Warum der 2. Februar ein besonderes Datum ist

Der 2. Februar war in früheren Zeiten ein besonderer Tag. Was hinter dem christlichen „Maria Lichtmess“ und dem keltischen Vorgänger Imbolc oder Imbolg steckt, heute im Blog:

Maria Lichtmess ist die christliche Umdeutung eines uralten heidnischen Festes, Imbolc / Imbolg (die Schreibweisen differieren) oder Oimelc. Wie bei fast allen alten mitteleuropäischen Riten findet das Fest seinen Ursprung in der keltischen und/oder germanischen Mythologie sowie letztlich in den Vorgängen der Natur.

Die Februar-Natur

Anfang Februar ist das Licht fast wie von einem Tag auf den anderen spürbar heller; in Süddeutschland ist dieser Effekt deutlich wahrnehmbar. In Norddeutschland tritt der Effekt ungefähr eine Woche später ein. Maria Lichtmess war in früheren Zeiten in der Handwerkerzunft der Tag, an dem man wieder ohne Kerzenlicht arbeitete, also mit dem Tageslicht auskommen konnte (das sagt uns auch einiges über die Arbeitszeiten in der Vergangenheit!). Kerzenlicht musste schließlich gespart werden, wie vieles andere auch.

Mütterchen Tau möchte nun gern den Winter vertreiben und ihr Großreinemachen beginnen, doch Väterchen Frost ist manchmal noch nicht bereit, ihr das Feld zu überlassen. Aber das Leben regt sich schon wieder: Manche Tiere wachen schon aus dem Winterschlaf auf, die Knospen schwellen und es gibt schon Blüten wie die Weidenkätzchen, die den schon wieder aktiven Bienen Nahrung bieten. Das wieder spürbare Licht und die Schneeglöckchen, die nun ihre Köpfchen aus der Erde strecken und die Sonne begrüßen, lassen den Frühling schon fern erahnen. Manchmal flattert schon ein zartes „blaues Band“ durch die Lüfte. Die Kräfte der Natur erwachen langsam wieder, das gefrorene Wasser setzt sich wieder in Bewegung.

Das keltische Reinigungs- und Feuerfest Imbolc/Oimelc und die heilige Brigid

Das christliche Maria Lichtmess geht auf ein altes keltisches Fest zurück, das in Irland heute noch als Imbolc oder Oimelc bekannt ist. Der Name Imbolc bedeutet „Rundum-Waschung“ und kennzeichnet das Fest als Reinigungsfest. Oimelc wiederum ist die Bezeichnung für das erste Milchgeben der Schafe im Frühjahr, denn um diese Jahreszeit bekamen die ersten Schafe ihre Lämmchen. Im christlichen Gewand wird hierzulande das Fest als Maria Lichtmess begangen (dazu unten mehr). Auch „Neuheiden“, also Menschen aus dem westlichen Kulturkreis, die sich auf vorchristliche Feste und Riten besinnen, feiern das Fest wieder. Das keltische Fest feiert die heilige Brigid (Brigitte), die als Göttin des Vorfrühlings die Wintergöttinnen ablöst. Mit ihr steigen in der keltischen Mythologie im wieder erweckten Licht elementare Wesen, allen voran der Bär, vom Himmel herab. Die Zeit der Brigid, die im keltischen Jahreskalender bis zum 1. Mai reicht, steht in der keltischen Vorstellung für den menschlichen Lebensabschnitt der Kindheit. Damit ist diese Zeit als spielerisch, kraftvoll und phantasiereich gekennzeichnet. Im keltischen Jahreskalender stand das Jahresrad zwischen Ende November und dem 2. Februar still; in dieser Zeit sollte nicht getanzt werden. So markierte das Fest der Brigid auch das Ende des „Tanzverbotes“ – kein Wunder, dass darauf seit Urzeiten eine heitere Zeit mit Spiel, Spaß und Tanz folgte, die sich als närrische Faschingszeit bis heute erhalten hat.

Beim Fest der Brigid wurde der Licht-Aspekt des Feuers, nicht so sehr seine Wärme, gefeiert. Brigid war eine Göttin des Feuers, die einen Lichtstrahl mit sich trug, der im übertragenen Sinne auch für das Erwachen der Lebensfreude und der Erotik steht. In den alten Zeiten wurde das Orakel befragt, und es wurden Probe-Ehen geschlossen. Außerdem waren Reinigungs-Rituale Teil der Zeremonien, die in früheren Zeiten natürlich auch ganz praktisch der Hygiene nach dem langen Winter dienten. Noch heute macht man ja „Frühjahrsputz“, das ist nichts anderes als ein Relikt der Reinigungsrituale aus alter Zeit. In der Landwirtschaft wurden um diese Jahreszeit die Obstbäume „wachgerüttelt“, was manche Bauern im mitteleuropäischen Raum heute noch tun, und die Feldarbeit begann.

