME-Erreger befinden sich im Speziell der Zecke und werden sofort beim Einstich übertragen.  Deswegen ist es das beste, wenn es gar nicht erst zum Stich kommt – also mit einem Zeckenschutzmittel einsprühen. Wer in ein FSME-Risiko-Gebiet reist oder in einem wohnt, sollte über eine FSME-Schutzimpfung nachdenken.

Denn FSME kann man NICHT BEHANDELN! Nur die Symptome der Krankheit lassen sich lindern. Also: Am besten vor Zeckenstichen in Risikogebieten schützen!

Vor Zeckenstichen schützen

De Angst vor Zecken sollte Euch bitte nicht davon abhalten, mit den Kindern raus zu gehen und sie auf Wiesen herumstreifen zu lassen. Es gibt doch kaum was Schöneres als Kinder, die durch hohe Wiesen streifen. Deswegen solltet Ihr Eure Kinder lieber vor zecken schützen, indem Ihr ein Zeckenschutzmittel benutzt. Dies sprüht man alle 5 Stunden auf (meist reicht einmal Sprühen pro Tag, weil man ja selten länger als 5 Stunden in Wald und Wiesen herumtollt). Geeignete Mittel gibt es in der Apotheke oder im Drogeriemarkt. Achtung bei kleinen Kindern unter 2 Jahren: Hier sollte man chemische Insektenschutzmittel sparsam verwenden. Besser nur einmal am Tag auftragen.

So, dann wünsche ich Euch, dass Ihr von Bienen, Wespen und Zecken verschont bleibt. Auch die Mücken, Bremsen und Ameisen sollten Euch in Ruhe lassen. Auf dass Ihr und Eure Kinder den Sommer richtig genießen könnt!

 

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