Die keltische Mythologie in „Schneeweißchen und Rosenrot“

Auch in unserem Kulturraum hat sich die keltische Mythologie um die Göttin Brigid bewahrt. Unser Grimm’sches Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ erzählt versteckt von der alten Brigid-Mythologie: die beiden Mädchen mit den symbolträchtigen Namen „Schneeweißchen“ und „Rosenrot“ stehen für die Wandlung vom schneereichen Winter zur warmen Jahreszeit der Rosen. Sie sind zusammen die Personifizierung der Vorfrühlings-Göttin Brigid. Der Bär, der im Märchen ja ein verzauberter Prinz ist, und der unter seinem Pelz sein goldenes Gewand trägt, steht für die kommende Sonne, für die Kraft, für das Licht, und ist natürlich der traditionelle tierische Begleiter Brigids. Die Mutter von Schneeweißchen und Rosenrot, die den Bären in ihrem Haus aufnimmt, bis er sich in den Prinzen zurückverwandeln kann, steht für die Göttin der Erde und des Winters, von der die beiden Mädchen sich am Ende des Märchens lösen. Die beiden Mädchen wandeln sich in diesem Märchen von spielerischen Kindern zu jungen, heiratsfähigen Frauen, was wiederum der Zuordnung der Jahreszeit im keltischen Kalender entspricht.

Maria Lichtmess: christliche Umdeutung des heidnischen Festes

Die heidnischen Feste waren über ganz Mittel- und Nordeuropa verbreitet. Im Zuge der Christianisierung von Mittel- und Nordeuropa um das Jahr 1000 wurden die alten Feste nicht ausgemerzt, sondern christlich umgedeutet. Die Hüterinnen der heidnischen Mythen und Rituale sowie der Kräuter-Weisheit, die „Hexen“, wurden in diesem Zuge verfolgt und ausgerottet. In den Märchen, die ebenfalls um diese Zeit entstanden, wurden die „Hexen“ folgerichtig dämonisiert.

Das Lichter- und Reinigungsfest der Brigid wurde in die Feier der Reinigung der Maria nach der Geburt von Jesus Christus umgewandelt. Eine alttestamentarische Vorschrift besagt, dass Jungen 40 Tage nach der Geburt im Tempel vorgestellt werden und die Mütter sich bei dieser Gelegenheit einer rituellen Reinigung unterziehen müssen, um danach wieder „rein“ zu sein. Das Fest der Brigid, das am 1./ 2. Februar gefeiert wurde, liegt genau 40 Tage nach dem 1. Weihnachtsfeiertag, das passte also genau.

Die heidnischen Feuerriten wurden als christliche Lichterzeremonien beibehalten. Bis heute sind Riten der Lichtweihe in ganz Europa noch im Brauchtum verankert. An Maria Lichtmess werden in der Kirche zeremoniell die Kerzen für das neue Jahr geweiht, mancherorts sogar mit einer Prozession. In manchen Dörfern in Österreich wird das frisch geweihte Licht von Haus zu Haus getragen und das heimische Herdfeuer damit angezündet, oder ein Licht auf dem häuslichen Altar. In manchen Orten können Gemeindemitglieder eine oder mehrere Kerzen mitbringen, die dann in der Kirche geweiht werden. Diese Kerzen sollen vor Unglück schützen und wurden früher zum Beispiel bei Unwettern angezündet. Maria Lichtmess ist in der katholischen Kirche auch der Tag, an dem die Weihnachtszeit vorüber ist, die Weihnachtsbäume aus den Kirchen geräumt und die Krippenfiguren wieder verpackt werden.

Altes Brauchtum um Lichtmess

Auf dieser informativen Seite kann man zu den Lichtmess-Bräuchen noch folgendes in Erfahrung bringen:  „Lichtmess war bis ins 20. Jahrhundert auch ein offizieller Feiertag: mit diesem Tag begann das Bauernjahr, ab hier konnte den Umständen entsprechend die Feld-Arbeit wieder aufgenommen werden nach der Winterpause. Am 1. Februar endete auch das Dienstboten- und Knechtsjahr. Die Arbeitnehmenden bekamen den Rest ihres Jahreslohnes ausbezahlt und konnten, oder mussten, sich eine neue Dienststelle suchen, oder das Arbeits-Verhältnis beim alten Arbeitgeber, üblicherweise per Handschlag, um ein weiteres Jahr verlängern. Am Tag danach, [Schlenkel-Tag, Truhen-Tag], begann der kurze Zeitraum bis zum 5. Februar, innert dem der Umzug zum neuen Arbeitgeber zu vollziehen war und welcher für die Knechte und Mägde eine Art Urlaub darstellte.“ Quelle: http://www.keltoi.ch/lichtmess.html

Und was sagt uns das jetzt?

Zuallererst ist Maria Lichtmess ein Tag, den wir, wenn wir wollen, etwas bewusster wahrnehmen können. Es ist doch schön zu wissen, dass dieser Tag bzw. die Vorgänge in der Natur um diese Zeit in unserer Kultur seit Urzeiten gefeiert wurden. Erst in den letzten 100 Jahren wurde das diesbezügliche Brauchtum zurück gedrängt.

Vielleicht machen wir dieser Tage mal einen Spaziergang unter dem hellen Himmel, oder wir nehmen das Sonnenlicht oder die Geräusche der erwachenden Natur einmal ganz intensiv wahr. Natürlich kann jetzt ein Frühjahrsputz oder eine Ausmist-Aktion nicht schaden. Und ein schönes Bad mit einem guten Badezusatz als „Reinigungs-Ritual“ tut ja im Winter immer gut – und uns Mamas im Dauereinsatz sowieso!

 

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